50.000 mehr Frührentner durch Rente ab 63 ohne Abschlag

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Eine neue Frühverrentungswelle könnte auf uns zurollen. Wenn es dabei bleibt, dass für die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren auch Zeiten für reguläres Arbeitslosengeld (ALG I) zählen (eventuell sogar ALG-I -Zeiten für zwei Jahre vom 61. bis zum 63. Lebensjahr), dann würde es nach Schätzungen der Bundesregierung dieses Jahr 50.000 mehr Frührentner geben.

De facto würde das z.B. für den Jahrgang 1953 bedeuten: Kündigung mit 61 Jahren und 2 Monaten nach 43 Beitragsjahren + 2 Jahre ALG I = abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren und 2 Monaten nach 45 Beitragsjahren.

Ohne die geplante Neuregelung rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit 150.000 zusätzlichen Frührentnern, die bereit wären, die derzeit noch geltenden Rentenabschläge in Höhe von bis zu 8,7 % der Rente hinzunehmen. Momentan beziehen insgesamt 1,2 Millionen Menschen eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen.

Ersparnis von mehreren 10.000 €

Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Rentenzahlbetrag für besonders langjährig Versicherte (abschlagsfreie Rente mit 65 Jahren nach mindestens 45 Beitragsjahren) bei 1.411 € (Männer) bzw. 1.085 € (Frauen).

Die Bundesregierung rechnet für die Jahre 2014 bis 2030 insgesamt mit 200.000 Kandidaten für die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren, davon 3/4 = 150.000 Männer und 1/4 = Frauen.

Bezogen auf die größere Gruppe der Männer bedeutet das aktuell: 1.411 € entsprechen rund 50 Entgeltpunkten, falls die Bruttorente gemeint ist. Also handelt es sich bei den besonders langjährig versicherten Männern nicht nur um Gering- oder Durchschnittsverdiener, sondern zum Teil auch um über dem Durchschnitt verdienende Facharbeiter.

Falls aber mit 1.411 € der tatsächliche Rentenzahlbetrag nach Abzug von rund 10 % für den Beitrag zur GKV/GPV gemeint ist, läge die Bruttorente sogar bei 1.568,00 € was dann bei einem aktuellen Rentenwert von 28,14 € sogar fast 56 Entgeltpunkten entsprechen würde. Diese Bruttorente läge dann sogar gut 300 € bzw. knapp 24 % über der Standard- bzw. Eckrente nach 45 Beitragsjahren.

Von der abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren profitieren also insbesondere relativ gut verdienende Facharbeiter ohne Studium, die spätestens mit 18 Jahren (viele aber auch schon ein paar Jahre vorher) ihre Berufsausbildung begonnen haben. Es sei ihnen gegönnt.

Würden sie – falls es die neue abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren nicht gäbe – einen Rentenabschlag von 8,7 % durch Zahlung eines Ausgleichsbetrags abwenden wollen, müssten sie einmalig rund 31.500 € an die Deutsche Rentenversicherung zahlen (bei einer monatlichen Rente von 1.411 € monatlich). Das bleibt ihnen nun erspart.

Andere Rechnung: Der Rentenabschlag läge bei monatlich 122,76 € (= 8,7 % von 1.411 € ), also jährlich 1.473 € Sofern man eine Rentenbezugsdauer von 20 Jahren zugrundelegt, beträgt die durch Abschlagsfreiheit mögliche Rentensumme 29.460 € ohne Rentensteigerung bzw. 32.600 € bei einer jährlichen Rentensteigerung von 1 %.

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