Abschlagsfreie Rente ab 63 ist häufig günstiger als die Schwerbehindertenrente

 - 

Schwerbehinderte können beim Renteneintrittsalter mehrere Möglichkeiten wählen.

Viele ältere Arbeitnehmer sind schwerbehindert. Sie können nach Erreichen der Altersgrenze in der Regel die Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Anspruch nehmen. Doch günstiger ist häufig – zumindest für die Jahrgänge 1952 bis 1957 – die zum 1.7.2014 reformierte Altersrente für besonders langjährig Versicherte, die eine abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren ermöglicht.

Das gilt für die Schwerbehindertenrente

Wer gesundheitliche Handicaps hat, kann häufig nicht bis zum regulären Rentenalter voll arbeiten. Das berücksichtigt die gesetzliche Rentenversicherung: Wer schwerbehindert ist, kann deutlich früher in Altersrente gehen. Dafür ist das Altersruhegeld für schwerbehinderte Menschen – salopp: die Schwerbehindertenrente – vorgesehen. Wer 1953 geboren wurde, kann beispielsweise mit 63 Jahren und sieben Monaten ohne Abschläge – also ohne Rentenkürzung – das vorgezogene Altersruhegeld für Schwerbehinderte erhalten. Es geht sogar deutlich früher – dann aber mit Abschlägen. Für 1953er gibt es z.B. die Schwerbehindertenrente mit 60 Jahren und sieben Monaten – dann aber mit einer Rentenkürzung um 10,8 %.

In den kommenden Jahren wird die Altersgrenze für die frühestmögliche Inanspruchnahme dieser Rente peu à peu nach hinten verschoben – bis auf 62 Jahre (für den Jahrgang 1964). Und die Grenze für den abschlagsfreien Rentenbezug steigt auf 65 Jahre (ebenfalls für den Jahrgang 1964). Doch weiterhin gilt: Die Schwerbehindertenrente gibt es deutlich früher als die reguläre Altersrente.

Die Hürden, die der Gesetzgeber vor dieser Rente aufgebaut hat, sind vergleichsweise niedrig. Schon nach 35 Versicherungsjahren wird die Schwerbehindertenrente gewährt, wobei auch Zeiten des Schulbesuchs oder von Arbeitslosigkeit mitzählen und pro Kind maximal zehn Jahre sog. Berücksichtigungszeit.

Deshalb können die Betroffenen in der Regel, wenn sie die oben genannten Altersgrenzen erreichen, in Rente gehen. Unter Umständen geht es ohne Rentenkürzung allerdings auch noch einige Monate früher: mit der neuen abschlagsfreien Rente ab 63. Denn diese kommt für Schwerbehinderte genauso in Betracht.

Abschlagsfreie Rente ab 63: Die Neuregelung bringt Vorteile

Die offizielle Bezeichnung ist Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Und wie der Name schon sagt, handelt es sich in erster Linie um ein Sonderangebot für diejenigen, die besonders lange in die Rentenkasse eingezahlt haben. Ob jemand schwerbehindert ist oder gesundheitlich völlig fit, spielt dabei keinerlei Rolle. Dafür sind die Hürden bei den Versicherungszeiten besonders hoch: 45 Jahre mit Pflichtbeiträgen oder Kinderberücksichtigungszeiten müssen die Interessenten vorweisen. Wer diese Hürden meistert, kann vorzeitig ohne Abschläge in die Rente gehen – und zwar bis zu sechs Monate früher als bei der Schwerbehindertenrente.

Beispiel:

Wer zwischen Juni und Dezember 1952 geboren wurde, kann die Schwerbehindertenrente mit 63 Jahren und sechs Monaten abschlagsfrei erhalten. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte gibt es für ihn dagegen bereits mit 63 Jahren. Das erspart dem Betroffenen pro Monat 0,3 Prozentpunkte Rentenabschlag, bei sechs Monaten sind das 1,8 %. Bei einem Rentenanspruch von 1.000,00 € macht das einen Unterschied von 18,00 €.

Auch bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte steigt die Altersgrenze peu à peu an – allerdings schneller als bei der Schwerbehindertenrente. Für die Jahrgänge ab 1958 macht es für den abschlagsfreien Renteneintritt deshalb keinen Unterschied mehr, welche der beiden Rentenarten bezogen wird. Für Schwerbehinderte der Jahrgänge 1952 bis 1957 kann die neue Rente dagegen Vorteile bringen.

