Lohnabzüge senken und Alterseinkommen steigern

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(verpd) Jeder Arbeitnehmer kann seit dem 1. Januar 2017 eine höhere Summe als noch letztes Jahr sozialabgaben- und steuerfrei in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen und somit seine Lohnabzüge senken und gleichzeitig sein Einkommen im Alter erhöhen.

Da bereits heute und auch in Zukunft die gesetzlichen Rentenansprüche nicht ausreichen, damit ein Arbeitnehmer seinen bisherigen Lebensstandard im Rentenalter halten kann, wird neben einer privaten Vorsorge auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) immer wichtiger. Konkret kann ein Arbeitnehmer beispielsweise durch eine Gehaltsumwandlung, wie durch die Einzahlung von Teilen seines Bruttogehaltes (Brutto-Entgeltumwandlung) oder Sonderzahlungen (Weihnachts- oder Urlaubsgeld) in einen entsprechenden bAV-Vertrag eine Zusatzrente aufbauen.

Jeder Arbeitnehmer hat bereits seit 2002 einen Anspruch darauf, dass ihm sein Arbeitgeber eine bAV-Lösung anbietet. Welche der insgesamt fünf verschiedene bAV-Formen – konkret Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktzusage/Pensionszusage oder Unterstützungskasse – den Mitarbeitern eines Betriebes zur Verfügung steht, entscheidet der Arbeitgeber. Bietet der Arbeitgeber von sich aus keine bAV an, können Arbeitnehmer eine Entgeltumwandlung über eine Direktversicherung fordern.

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Die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge

Mit einer bAV-Lösung, die eine Brutto-Entgeltumwandlung erlaubt, kann der Arbeitnehmer nicht nur eine Zusatzrente aufbauen, sondern auch während der Ansparzeit seine Lohnabzüge verringern. Nach der gesetzlichen Regelung muss er nämlich für Beiträge bis zu einer Höhe von vier Prozent der Beitragsbemessungs-Grenze West der Rentenversicherung, die er in Form einer Gehaltsumwandlung in eine bAV-Lösung einzahlt, keine Steuern und Sozialversicherungs-Abgaben zahlen.

Die Beitragsbemessungs-Grenze in der gesetzlichen Rentenversicherung West wurde von 74.400 Euro in 2016 auf 76.200 Euro in 2017 angehoben. Arbeitnehmer können demnach bis zu vier Prozent davon, also statt bisher 2.976 Euro in 2016 nun 3.048 Euro in 2017 steuer- und sozialabgabenfrei sowie weitere 1.800 Euro steuerfrei in einen bAV-Vertrag in Form einer Pensionskasse, eines Pensionsfonds oder einer Direktversicherung einzahlen.

Aber auch Arbeitgeber profitieren von einer bAV. Sie können unter Umständen die Beiträge zur bAV als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Bei einer Bruttoentgelt-Umwandlung spart sich der Arbeitgeber zudem in der Regel die Lohnnebenkosten durch die Sozialabgabenfreiheit. Des Weiteren unterstützt eine bAV eine langfristige Mitarbeiterbindung.

Die Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

Dem Vorteil der Sozialabgabenersparnis in der Beitragsphase stehen für Durchschnitts- und Höherverdiener gleich zwei Nachteile gegenüber. Von der Betriebsrente geht der volle Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von bis zu 18,1 % der Bruttorente ab. Außerdem müssen sie im Gegensatz zu den Spitzenverdienern (Bruttogehalt ab 6.604,00 €) mit einer anteiligen Kürzung der gesetzlichen Rente rechnen. Diese doppelte Belastung in der Rentenphase wiegt schwer und kann die Entgeltumwandlung unrentabel machen, sofern es vom Arbeitgeber keinen Zuschuss gibt.

Dem vollen Pflichtbeitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung können nur privat krankenversicherte Rentner ausweichen oder gesetzlich krankenversicherte Rentner, deren monatliche Betriebsrente 149,14 € (Stand 2017) nicht übersteigt. Alle anderen Betriebsrentner müssen den hohen Kranken- und Pflegekassenbeitrag wohl oder übel in Kauf nehmen.

