Ab 1.6.2014: Mütterrente auch bei Heiratserstattung

Ab 1.7.2014: Mütterrente auch bei Heiratserstattung

 - 

Mütter, die über 65 Jahre alt sind, mehr als ein Kind geboren haben und noch keine Altersrente beziehen, sollten sich sofort bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen. Auch diese Mütter können ab Juli 2014 von der Mütterente profitieren, wenn sie eine kleine Summe einzahlen.

So wie unsere Beispiel-Geschwister Andrea, Beate und Clara Schmidt (siehe unten) haben sich viele Frauen anlässlich ihrer Heirat die Rentenbeiträge auszahlen lassen. Nicht selten nutzen sie das Geld von der Rentenkasse, um das Schlafzimmer oder die Waschmaschine davon zu kaufen.

Was aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar ist, war bis Anfang der 1960iger Jahre vollkommen "normal": Ehefrauen bedurften nach den damaligen Wertvorstellungen keiner eigenständigen Alterssicherung - sie waren ja verheiratet und augenscheinlich über den Ehemann abgesichert.

Damit teilen beispielsweise Andrea, Beate und Clara (siehe unten) das Schicksal vieler "Nur-Hausfrauen" in den "Versorgerehen". Nach Erziehung der Kinder konnten sie nicht oder nur sehr schwer wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen.

Die Folge davon war, dass diese Frauen trotz der 1986 eingeführten Kindererziehungszeiten, heute meist keine Altersrente beziehen. Begründung: Die allgemeine Wartezeit (= Mindestversicherungszeit) von fünf Jahren ist wegen der Heiratserstattung nicht erfüllt.

Doch das stimmt ab Juli 2014 vielfach nicht mehr.

Sich anlässlich der Heirat die Rentenbeiträge auszahlen zu lassen, darf man durchaus als einen sozialpolitischen Fehler bezeichnen. Daher konnten Frauen noch bis 1996 durch eine lukrative Nachzahlungsmöglichkeit ihren Fehler wieder ausgleichen. Aber nicht jede Ehefrau hatte auch das Geld dazu.

Doch ab Juli 2014 wird auch bei knappem Budget bei diesen Frauen die Rentenkasse klingen.

Beispiel 1: Andrea Schmidt hat nach ihrer Heirat mit Klaus Ritzenhoff drei Kinder geboren. Bislang reichten die drei Jahre, die ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurden, nicht für einen Rentenanspruch. Für eine Nachzahlung fehlte der heute 75-jährigen einfach das Geld. Ab dem 1.7.2014 sind ihre drei Kinder aber sechs Jahre für die Wartezeit wert. Sie muss nichts weiter tun, als im Juli (geht nicht vorher!) einen Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung zu stellen.

Mütter, die heute schon eine Altersrente beziehen, erhalten die Mütterrente automatisch - alle andern Mütter jenseits der 65 Jahre müssen sie beantragen.

Beispiel 2: Ihre Schwester Beate Schmidt hat nach ihrer Heirat mit Horst Eckert zwei Kinder geboren. Bislang reichten die zwei Jahre, die ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurden, nicht für einen Rentenanspruch. Für eine Nachzahlung fehlte der heute 73-jährigen einfach das Geld. Ab dem 1.7.2014 sind ihre zwei Kinder aber vier Jahre für die Wartezeit wert. Damit hat sich ihre Wartezeit-Lücke automatisch von drei auf ein Jahr verkürzt. Für die fehlenden zwölf Monate kann Beate freiwillige Beiträge nachzahlen (§ 282 Abs. 1 SGB VI). Zahlt sie beispielsweise im Juli 2014(12 x 85,05 €) = 1.020,60 €, so hat sie sofort einen Rentenanspruch von rund 120 €. Nach rund neun Monaten Rentenbezug steht sie auf der Gewinnerseite.

Bezieher von Grundsicherung im Alter sollten beim Sozialamt die Übernahme der Nachzahlungssumme beantragen. Da hierdurch künftig der Bedarf auf Grundsicherung reduziert bzw. ganz entfallen kann, dürfte das Grundsicherungsamt nach den Umständen des Einzelfalles die anfallenden Kosten übernehmen.

