Ab wann Rentner steuerpflichtig sind

 - 

(verpd) Hat ein Rentner ein zu versteuerndes Gesamteinkommen, das über den festgelegten Grundfreibetrag liegt, ist er einkommensteuer-pflichtig. Zu den Einkünften zählen dabei nicht nur die gesetzliche Rente, sondern zum Beispiel auch mögliche Miet- oder Pachteinnahmen sowie Betriebsrenten.

Normalerweise berechnet sich das zu versteuernde Einkommen aus den Bruttoeinnahmen, also Einkommen inklusive Steuern und Sozialabgaben, abzüglich steuerlich absetzbarer Ausgaben, wie Werbungskosten, Sonderausgaben-Pauschalbetrag und abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen. Nur wenn das zu versteuernde Einkommen unter dem gesetzlich festgelegten Grundfreibetrag liegt, ist für das Einkommen keine Einkommensteuer zu entrichten. Der Grundfreibetrag soll sicherstellen, dass das zum Existenzminimum notwendige Einkommen nicht noch durch Steuern gemindert wird.

2013 betrug der Grundfreibetrag 8.130 € im Jahr 2014 8.354 € und 2015 wird er nach dem aktuellen Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Finanzen voraussichtlich auf 8.472 € angehoben. Auch Rentenbezieher müssen, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt, Einkommensteuer zahlen. Allerdings sind (noch) nicht alle gesetzlichen Rentenbezüge einkommensteuerpflichtig.

Nachgelagerte Besteuerung

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2002 wurde die Besteuerung der Altersbezüge, also unter anderem der gesetzlichen Renten, durch das Alterseinkünftegesetz seit 2005 neu geregelt. Dabei wurde die sogenannte nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Bereits bis zum Jahre 2005 unterlagen 50 Prozent der gesetzlichen Renteneinkünfte der Besteuerung. Seit 2005 ist der Anteil der Rente, der besteuert wird, abhängig vom Jahr des individuellen Rentenbeginns.

Ab 2005 stieg und steigt der Besteuerungsanteil bis 2020 pro Jahr um jeweils zwei Prozent, danach bis zum Jahr 2040 um jeweils ein Prozent. Wer also 2006 erstmalig eine gesetzliche Rente erhielt, muss jedes Jahr 52 Prozent seiner ursprünglichen Rente plus alle Rentenerhöhungen zu 100 % versteuern. Hintergrund: Jeder Rentensteigerungsbetrag muss seit dem Jahr 2005 voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, da bei Rentenbeginn der steuerfreie Anteil der Rente in Form eines Rentenfreibetrags festgeschrieben wird.

Wer 2015 zum ersten Mal eine gesetzliche Rente erhält, hat einen Besteuerungsanteil von 70 Prozent, das heißt, grundsätzlich müssen 30 Prozent der Rente nicht versteuert werden. Personen, die erstmalig 2040 oder danach eine gesetzliche Rente erhalten, müssen eine gesetzliche Rente komplett, also zu 100 Prozent, versteuern.

Rentenbesteuerung hängt vom Rentenbeginn ab

Das Bundesministerium der Finanzen hat vor Kurzem eine tabellarische Übersicht veröffentlicht, aus der hervorgeht, wie hoch der Steueranteil auf die Rente ausfällt und welche Bruttomonatsrenten steuerfrei bleiben, wenn keine weiteren Einkünfte hinzuzurechnen sind. In der Tabelle wurde noch nicht die voraussichtliche Erhöhung des Grundfreibetrages berücksichtigt.

Maximale Höhe einer steuerunbelasteten Jahresbruttorente je nach Jahr des Rentenbeginns bzw. des Besteuerungsanteils

Jahr des Rentenbeginns

höchste Jahresbrutto-Rente 2015, die noch steuerunbelastet bleibt

Besteuerungsanteil nach dem Jahr des Rentenbeginns in %

der Besteuerung unterliegender Anteil der Rente in

davon gehen ab in €:

Werbungskosten-Pauschbetrag

Sonderausgaben-Pauschbetrag

abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen

zu versteuerndes Einkommen

(entspricht dem steuerfreien Grundfreibetrag)

2005

18.923 € (monatl.1.577 €)

50 %

10.489 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.997 €

8.354 €

2006

18.201 € (monatl.1.517 €)

52 %

10.413 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.921 €

8.354 €

2007

17.532 € (monatl.1.461 €)

54 %

10.343 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.851 €

8.354 €

2008

16.982 € (monatl.1.415 €)

56 %

10.285 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.793 €

8.354 €

2009

16.527 € (monatl.1.377 €)

58 %

10.237 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.745 €

8.354 €

2010

16.248 € (monatl.1.357 €)

60 %

10.211 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.719 €

8.354 €

2011

15.723 € (monatl.1.310 €)

62 %

10.152 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.660 €

8.354 €

2012

15.289 € (monatl.1.274 €)

64 %

10.106 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.614 €

8.354 €

2013

14.972 € (monatl.1.248 €)

66 %

10.072 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.580 €

8.354 €

2014

14.617 € (monatl.1.218 €)

68 %

10.035 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.543 €

8.354 €

2015

14.287 € (monatl.1.191 €)

70 %

10.000 €

Werbungskosten-Pauschale 102 €

Sonderausgaben-Pauschale 36 €

Vorsorgeaufwendungen 1.508 €

8.354 €

Hinweis: Die Angaben sind Näherungswerte für alleinstehende Rentner; sie gelten nur dann, wenn keine anderen Einkünfte vorliegen und der kassenindividuelle Zusatzbeitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung 0,9 Prozent beträgt. Bis zu welcher Bruttojahresrente im Einzelfall keine Steuern zu zahlen sind, hängt von weiteren persönlichen Merkmalen ab.

