Mehr Entscheidungsfreiheit für Krankenhauspatienten

Letztes Jahr wurden 14,9 Millionen Operationen bei stationär behandelten Patienten durchgeführt. Im Jahr zuvor waren es knapp 600.000 und fünf Jahre vorher sogar 2,8 Millionen medizinische Eingriffe weniger. Für den einzelnen Betroffenen ist es dabei wichtig, sich möglichst gut aufgehoben zu fühlen. Wer als gesetzlich Krankenversicherte jedoch frei entscheiden will, in welcher Klinik und von welchem Arzt er behandelt werden möchte und wie die Art der Unterbringung sein soll, muss oftmals mit erheblichen Mehrkosten rechnen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden letztes Jahr insgesamt rund 47 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren bei stationären Patienten durchgeführt. Dies waren 5,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Mehr Operationen als andere medizinische Eingriffe

Demnach entfielen im Durchschnitt 2,7 medizinische Maßnahmen auf jeden Klinikpatienten. Fast ein Drittel aller durchgeführten stationären Behandlungen, nämlich 14,9 Millionen, waren Operationen.

Mehr als ein Viertel, genauer gesagt 26,8 Prozent beziehungsweise 12,7 Millionen Fälle, waren nichtoperative therapeutische Maßnahmen. Bei 9,4 Millionen Verrichtungen handelte es sich um diagnostische Prozeduren.

Zu den übrigen medizinischen Handlungen zählten die bildgebende Diagnostik (8,4 Millionen), ergänzende Maßnahmen wie zum Beispiel geburtenbegleitende Behandlungen (1,6 Millionen) und die Verabreichung von speziellen Medikamenten (0,3 Millionen).

Der Darm ist Operationsursache Nummer eins

Die häufigsten Operationen erfolgten mit knapp 322.000 Fällen am Darm. Bei mehr als 281.000 Patienten wurden arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken vorgenommen und die dritthäufigste Ursache für chirurgische Eingriffe waren mit über 271.000 Fällen, Probleme an den Lendenwirbelsäulen.

Von den knapp 15 Millionen Operationen entfiel mit 42,2 Prozent die Mehrheit der Eingriffe auf die über 65-Jährigen. Die häufigsten Operationen erfolgten in dieser Altersgruppe am Darm, am Hüftgelenk sowie an den Gallengängen. Bei den 45- bis 64-Jährigen sind zahlenmäßig insbesondere arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken am höchsten. Bei den Frauen dieser Altersgruppe folgte danach die Gebärmutterentfernung und bei den Männern der Verschluss eines Leistenbruchs.

Frauen zwischen 15 bis 44 Jahren wurden in erster Linie im Zusammenhang mit einer Entbindung operiert. Bei Männern dieser Altersgruppe wurden besonders häufig Eingriffe an der unteren Nasenmuschel sowie arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken durchgeführt. Bei Kindern bis 14 Jahren gehörte das Einschneiden des Trommelfells zur Eröffnung der Paukenhöhle sowie die Entfernung der Rachenmandeln zu den prozentualen Spitzenreitern im Vergleich zu allen durchgeführten Operation.

Freie Wahl

Gesetzlich Krankenversicherte können sich zwar auf den ersten Blick das behandelnde Krankenhaus frei aussuchen. Allerdings muss der Arzt, der eine stationäre Behandlung verordnet, unter Berücksichtigung der Erkrankung die beiden nächstgelegenen Krankenhäuser angeben, die er für geeignet hält.

Wer ohne zwingenden Grund in eine andere als die vom Arzt vorgeschlagene Klinik geht und dies nicht von der Krankenkasse genehmigt wurde, muss mit einer Rückforderung der dadurch verursachten Mehrkosten rechnen. Das können beispielsweise höhere Behandlungs- und Pflegesätze des ausgesuchten Krankenhauses und auch Mehrkosten für den Krankenhaustransport sein.

Mehr Freiheit bei der Klinikwahl gibt es jedoch durch eine private Krankenzusatz-Versicherung, die den stationären Bereich abdeckt, denn je nach Vertragsvereinbarung übernimmt der private Versicherer die Mehrkosten. Auch die Differenzkosten für eine Unterbringung im Ein- oder Zweibett- statt im Mehrbettzimmer und/oder die Zusatzausgaben für eine Chefarztbehandlung oder für einen anderen Spezialisten können mit so einer Police abgedeckt werden.

Einkommensverluste ...

Ist man durch Unfall oder Krankheit vorübergehend arbeitsunfähig, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für maximal 78 Wochen 70 Prozent des Bruttolohns, höchstens 90 Prozent des Nettoeinkommens.

Insbesondere gut verdienende Angestellte müssen jedoch bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit mit hohen finanziellen Einbußen im Vergleich zum Gehalt rechnen.

Die GKV berücksichtigt nämlich für die Höhe des Krankengeldes maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze (monatlich 3.712,50 € in 2011 und 3.825 € in 2012). Das Gehalt oberhalb dieser Grenze wird nicht mit einbezogen. Mit einer Krankentagegeld-Versicherung lässt sich diese Einkommenslücke schließen.

... und Mehrkosten

Bei einem Krankenhausaufenthalt fallen in der Regel zusätzliche Kosten wie der grundsätzlich von jedem erwachsenen Kassenpatienten zu zahlende Eigenanteil von zehn Euro pro Tag Krankenhausaufenthalt für maximal 28 Tage an.

Diese Kosten lassen sich durch eine Krankenhaustagegeld-Versicherung abdecken. Der Versicherte erhält dabei für jeden Tag, den er als Patient stationär in der Klinik verbringt, einen vorher vereinbarten, festen Geldbetrag zur freien Verfügung ausbezahlt.

Um sich im Falle eines Krankenhausaufenthaltes ohne drohende Mehrkosten bei der Klinikwahl, Behandlungsart und Unterbringung frei entscheiden zu können und auch finanziell keine sonstigen Nachteile zu erleiden, empfiehlt sich ein Beratungsgespräch mit einem Versicherungsfachmann. Dieser kann nicht nur den möglichen Einkommensverlust ermitteln, der durch eine langwierige Krankheit drohen würde, sondern berücksichtigt auch die persönlichen Wünsche für einen entsprechenden Absicherungsvorschlag.

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