Ab welchem Arbeitseinkommen Altersarmut droht

Ab welchem Arbeitseinkommen Altersarmut droht

 - 

(verpd) Nach einer jüngst vorgestellten Studie einer Gewerkschaft würde die Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen bei dem derzeit festgeschriebenen Mindestrentenniveau von 43 Prozent im Jahr 2030 maximal 1.000 Euro oder weniger Nettorente vor Steuern erhalten.

Die Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi) hat vor Kurzem eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zur jetzigen Einkommens- und künftigen Rentensituation sozialversicherungspflichtig Beschäftigter vorgestellt. Sie wurde vom Eduard Pestel Institut für Systemforschung unter anderem auf Grundlage von Daten zum Bruttoarbeitseinkommen des Jahres 2015 erstellt.

Rund 28,2 Millionen Arbeiter und Arbeitnehmer, die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, haben laut Studie ein Durchschnitts-Nettoeinkommen von 1.948 Euro. Davon wiederum haben knapp 26,5 Millionen Beschäftigte neben ihrem Arbeitseinkommen und gegebenenfalls einem Kindergeld keine weiteren Einkunftsquellen. Ihr durchschnittliches Monatsnettoeinkommen liegt bei 1.939 Euro.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass 44 Prozent dieser sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weniger als 2.500 Euro brutto im Monat verdienen. Rechnet man die 5,14 Millionen Personen, die nur einen Minijob haben, mit dazu, sind es sogar 50 Prozent.

Wertvolle Expertentipps zu allen Formen der staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Sie in unserem Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Niedrige Rentenhöhe ...

Die Studienautoren haben zudem untersucht, wie hoch die voraussichtliche gesetzliche Altersrente je nach Einkommenshöhe ist, wenn das Nettorentenniveau auf dem Stand von 2015, hier waren es rund 47,7 Prozent, bleiben würde.

Die jeweilige Rentenhöhe wurde entsprechend den Beitragsjahren ermittelt, dazu wurde angenommen, dass der Erwerbstätige 30, 40 oder 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Bei Arbeitnehmern mit einem bisherigen Bruttomonatseinkommen von 2.500 Euro beträgt die gesetzliche Rentenhöhe nach Abzug der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung voraussichtlich 669 Euro, 891 Euro und 1.003 Euro nach 30, 40 und 45 Beitragsjahren in Westdeutschland. In Ostdeutschland sind es 725 Euro, 967 Euro und 1.088 Euro.

Aktuelle Tipps zum flexiblen Renteneintritt geben Experten in unserem Ratgeber Die Flexi-Rente: Neue Chancen für Rentenversicherte und Rentner.

... selbst bei einem Einkommen von 2.500 Euro

Zudem wurde die voraussichtliche Rentenhöhe bei einem Nettorentenniveau von 43 Prozent – dem gesetzlich festgeschriebenen Mindestsicherungsniveau für das Jahr 2030 – ermittelt. Demnach würde die Rentenhöhe bei einem bisherigen Monatseinkommen von 2.500 Euro in den alten Bundesländern nach 30, 40 und 45 Beitragsjahren bei 603 Euro, 804 Euro und 904 Euro liegen.

In den neuen Bundesländern wären es voraussichtlich 654 Euro, 872 Euro und 981 Euro. Ein weiteres Studienergebnis: Wenn sich an der Einkommensstruktur nichts ändert, würden 2030 bei einem Nettorentenniveau von 43 Prozent 50 Prozent in West- und 60 Prozent in Ostdeutschland der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten selbst nach 45 Beitragsjahren 1.000 Euro oder weniger Rente erhalten. 19 Prozent in West- und 22 Prozent in Ostdeutschland würden sogar nur maximal 600 Euro bekommen.

Wie Sie trotz Niedrigzinsen und Inflation Ihr Geld vermehren können, erläutern Experten in unserem Ratgeber Niedrigzinsen und Inflation: So retten Sie Ihre Ersparnisse.

Die Mehrheit muss mit einer geringen Rente rechnen

Die Studienautoren betonen: "Selbst bei einem Bruttoeinkommen von 2.500 Euro monatlich und 40 Beitragsjahren liegt die Rentenerwartung für Personen mit einem erwarteten Renteneintritt im Jahr 2030 mit Zahlbeträgen ... um 800 Euro im Bereich der Grundsicherungsleistungen (inklusive der Unterkunftskosten)."

