Reform der Betriebsrenten bringt 2018 zahlreiche Neuerungen

Reform der Betriebsrenten bringt 2018 zahlreiche Neuerungen

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Mit mehr staatlicher Förderung und dem Wegfall von Rentengarantien will die Regierungskoalition die Betriebsrenten in Deutschland ausbauen. Doch das ist mit Nachteilen für die Betriebsrentner verbunden: Bei den neu abgeschlossenen Betriebsrenten ab 1.1.2018 wird es keine Garantie der eingezahlten Beiträge mehr geben.

Mit diesem Garantieverzicht soll den Arbeitgebern die Entscheidung, eine Betriebsrente anzubieten, erleichtert werden. Betriebsrenten sollen allerdings durch eine höhere Förderung bei Geringverdienern und in kleineren Betrieben weiter verbreitet werden. Der Anteil von knapp 50% der Beschäftigten mit betrieblicher Altersvorsorge in der Privatwirtschaft stagniert seit Jahren.

Wer vor der Wahl steht, in diesem Jahr 2017 oder im nächsten Jahr 2018 eine Betriebsrente abzuschließen, sollte das besser noch dieses Jahr 2017 zu den alten Bedingungen tun, sofern er weiterhin auf Garantien setzt.

Betriebliche Altersversorgung neu geregelt: Was das Betriebsrentenstärkungsgesetz ab 1.1.2018 bringt.

Fördermodell: Der Staat fördert ab 1.1.2018 Betriebsrenten bei Einkommen von bis zu €2200,- im Monat (€26400,- Jahres-Bruttoverdienst) mit einem neuen Modell. Arbeitgeber bekommen 30% von Beiträgen von €240,- bis €480,-, also €72,- bis €144,- im Jahr, und zwar dadurch, dass der Betrag von der Lohnsteuer abgezogen wird. Mit der bereits gewährten Steuerfreiheit oder der Riester-Förderung wird das nicht verrechnet.

Arbeitgeberzuschuss: Arbeitgeber müssen 15% des umgewandelten Entgelts als Zuschuss an die Pensionseinrichtung zahlen. Das gilt bei in Tarifverträgen nach dem Sozialpartnermodell vereinbarten Entgeltumwandlungen bereits ab 2018 und für neue Verträge in nicht tarifgebundenen Betrieben ab 2019. Für alle bestehenden Verträge zur Entgeltumwandlung soll es ab 2022 einen Zuschuss geben. Aufgefordert sind die Sozialpartner, im Tarifvertrag zusätzliche Zuschüsse der Arbeitgeber zur Absicherung der Zielrente vorzusehen.

Steuerförderung: Ein höherer Anteil der Einzahlungen in die Betriebsrente wird von der Steuer freigestellt (8% von der Beitragsbemessungsgrenze statt 4% plus €1800,- für Zusagen ab 2004). Dadurch steigt der Höchstbetrag für die Steuerfreiheit auf €6096,- im Jahr. Bislang konnten pro Jahr bis zu €4776,- steuerfrei aus dem Bruttogehalt entnommen und für die Betriebsrente angespart werden.

Zielrente: In Tarifverträgen sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren können, dass nur noch Beiträge zugesagt werden. Die Haftung der Arbeitgeber für Betriebsrenten entfällt dann. Zugleich kann vereinbart werden, dass Versorgungseinrichtungen keine Garantien und keine Mindestleistungen mehr versprechen. Diese Zielrente soll das Unternehmensrisiko zum Angebot von Betriebsrenten in der Niedrigzinsphase mindern.

Opt-Out: Ganze Belegschaften sollen in die betriebliche Altersvorsorge einbezogen werden können. Der Einzelne hat dann die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden und »opt-out« zu wählen. Eine »Opting-Out-Klausel« in Tarifverträgen soll künftig dazu führen, dass zunächst eine Entgeltumwandlung für alle Beschäftigten einer Branche gilt. Einzelne können dann aber gegen diese optieren (»opting out«). So haben Sparer zwar weiterhin alle Freiheiten bei der Planung ihrer privaten zusätzlichen Altersvorsorge, es wird aber mehr Druck in diese Richtung erzeugt.