Die Kürzung der gesetzlichen Rente erfolgt, wenn Arbeitnehmer bei der Brutto-Entgeltumwandlung ihren Anteil zur gesetzlichen Rentenversicherung sparen. Bei einem höchstmöglichen Bruttobeitrag von 254,00 € wären das z. B. rund 50,00 € an Ersparnis im Monat. In der Rentenphase muss ein heute 50-jähriger Arbeitnehmer, der 17 Jahre lang jeweils 2.976,00 € in die Entgeltumwandlung gesteckt hat, mit einer Kürzung der gesetzlichen Rente um rund 42,00 € brutto pro Monat rechnen. Es handelt sich also fast um ein Nullsummenspiel: Was in der Beitragsphase erspart wurde, wird in der Rentenphase wieder abgezogen.

Pro und kontra sozialabgabenfreie Gehaltsumwandlung

Für die sozialabgabenfreie Entgeltumwandlung spricht aus Sicht der Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttogehalt bis zu 4.350,00 € die volle Ersparnis der Sozialabgaben in Höhe von gut 20 %. Auch der Arbeitgeber spart rund 20 % endgültig, wenn er seine Sozialabgabenersparnis nicht in Form eines Zuschusses ganz oder zumindest teilweise an seine Arbeitnehmer weitergibt.

Die Kehrseite aus Arbeitnehmersicht ist der volle Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung auf die Betriebsrente aus Entgeltumwandlung sowie die anteilige Kürzung der gesetzlichen Rente in der Leistungsphase. Das führt dazu, dass die Netto-Betriebsrente nach Abzug der dreifachen Belastung (Beitrag zur GKV / GPV, Kürzung der gesetzlichen Rente und Steuern) bei alleinstehenden Rentnern nur etwa die Hälfte der Brutto-Betriebsrente ausmacht.

Besonders kritisch ist die Beitragsfalle für Höher- und Spitzenverdiener mit einem monatlichen Bruttogehalt ab 4.604,00 € zu sehen. Diese Arbeitnehmer zahlen in der Aktivphase bereits den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung und in der Rentenphase zusätzlich den vollen Beitrag in Höhe von rund 18 % der Bruttorente, falls sie gesetzlich krankenversichert sind. Diese Doppelverbeitragung widerspricht dem Prinzip der nachgelagerten Beitragspflicht, wonach in der Rentenphase nur dann Krankenkassenbeiträge erhoben werden, falls sie in der Aktivphase auch eingespart werden können. Eine vergleichbare Doppelbesteuerung gibt es im Steuerrecht nicht.

Diese auch von der aba (Arbeitsgemeinschaft für die betriebliche Altersversorgung) und dem GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) zu Recht kritisierte Gerechtigkeitslücke kann aus systematischen Gründen nur auf zwei Wegen beseitigt werden – entweder über die Abschaffung der Sozialabgabenfreiheit in der Aktivphase sowie der Beitragspflicht in der Rentenphase oder durch eine den Arbeitgebern durch Tarifverträge auferlegte Pflicht zur Zahlung eines Zuschusses.

Der ebenfalls diskutierte dritte Weg, wonach der volle Beitragssatz zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von 18,1 % der Bruttorente um den fiktiven Arbeitgeberbeitrag von 7,3 % gekürzt wird und dann zu einem ermäßigten Beitrag von 10,8 % wie bei der gesetzlichen Rente führen soll, wird am Widerstand der gesetzlichen Krankenversicherer scheitern. Es sei denn, der Bund würde diesen Einnahmeausfall durch einen Zuschuss ausgleichen, womit aber nicht zu rechnen ist.

Solange bei der Betriebsrente aus Entgeltumwandlung weiterhin der volle Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung fällig ist, müssen auch sämtliche Vergleichsrechnungen von dieser Tatsache ausgehen.

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