Schwerbehindertenrente und Rente für besonders langjährig Versicherte im Vergleich: Wann gibt es die Rente frühestens ohne Rentenabschlag?

Versicherte des
Geburtsjahrs/-monats

Schwerbehinderte

besonders langjährig Versicherte

auf das Alter

auf das Alter

von ... Jahren

und ... Monaten

von ... Jahren

und ... Monaten

1952 Januar

63

1

63

0

1952 Februar

63

2

63

0

1952 März

63

3

63

0

1952 April

63

4

63

0

1952 Mai

63

5

63

0

1952 Juni bis Dezember

63

6

63

0

1953

63

7

63

2

1954

63

8

63

4

1955

63

9

63

6

1956

63

10

63

8

1957

63

11

63

10

1958

64

0

64

0

1959

64

2

64

2

1960

64

4

64

4

1961

64

6

64

6

1962

64

8

64

8

1963

64

10

64

10

1964

65

0

65

0

Falscher Rentenantrag kaum möglich

Wer bei der Deutschen Rentenversicherung eine Schwerbehindertenrente beantragt, kann darauf vertrauen, dass dort auch geprüft wird, ob die Altersrente für besonders langjährig Versicherte für ihn nicht höher ausfällt. Im Zweifelsfall wird der ungünstigere Antrag von der Rentenversicherung als Antrag auf die günstigere Rente gewertet. Geschieht dies nicht, so greift sogar der sog. sozialrechtliche Herstellungsanspruch: Wer beispielsweise im Juli 2014 die Schwerbehindertenrente beantragt und nachträglich feststellt, dass die Altersrente für besonders langjährig Versicherte rund 20,00 € höher ausgefallen wäre, muss nachträglich in die bessere Rente umgruppiert werden.

Wer als schwerbehindert anerkannt ist, sollte in jedem Fall prüfen, ob für sie oder ihn die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Betracht kommt. Beachten sollte man allerdings: Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man bis zu sechs Monate früher ohne Abschläge in Rente gehen kann. Doch wer früher aus der Beschäftigung ausscheidet und vorzeitig in Rente geht, dem fehlen auch Beitragsmonate. Die gesetzliche Rente fällt deshalb etwas niedriger aus – auch wenn sie abschlagsfrei gezahlt wird. Bei einem Durchschnittsverdiener bringt ein zusätzliches Beschäftigungsjahr immerhin eine um rund 30,00 € höhere Monatsrente.

Quelle: "Der GeldBerater", Oktober 2014

Aktuelle Informationen zu Sozialversicherungsthemen lesen Sie jeden Monat im Newsletter "Vorsorgetipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Club der über 80-Jährigen wächst massiv an

    [] (verpd) Zwischen 1990 und 2015 hat sich die Anzahl der Senioren ab 80 Jahren weltweit mehr als verdoppelt. 2015 waren 1,7 Prozent der Bevölkerung hochbetagt. 2040 werden es dann sogar schon 3,3 Prozent sein, so die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. erstellte Analyse auf Basis von Daten der Vereinten Nationen. mehr

  • Das regionale und persönliche Risiko, arm zu werden

    [] (verpd) Das Statistische Bundesamt hat vor Kurzem aufgeschlüsselt, wie hoch letztes Jahr das Risiko der Bürger in den einzelnen Regionen Deutschlands war, von Armut gefährdet zu sein. Unter anderem war das Armutsrisiko in Bremen am größten und in Baden-Württemberg am niedrigsten. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass besonders Haushalte mit Alleinerziehenden und Erwerbslosen bedroht waren. In Sachsen-Anhalt war mit 60 Prozent der Alleinerziehenden der größte Anteil von Armut bedroht. mehr

  • Große Unterschiede beim Alterseinkommen von Mann und Frau

    [] (verpd) Fast die Hälfte der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren befasst sich nicht mit dem Thema Altersvorsorge. Das ergab eine Umfrage unter 1.000 Frauen. Dabei sind Frauen finanziell im Rentenalter im Durchschnitt erheblich schlechter gestellt als Männer, wie aus einer Aussage der Bundesregierung hervorgeht. mehr

  • Wann GmbH-Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig sind

    [] (verpd) Die Tatsache, dass ein Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH eine Filiale des Unternehmens eigenverantwortlich und frei von Weisungen leitet, ist für sich gesehen kein Indiz für eine nicht sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Sozialgerichts Stuttgart hervor (Az. S 17 R 747/14). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.