Riester-Rente: Die Grundzulage für die Riester-Rente soll ab 1.1.2018 von €154,- auf €175,- steigen. Die Anhebung der jährlichen Zulage soll vor allem der Verbreitung der Betriebsrenten dienen, wenn in deren Rahmen »geriestert« wird. Sie soll aber allen Riester-Sparern zugutekommen.

Wegfall der Doppelverbeitragung: Wollen Arbeitnehmer eine Riester-Förderung über das System der Betriebsrente bekommen, geht das nur über Entgeltbestandteile, die schon versteuert und mit Sozialbeiträgen belastet wurden. Wird die Riester-Rente später ausgezahlt, wurden bisher ein zweites Mal Beiträge fällig. Diese Doppelverbeitragung wird für alle ab 2018 neu zufließenden betrieblichen Riester-Renten abgeschafft. Damit wird zumindest die Riester-Rente im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung von einer alten Falle befreit: Führt der Abschluss einer Riester-Rente über den Betrieb bislang dazu, dass im Alter Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig werden, so wird dieses Manko nun durch das Betriebsrentenänderungsgesetz beseitigt. Künftig sollen alle Riester-Renten im Alter gleich belastet werden. Bei allen anderen Formen der Betriebsrente bleibt die Doppelverbeitragung zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bestehen.

Grundsicherung: Ein Argument vieler Geringverdiener ist oft, dass sich zusätzliche Altersvorsorge nicht lohnt, da die daraus resultierenden Renten im Alter auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angerechnet werden. Wenn man selbst Betriebs- oder Riester-Renten aufgebaut hat, werden aktuell bis zu €204,50 nicht auf die Grundsicherung angerechnet, wenn man im Alter Grundsicherung braucht. Das soll Geringverdienern die Sorge nehmen, dass am Ende die sauer ersparte Zusatzabsicherung wieder weggenommen wird.

Fazit: Positiv ist, dass der Arbeitgeber seine ersparten Sozialbeiträge im Falle einer Entgeltumwandlung an die Beschäftigten im Umfang von 15% des umgewandelten Betrages weitergeben muss.

Alles Wissenswerte zur gesetzlichen Rente einschließlich der neuen Flexi-Rente und aller Neuerungen zum 1.7.2017 lesen Sie in unserem aktualisierten Dossier Der kleine Rentenratgeber.

Weiterhin positiv: Ab 2018 können bis zu 8% der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung steuerfrei in die Entgeltumwandlung investiert werden, also bei einer neuen GRV-Beitragsbemessungsgrenze von beispielsweise monatlich €6500,- im Jahr 2018 immerhin €520,- pro Monat.

Bisher kann ein Arbeitnehmer jährlich bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung West(BBG) steuer- und sozialversicherungsfrei in eine Betriebsrente einzahlen. Das sind im Jahr 2017 3.048 Euro. Man spricht bei den 4% auch von Förderrahmen. Zusätzlich können bis zu 1.800 Euro pro Jahr steuerfrei in die Betriebsrente eingebracht werden. Voraussetzung ist allerdings, dass nicht in einen alten Vertrag nach § 40b EStG a.F. einbezahlt wird.

Mit Inkrafttreten des BRSG wird der Förderrahmen von 4% auf 8% der Beitragsbemessungsgrenze erweitert (§ 3 Nr. 63 EStG). Der zusätzliche Steuerfreibetrag von 1.800 EUR pro Jahr entfällt. Beiträge zu Gunsten einer Direktversicherung nach altem Recht“,§ 40b EStG a. F., werden von den 8% der BBG abgezogen.

Die Sozialversicherungsfreiheit der Beiträge bleibt weiterhin auf 4 % der BBG begrenzt.

