Abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren nach 45 Versicherungsjahren

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Besonders langjährig Versicherte, die bis zum vollendeten 63. Lebensjahr bereits 45 Versicherungsjahre (inklusive Arbeitslosigkeit und Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung) nachweisen können, werden künftig bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können.

Tatsächlich trifft das aber nur auf die Geburtsjahrgänge 1951 und 1952 zu. Jahrgang 1951 kann ab 1.7.2014 nach 45 Beitragsjahren mit 63 Jahren (also am 1.7. bis 31.12.1951 geborene und besonders langjährig Versicherte) in Rente gehen. Jahrgang 1952 ein Jahr später. Für alle jüngeren Jahrgänge erhöht sich das sog. Zugangsalter für eine abschlagsfreie Rente stufenweise bis auf 65 Jahre ab Jahrgang 1964. Dazu heißt es im Koalitionsvertrag: "Das Zugangsalter, ab dem der abschlagsfreie Rentenzugang möglich ist, wird schrittweise parallel zur Anhebung des allgemeinen Renteneintrittsalters auf 65 Jahre angehoben".

Mittlerweile liegt die entsprechende Gesetzesänderung für die schrittweise Erhöhung des Zugangsalters vor. Danach gilt folgende Tabelle.

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente mit 63 bis 65 Jahren nach 45 Versicherungsjahren für die Jahrgänge 1951 bis 1964 und darüber

Geburtsjahr bzw. -monat

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente

1951 und 1952

63 Jahre

1953

63 Jahre und 2 Monate

1954

63 Jahre und 4 Monate

1955

63 Jahre und 6 Monate

1956

63 Jahre und 8 Monate

1957

63 Jahre und 10 Monate

1958

64 Jahre

1959

64 Jahre und 2 Monate

1960

64 Jahre und 4 Monate

1961

64 Jahre und 6 Monate

1962

64 Jahre und 8 Monate

1963

64 Jahre und 10 Monate

ab 1964

65 Jahre

Diese Neuregelung nützt den Versicherten, die zu den Jahrgängen 1951 bis 1963 gehören, als besonders langjährig Versicherte tatsächlich 45 Versicherungsjahre bis zu dem in der Tabelle genannten Zugangsalter nachweisen können und tatsächlich erst frühestens ab 1.7.2014 in Rente gehen.

Laut Referentenentwurf zählen alle Zeiten der Arbeitslosigkeit (unbegrenzt) und alle Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung mit bis zu zehn Jahren pro Kind zu den Versicherungszeiten.

Eine Nachbesserung für sog. Bestandsrentner, die bereits mit 63 Jahren vor dem 1.7.2014 nach 45 Beitragsjahren gegangen sind und dabei einen Rentenabschlag in Kauf nehmen mussten, sofern sie nicht als schwerbehinderte Personen galten, soll es nicht geben. Dies würde beispielsweise Rentner des Jahrgangs 1950 treffen, die im Jahr 2013 mit 63 Jahren in Rente gingen und lebenslang einen Rentenabschlag in Höhe von 8,4 % der monatlichen Rente in Kauf genommen bzw. diesen Rentenabschlag durch einen hohen Ausgleichsbetrag abgekauft haben. Im Extremfall könnte dieser Nachteil sogar für im ersten Halbjahr 1951 geborene Rentner gelten, die nach Vollendung des 63. Lebensjahrs im ersten Halbjahr 2014 und somit noch vor dem 1.7.2014 mit hohem Rentenabschlag vorzeitig in Rente gehen.

Versicherte ab Jahrgang 1964 können grundsätzlich erst mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, sofern sie 45 Beitragsjahre (inkl. max. 5 Jahre Arbeitslosigkeit) oder die Wartezeit von 45 Jahren (inkl. Berücksichtigungszeiten für Kinder bis zu 10 Jahre pro Kind, aber ohne Jahre der Arbeitslosigkeit) bis zum vollendeten 65. Lebensjahr erreichen. Es hängt vom jeweiligen Einzelfall ab, welche Regelung günstiger für den Versicherten günstiger ist. Er muss nur eine von zwei Bedingungen (45 Beitragsjahre inkl. Arbeitslosigkeit oder Wartezeit von 45 Jahren inkl. Berücksichtigungszeiten für Kinder) erfüllen, um die abschlagsfreie Rente mit 65 Jahren zu bekommen.

Versicherte, die im ersten Halbjahr 1951 geboren sind und auf ihrem 63. Geburtstag im ersten Halbjahr 2014 bereits 45 Beitragsjahre erreicht haben, sollten ihren Rentenantrag auf jeden Fall bis Ende Juni 2014 aufschieben, um Rentenabschläge zu vermeiden. Falls die Beschäftigung beispielsweise nach vollendetem 63. Lebensjahr zum 30.4.2014 endet, falls mit dem Arbeitgeber ein Altersteilzeitvertrag bis zu diesem Datum abgeschlossen wurde, können die zwei Monate bis zum 30.6.2014 mit Arbeitslosengeld I überbrückt werden, sofern sich der Betreffende rechtzeitig als Arbeitssuchender bei der Agentur für Arbeit gemeldet hat und er den Abschluss des Altersteilzeitvertrags nicht selbst beantragt hatte.

Sonderfall Beamtenversorgung

Eine wirkungsgleiche Übertragung der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren auf die Beamtenversorgung ist nicht so ohne weiteres möglich. Die Höhe der Beamtenpension hängt außer vom letzten Bruttogehalt von der Anzahl der Dienstjahre ab, da Beamte keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Auf 45 Dienstjahre wird aber kein Beamter, der ein Studium absolviert hat (z.B. Lehrer), kommen.

Darüber hinaus gibt es seit der Föderalismusreform kein einheitliches Beamtenversorgungsgesetz mehr für die Bundesbeamten und die Landes- bzw. Kommunalbeamten in den 16 Bundesländern. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben beispielsweise schon angekündigt, dass sie aus Kostengründen eine abschlagsfreie Pension mit 63 Jahren nach 45 Dienstjahren nicht einführen werden. Auch Bundesinnenminister de Maizière hat auf der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes am 6.1.2014 angekündigt, dass es eine Übertragung der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren auf die Versorgung der Bundesbeamten, Soldaten und Richter nicht geben werde.

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