Die Hälfte der Arbeitnehmer und Arbeitgeber verschenken Geld

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(verpd) Nur 50 Prozent aller privatwirtschaftlichen Betrieben mit sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten bieten eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) für ihre Arbeitnehmer an. Bei den Arbeitnehmern verfügen ebenfalls nur die Hälfte über eine derartige Absicherung. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervor. Nachholbedarf für eine bAV-Absicherung gibt es insbesondere in den neuen Bundesländern, bei kleineren Unternehmen und bei bestimmten Branchen.

Die Studie „Situation und Entwicklung der betrieblichen Altersversorgung in Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst (BAV 2011)“ wurde von der TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt.

Die Untersuchung zeigt, inwieweit Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihr seit dem Jahr 2002 bestehendes Recht nutzen, Teile des Arbeitslohnes oder Gehaltes in eine betriebliche Altersversorgung (bAV) umzuleiten.

Die Vorteile einer betrieblichen Altersversorgung

Eine bAV bietet diverse Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Arbeitnehmer können durch Steuer- und Sozialversicherungs-Ersparnisse für die Beiträge, die sie in die bAV einzahlen, ihre Abzüge vom Bruttolohn mindern. Konkret: 2013 können Arbeitnehmer bis zu 2.784 € steuer- und sozialversicherungsfrei – das sind jährlich vier Prozent der Beitragsbemessungs-Grenze West der Rentenversicherung – sowie weitere 1.800 € steuerfrei in einen bAV-Vertrag einzahlen.

Arbeitgeber wiederum können die Beiträge zur bAV als Betriebsausgaben geltend machen und Lohnnebenkosten durch Einsparungen von Sozialversicherungs-Beiträgen reduzieren. Zudem unterstützt eine bAV eine langfristige Mitarbeiterbindung.

Nicht selten entscheiden Standort und Betriebsgröße

In Deutschland bieten 50 Prozent aller privatwirtschaftlichen Betrieben mit sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten ihren Arbeitnehmern eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) an. In Westdeutschland waren es 51 Prozent der Betriebe, in Ostdeutschland nur 45 Prozent.

Ob eine bAV in einem Betrieb angeboten wird, ist laut Studie auch von der Betriebsgröße und der Branche abhängig. Der Anteil von Firmen mit einer angebotenen bAV liegt bei einer Betriebsstättengröße mit 50 und mehr Beschäftigten zwischen 97 und 100 Prozent. Doch nur 35 Prozent der Betriebe mit ein bis vier sozialversicherungs-pflichtigen Arbeitnehmern und 65 Prozent der Firmen mit fünf bis neun Beschäftigten offerieren ihren Mitarbeitern eine bAV.

Branchenunterschiede

Bei der Verbreitung der bAV nach Branchen gibt es ebenfalls hohe Unterschiede. Während bei Firmen im Kredit- und Versicherungswesen 84 Prozent der Beschäftigten über eine bAV-Anwartschaft verfügen, sind es im verarbeitenden Gewerbe nur 63 Prozent und in Betrieben in den Bereichen Bergbau, Steine und Energie nur 61 Prozent.

Besonders wenig bAV-Absicherungen haben derzeit Arbeitnehmer im Gastgewerbe mit einem Anteil von 26 Prozent sowie „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ mit 23 Prozent. Zu der letztgenannten Branche zählen unter anderem Zeitarbeitsfirmen, Wach- und Reinigungsdienste, Frisöre und Callcenter.

Jeder zweite Arbeitnehmer hat keine bAV-Anwartschaft

Laut der Arbeitgeberbefragung verfügten Ende Dezember 2011 von den rund 23,563 Millionen sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten der Privatwirtschaft nur 11,895 Millionen über eine bAV-Absicherung (bAV-Anwartschaft). Damit liegt der Anteil der Beschäftigten in der Privatwirtschaft mit Zusatzversorgung über den Betrieb in ganz Deutschland bei rund 50 Prozent. Während es in den alten Bundesländern jedoch 54 Prozent sind, haben in den neuen Bundesländern nur 37 Prozent der sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente.

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