Datenquelle: Bundesministerium für Finanzen

Wenn sich der Grundfreibetrag wie geplant ändert

Geht man davon aus, dass der Grundfreibetrag wie im Gesetzesentwurf des BMF geplant für 2015 auf 8.472 € angehoben wird, bleibt die Rente eines Alleinstehenden, der 2015 erstmals eine gesetzliche Rente bezieht, ohne einen Steuerabzug, wenn er maximal rund 1.205 € im Monat Rente (14.454 € im Jahr) erhält. Bei einem verheirateten Paar verdoppeln sich die Beträge.

Die Berechnung dazu: Der Grundfreibetrag für 2015 liegt bei voraussichtlich 8.472 €. Zum Grundfreibetrag kann man den Werbungskosten-Pauschalbetrag von 102 €, den Sonderausgaben-Pauschalbetrag von 36 € und die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen von rund 1.508 € hinzurechnen. Denn diese Beträge kann ein Rentner in der Regel mindestens von seinem steuerpflichtigen Einkommen abziehen.

Daraus ergibt sich, dass ein Rentner einen maximal zu versteuernden Rentenanteil von rund 10.118 € (8.472 €+102 €+36 €+1.508 €) haben darf, um keine Steuern zahlen zu müssen. Da bei einem Rentner, der 2015 erstmalig eine Rente bezieht, 70 Prozent der Rente zu versteuern sind, darf der Rentner somit maximal 14.454 € Rente – 70 Prozent davon sind 10.118 € – im Jahr haben, um steuerfrei zu bleiben. Bis zu welcher Bruttojahresrente im Einzelfall keine Steuern zu zahlen sind, kann von weiteren persönlichen Merkmalen abhängen.

Steuererleichterungen bei der Altersvorsorge

Weitere Informationen zum Thema Rente und Steuern gibt es im kostenlos herunterladbaren Flyer „Versicherte und Rentner: Informationen zum Steuerrecht“ der Deutschen Rentenversicherung. Nach Angaben des BMF hat der Gesetzgeber das sogenannte Rentenbezugs-Mitteilungsverfahren eingeführt, um sicherzustellen, dass auch die Renten bei der Einkommensteuer-Erklärung vollständig angegeben werden.

Dementsprechend müssen zum Beispiel die gesetzlichen Rentenversicherungs-Träger, berufsständischen Versorgungs-Einrichtungen, Pensionsfonds, Pensionskassen, Direktversicherungen und Anbieter von Riester-/Basis-Renten den Finanzbehörden melden, in welcher Höhe sie Altersbezüge ausgezahlt haben. Darunter fallen etwa die gesetzliche Rente, Betriebsrenten sowie Riester- oder Basis-Renten.

Übrigens: Während der steuerpflichtige Anteil einer Rente im Rahmen der nachgelagerten Besteuerung bis 2040 steigt, werden die Beiträge, die ein Erwerbstätiger für diverse Formen der Altersvorsorge einzahlt, bis 2025 zunehmend von der Einkommensteuer befreit. So kann zum Beispiel jedes Jahr ein höherer Beitragsanteil für einen Rürup- oder auch Basis-Rentenvertrag steuerlich abgesetzt werden. Auch Prämien für einen Riester-Vertrag können zu Steuerersparnissen führen.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Änderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung

    [] (verpd) In der gesetzlichen Rentenversicherung änderte sich zum 1. Januar 2017 einiges. So wurden die reguläre Altersgrenze und diejenige für die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahre weiter angehoben. Auch die Beitragsbemessungs-Grenzen sind seit Jahresanfang höher, wodurch Arbeitnehmer mit einem Verdienst oberhalb der neuen Grenzen mehr Rentenbeitrag zahlen müssen. mehr

  • Seit 1.1.2017: Rentenbeginn flexibilisiert

    [] Am 1.1.2017 ist die Flexirenten-Reform in Kraft getreten. Sie soll dafür sorgen, dass künftig mehr Arbeitnehmer auch im (vorgezogenen) Ruhestand noch arbeiten oder sogar über die Regelaltersgrenze hinaus noch ihrem Betrieb erhalten bleiben. mehr

  • Worauf Rentner bei einem Wohnortwechsel achten sollten

    [] (verpd) Wer als Rentner den Wohnort dauerhaft wechselt und seine neue Postanschrift nicht dem für ihn zuständigen Rentenversicherungsträger mitteilt, muss damit rechnen, dass die Auszahlung seiner Altersbezüge eingestellt wird. Können nämlich Briefe des Rentenversicherungsträgers nicht zugestellt und die neue Adresse nicht ermittelt werden, wird die Rente nicht mehr überwiesen. mehr

  • So niedrig ist die Erwerbsminderungsrente

    [] (verpd) Ist ein gesetzlich Rentenversicherter aufgrund eines Unfalles oder einer Krankheit nicht mehr oder nur im eingeschränktem Maße fähig, irgendeiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, bekommt er unter Umständen eine Erwerbsminderungsrente. Insgesamt beziehen knapp 1,8 Millionen Betroffene derzeit eine Erwerbsminderungsrente. Trotz einer vollen Erwerbsminderung erhielten die Betroffenen letztes Jahr im Durchschnitt jedoch keine 750 Euro Erwerbsminderungsrente. In den meisten Fällen ist das zu wenig, um das durch die verminderte Erwerbsfähigkeit entgangene Einkommen zu kompensieren. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.