Negativ ist, dass es durch Einfügung des § 1 Abs. 2a Betriebsrentengesetz bei der neuen Betriebsrente laut Sozialpartnermodell (Nahles-Rente) nur noch eine reine Beitragszusage (pay and forget) gibt und damit keine Einstandspflicht der Arbeitgeber mehr (Enthaftung auf Arbeitgeberseite). Die reine Beitragszusage auf tariflicher Grundlage führt also dazu, dass es künftig keine Mindest- bzw. Garantieleistungen mehr für Beschäftigte gibt. Diese größte Reform der betrieblichen Altersversorgung seit dem Jahr 2002 (dort wurde im Betriebsrentengesetz nur die Wahl zwischen "beitragsorientierter Leistungszusage" und "Beitragszusage mit Mindestleistung" gelassen) trägt somit nicht zur Stärkung der Betriebsrente bei, da sicherheitsorientierte Beschäftigte auf eine Betriebsrente ohne jegliche Mindest- bzw. Garantieleistung verzichten werden.

Dieses Kernstück der bAV-Reform bietet risikobewussten Beschäftigten Vorteile, da Garantien bekanntlich Geld kosten.

Wertvolle Expertentipps zu allen Formen der staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Sie in unserem umfassenden Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Wann lohnt sich eine Betriebsrente?

Eine betriebliche Altersversorgung ist ein Weg, um für das Alter vorzusorgen. Jeder Arbeitnehmer hat ein Anrecht auf Entgeltumwandlung. Das bedeutet, dass sein Arbeitgeber ihm ein Angebot machen muss, damit der Arbeitnehmer einen Teil seines Gehalts in ein Finanzpolster für den Ruhestand umwandeln und dabei Steuern und Sozialabgaben sparen kann.

Dieses Recht auf Entgeltumwandlung sagt aber noch nichts darüber aus, ob sich eine Betriebsrente auch wirklich lohnt. Beachten Sie bei der Beurteilung folgende Aspekte:

• Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich oft, wenn der Chef den gesparten Arbeitgeberanteil als Beitrag mit einzahlt. Ein Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15%wird ab 2019 – vorbehaltlich einer tariflichen Regelung – verpflichtend.

• Zahlt der Chef nicht mit, lohnt sich die Entgeltumwandlung eher nicht. In diesem Fall macht es Sinn, eine private Alternative wie die Riester-Rente zu prüfen.

• Für Gutverdiener, deren Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt, lohnt sich die Entgeltumwandlung. Sie zahlen ohnehin nur Sozialabgaben bis zur Beitragsbemessungsgrenze und müssen deshalb später keine Reduzierung der gesetzlichen Rente fürchten, wenn sie einen Teil des Bruttogehalts in die betriebliche Altersvorsorge fließen lassen.

• Wer einen Hausbau oder Immobilienkauf plant, sollte den Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge überdenken, denn an das angesparte Geld kommt man bis zum Rentenalter nicht.

• Wer häufig den Arbeitsplatz wechseln wird, ist bei einer anderen Altersvorsorge besser aufgehoben, denn nicht alle Verträge lassen sich ohne weiteres beim Jobwechsel mitnehmen und nicht immer will der neue Chef den alten Vertrag weiterführen.

• Wer eine Familie gründen möchte, wartet mit dem Abschluss der betrieblichen Altersvorsorge noch ab: Das reduzierte Bruttogehalt wirkt sich auch negativ auf die Höhe des Elterngelds aus.

• Privat Krankenversicherte haben einen Vorteil: Sie müssen in der Auszahlungsphase keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen.

• Für Arbeitnehmer, die auf dem freien Markt wegen gesundheitlicher Probleme keine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen, kann sich die betriebliche Altersvorsorge lohnen, wenn ein Berufsunfähigkeitsschutz enthalten ist.

Private Krankenversicherung im Alter: Bescheid wissen, zahlt sich aus.

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