Beispiel 3: Clara Schmidt hat nach ihrer Heirat mit Robert Strothmann ein Kind geboren. Bislang reichte das eine Jahr, die ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurden, nicht für einen Rentenanspruch. Gerne hätte sie damals nachgezahlt, aber ihre finanzielle Situation lies es damals einfach nicht zu. Ab dem 1.7.2014 ist ihr Kind aber zwei Jahre für die Wartezeit wert. Damit hat sich ihre Wartezeit-Lücke automatisch von vier auf drei Jahre verkürzt. Sie könnte wie ihre Schwester Beate auch, freiwillige Beiträge für die Erfüllung der Wartezeit nachzahlen. Allerdings steht hier einer deutlich höheren Nachzahlungssumme von 3.061,80 € einer geringere Rente von rund 70 € gegenüber (= 57 € Rente für ein Kind mit 2 Jahren und 13 € Rente für Mindestbeitrag in Höhe von insgesamt 3.061,80 € für die restlichen 3 Jahre). Die erforderlichen rund 3.000 € diese Mutter (oder ihr Ehemann) sollte doch aufbringen, denn nach 44 Monaten hat sie ihr Geld wieder raus. Pro Jahr erzielt sie eine Rente von 840 € gleich 28 Prozent des Nachzahlungsbetrags von rund 3.000 €. Bei dieser Rechnung sind evtl. Rentensteigerungen ebenso wenig berücksichtigt wie die Frage der Kranken- und Pflegeversicherung (falls gesetzlich versichert, gehen gut 10 % von der Rente ab, andernfalls kommt bei privat krankenversicherten Rentnerinnen noch ein Zuschuss von 7,2 % hinzu).

Mütter, die über 65 Jahre alt sind und noch keine Altersrente beziehen, sollten sich sofort bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen, damit sie ggf. mit einer Nachzahlung von freiwilligen Beiträgen auch ab Juli 2014 von der Mütterente profitieren.

Weitere News zum Thema

  • Keine 800 Euro Erwerbsminderungsrente

    [] Nicht jeder bleibt so gesund, dass er tatsächlich bis zur Altersrente Vollzeit arbeiten kann. Ist das der Fall, hat ein gesetzlich Rentenversicherter, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind, Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Über 1,8 Millionen Menschen haben letztes Jahr eine solche Rente bezogen. Allerdings lag die durchschnittliche Rentenhöhe selbst bei jemandem, der aufgrund eines Gesundheitsleidens überhaupt nicht mehr erwerbstätig sein kann, deutlich unter 800 Euro. mehr

  • Weniger als 570 Euro Hinterbliebenenrente im Durchschnitt

    [] Ende 2016 erhielten rund 5,7 Millionen Bürger eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe je Bezieher 565 Euro monatlich. Verwitwete Männer, verwaiste Kinder und junge Witwen erhielten sogar deutlich weniger. Das geht aus einer veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. mehr

  • Viele sehen sich von Altersarmut bedroht

    [] Fast jeder Zweite hält es laut einer Umfrage eines Versicherers für wahrscheinlich, dass er selbst im Rentenalter von Altersarmut betroffen sein wird. Doch nur wenige wissen, was sie finanziell im Alter zu erwarten haben, wie eine weitere Studie belegt. mehr

  • Sorge um die Zukunft

    [] Zwar ist die Mehrheit der Bürger mittleren Alters aktuell mit ihrer Lebenssituation zufrieden, dennoch sorgt sich jeder Zweite um seine finanzielle Einkommenssituation im Rentenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). mehr

  • Provisionen können Elterngeld erhöhen

    [] Provisionen, die der Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt des Kindes zahlt, können das Elterngeld erhöhen, wenn sie als laufender Arbeitslohn gezahlt werden. Werden Provisionen hingegen als sonstige Bezüge gezahlt, erhöhen sie das Elterngeld nicht. Das hat der 10. Senat des Bundessozialgerichts am 14. Dezember 2017 in mehreren Verfahren entschieden (B 10 EG 7/17 R u. a.). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.