Angehörigenpflege plus Job als zunehmend wichtigeres Modell

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Ein Großteil der Betreuung Pflegebedürftiger wird in Deutschland von Angehörigen übernommen. Die Pflege wird dabei zunehmend häufiger neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erbracht.

Das geht aus der Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. Angehörigenpflege ist – häufig zu wenig beachtet – auch ein Thema für die gesetzliche Rentenversicherung. Denn pflegende Angehörige, die mindestens 14 Wochenstunden für die Pflege aufwenden, erwerben hierdurch Rentenversicherungsansprüche (soweit sie einen entsprechenden Antrag stellen).

Und die Deutsche Rentenversicherung registriert natürlich auch, wer als Arbeitnehmer (und manchmal auch als Selbstständiger) versicherungspflichtig ist. Genau diese beiden Merkmale – also normale Versicherungspflicht und Versicherungspflicht als pflegender Angehöriger – treten zunehmend häufiger kombiniert auf. 43,8 % der registrierten pflegenden Angehörigen waren zusätzlich als Arbeitnehmer versicherungspflichtig – das geht aus dem Versichertenbericht 2016 der Deutschen Rentenversicherung hervor. Das waren 7,4 Prozentpunkte mehr als 2014.

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Ob und wie viel die Zeit der Angehörigenpflege für die Rente zählt, hängt vor allem vom Ergebnis der Begutachtung des Pflegebedürftigen ab. Generell gilt: Je höher der Pflegebedarf der Betroffenen, desto höhere Rentenansprüche erwerben die pflegenden Angehörigen. Generell gilt aber: Pflegezeiten gelten nur dann als rentenversicherungspflichtig, wenn die Angehörigen durch die Pflege mindestens 14 Stunden in der Woche beansprucht sind.

So erwirbt ein in den alten Bundesländern lebender Angehöriger, der einen Pflegebedürftigen mit Pflegestufe I ein Jahr lang wöchentlich mindestens 14 Stunden pflegt, einen monatlichen Rentenanspruch in Höhe von 7,80 €. Wer schon als Angestellter oder Selbstständiger versicherungspflichtig ist, erwirbt doppelte Rentenansprüche. Besonders gut verdienende Arbeitnehmer müssen allerdings beachten: Insgesamt können innerhalb eines Kalenderjahrs derzeit nur gut zwei Entgeltpunkte für die Rente erworben werden. Das entspricht einem monatlichen Rentenanspruch von knapp 62,50 €. Wer ohnehin schon monatlich 6.200,00 € (das ist die derzeitige Beitragsbemessungsgrenze) oder mehr verdient, erwirbt durch Angehörigenpflege damit keine zusätzlichen Rentenansprüche.

Wert eines Jahres Pflegetätigkeit für die monatliche Rente (seit Juli 2016)

West

Ost

Stufe I: mindestens 14 Stunden Pflege pro Woche

7,80 €

7,32 €

Stufe II: mindestens 14 Stunden Pflege pro Woche

10,41 €

9,75 €

mindestens 21 Stunden Pflege pro Woche

15,61 €

14,63 €

Stufe III: mindestens 14 Stunden Pflege pro Woche

11,71 €

10,97 €

mindestens 21 Stunden Pflege pro Woche

17,56 €

16,46 €

mindestens 28 Stunden Pflege pro Woche

23,41 €

21,95 €

Ab 2017 gelten neue Regeln. Künftig zahlt die Pflegeversicherung Rentenbeiträge für alle Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 2 bis 5 mindestens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens zwei Tage, zu Hause pflegen. Die Belastungsgrenze wurde damit von 14 auf zehn Stunden pro Woche herabgesetzt. Das bedeutet: Mehr Angehörige als bisher erwerben Rentenansprüche. Die Ansprüche fallen dabei künftig allerdings in vielen Fällen etwas geringer aus als bisher.

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