In der Studie wird zudem darauf hingewiesen, dass nach dem offiziellen Alterssicherungsbericht 2016 46,5 Prozent der Beschäftigten mit einem Bruttolohn von unter 1.500 Euro keine zusätzliche Altersvorsorge haben. Das Gleiche gilt für 39,2 Prozent der Beschäftigten mit einem Bruttoeinkommen zwischen 1.500 Euro und 2.500 Euro.

"Daraus errechnen sich allein über die im Mikrozensus 2015 hochgerechneten 11,65 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne weitere Einkünfte eine Zahl von 4,9 Millionen Personen, deren eigenen Rentenerwartungen im Bereich der Grundsicherung und darunter liegen", so die Studienautoren weiter.

Was ändert sich ab 60plus? Dieser Ratgeber gibt Ihnen Sicherheit bei Finanzen, Versicherungen, Altersvorsorge und Pflege.

Warum eine zusätzliche Altersvorsorge wichtig ist

Laut den Studienergebnissen reicht es in der Regel nicht, sich auf die gesetzliche Rente alleine zu verlassen, um im Rentenalter ein Einkommen zu haben, das den bisherigen Lebensstandard sichert.

Für eine sinnvolle Planung der zusätzlichen Altersvorsorge ist es unter anderem unabdingbar zu wissen, wie hoch das voraussichtliche Alterseinkommen sein wird. Zu berücksichtigen ist dabei nicht nur die zu erwartende gesetzliche Rentenhöhe, sondern auch die sonstigen Einnahmen, beispielsweise aus möglichen Mieteinkünften und Kapitalanlagen.

Reicht das voraussichtliche Alterseinkommen für die gesetzten Ziele nicht aus, berät der Experte zudem, mit welchen zum Teil auch staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten sich diese Lücke am besten schließen lässt.

Die optimale Baufinanzierung. Detaillierte Checklisten, umfangreiche Finanzierungskonzepte und leicht verständliche Beispielrechnungen sorgen dafür, dass Sie mit Ihren Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln können.

Weitere News zum Thema

  • Keine 800 Euro Erwerbsminderungsrente

    [] Nicht jeder bleibt so gesund, dass er tatsächlich bis zur Altersrente Vollzeit arbeiten kann. Ist das der Fall, hat ein gesetzlich Rentenversicherter, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind, Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Über 1,8 Millionen Menschen haben letztes Jahr eine solche Rente bezogen. Allerdings lag die durchschnittliche Rentenhöhe selbst bei jemandem, der aufgrund eines Gesundheitsleidens überhaupt nicht mehr erwerbstätig sein kann, deutlich unter 800 Euro. mehr

  • Weniger als 570 Euro Hinterbliebenenrente im Durchschnitt

    [] Ende 2016 erhielten rund 5,7 Millionen Bürger eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe je Bezieher 565 Euro monatlich. Verwitwete Männer, verwaiste Kinder und junge Witwen erhielten sogar deutlich weniger. Das geht aus einer veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. mehr

  • Viele sehen sich von Altersarmut bedroht

    [] Fast jeder Zweite hält es laut einer Umfrage eines Versicherers für wahrscheinlich, dass er selbst im Rentenalter von Altersarmut betroffen sein wird. Doch nur wenige wissen, was sie finanziell im Alter zu erwarten haben, wie eine weitere Studie belegt. mehr

  • Sorge um die Zukunft

    [] Zwar ist die Mehrheit der Bürger mittleren Alters aktuell mit ihrer Lebenssituation zufrieden, dennoch sorgt sich jeder Zweite um seine finanzielle Einkommenssituation im Rentenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). mehr

  • Provisionen können Elterngeld erhöhen

    [] Provisionen, die der Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt des Kindes zahlt, können das Elterngeld erhöhen, wenn sie als laufender Arbeitslohn gezahlt werden. Werden Provisionen hingegen als sonstige Bezüge gezahlt, erhöhen sie das Elterngeld nicht. Das hat der 10. Senat des Bundessozialgerichts am 14. Dezember 2017 in mehreren Verfahren entschieden (B 10 EG 7/17 R u. a.). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.