Gebäudehaftpflicht-Versicherung: Eisige Wurfgeschosse

Stürzt ein Eisbrocken auf ein vor einem Haus geparktes Fahrzeug, weil sich die Dachrinne des Hauses unter der Last von Schnee und Eis nach vorne geneigt hat, so ist der Besitzer des Gebäudes in der Regel zum Schadenersatz verpflichtet. Das hat die erste Zivilkammer des Landgerichts Flensburg entschieden (Az. 1 S 90/10).

Eine Autofahrerin hatte ihren Pkw Anfang Februar 2010 vor einem Flensburger Wohnhaus geparkt. Nachdem ihr Auto dort mehrere Stunden gestanden hatte, fiel ein Eisbrocken aus der Dachrinne des Hauses und stürzte auf das Fahrzeug. Dabei entstand ein Schaden von fast 4.400 €.

Wie sich später herausstellte, hat die Dachrinne den vorausgegangenen wochenlangen Schneefällen nicht standgehalten. Sie hatte sich unter der Last nach vorne geneigt, wodurch der Eisbrocken nach unten stürzte.

Nicht verantwortlich?

Der Gebäudebesitzer fühlte sich für den Vorfall gleichwohl nicht verantwortlich. Er behauptete, das Dach des Hauses regelmäßig einer Sichtkontrolle unterzogen zu haben. Dabei seien keine Besonderheiten festgestellt worden. Es sei insbesondere nicht zu erkennen gewesen, dass sich größere Mengen von Schnee und Eis in der Dachrinne befanden. Er sei daher zu keinen weiteren Vorkehrungen verpflichtet gewesen.

Doch das wollte die Geschädigte nicht akzeptieren. In ihrer Schadenersatzklage trug sie vor, dass der Besitzer des Gebäudes wegen der besonderen Steilheit des Daches hätte erkennen müssen, dass die Dachrinne des Hauses aufgrund der starken Schneefälle übermäßig stark beansprucht wurde.

Er hätte daher Vorkehrungen treffen müssen, um mögliche Schäden durch herabstürzende Schnee- und Eismassen zu verhindern, etwa durch Anbringen eines Schneefanggitters oder Aufstellen von Warnschildern. Das fanden die Richter überzeugend. Sie gaben der Klage der Fahrzeugbesitzerin in vollem Umfang statt.

Zusätzliche Sicherungen

Gemäß Paragraf 836 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist ein Gebäudebesitzer unter bestimmten Voraussetzungen unter anderem für Schäden verantwortlich, die dadurch entstehen, dass sich Teile des Hauses ablösen. Nach Ansicht des Gerichts ist es im Sinne des Gesetzes nicht erforderlich, dass sich ein Teil vollständig löst. Ein teilweises Loslösen oder eine Lockerung reichen vielmehr aus, um eine Haftungsverpflichtung auslösen zu können.

Von einem derartigen Loslösen ist auch auszugehen, wenn sich eine Dachrinne verbiegt und sich nach vorne neigt. Es ist auch nicht erforderlich, dass der Schaden durch die Dachrinne selbst verursacht wird. Es reicht vielmehr aus, wenn in ihr befindliche Teile nach unten stürzen – so das Gericht. Der Gebäudebesitzer kann sich auch nicht damit entlasten, dass das Dach regelmäßig einer Sichtkontrolle unterzogen wurde.

Nach Überzeugung des Gerichts muss eine Dachrinne nämlich in der Lage sein, das Gewicht zu tragen, das durch Niederschlag entsteht, sei es in Form von Regen, Tauwasser oder Schnee. Ist dieses wegen baulicher Besonderheiten wie etwa einer besonderen Steilheit des Daches nicht gewährleistet, so ist ein Gebäudebesitzer dazu verpflichtet, zusätzliche Sicherungen wie zum Beispiel Schneefanggitter anbringen zu lassen und die Wartungshäufigkeit zu erhöhen. Da der Beklagte das unterlassen hat, ist er der Klägerin in vollem Umfang zum Schadenersatz verpflichtet.

Haftpflichtschutz sichert die finanzielle Existenz

Für Immobilieninhaber kann eine Gebäudehaftpflicht-Versicherung nicht nur in Bezug auf die winterlichen Risiken, wie im geschilderten Fall, existenziell sein.

Diese zahlt nämlich für Schäden, die selbst durch ein fahrlässiges Verhalten des Gebäudebesitzers verursacht werden, und wehrt darüber hinaus auch unberechtigte Ansprüche notfalls vor Gericht ab.

Der Inhaber eines selbst genutzten Einfamilienhauses hat übrigens den Gebäude-Haftpflichtschutz kostenlos in einer bestehenden Privathaftpflicht-Versicherung mitversichert.

Weitere News zum Thema

  • So bleibt ein Schaden an der Photovoltaikanlage bezahlbar

    [] (verpd) Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es hierzulande rund 1,6 Millionen Photovoltaikanalgen, die auf Hausdächern, aber auch auf Feldern installiert sind. Alleine eine solche Stromerzeugungsanlage auf einem Wohngebäude kostet einige Tausend Euro. Es gibt allerdings diverse Risiken, die zu einer Beschädigung oder Zerstörung der Anlage führen können. Das daraus resultierende Kostenrisiko lässt sich jedoch mit bestimmten Versicherungspolicen absichern. mehr

  • Einbruchrisiko mit staatlicher Hilfe minimieren

    [] (verpd) Früher wurde der Einbau von Einbruchschutz-Maßnahmen nur dann staatlich gefördert, wenn gleichzeitig eine energetische Sanierung beziehungsweise ein seniorengerechter Umbau vorgenommen wurde. Mittlerweile werden aber auch Einzelmaßnahmen unterstützt und zwar entweder durch einen Zuschuss oder durch einen zinsgünstigen Kredit. mehr

  • Damit ein Brand im Betrieb nicht den Ruin bedeutet

    [] (verpd) Viele Firmeninhaber, die sich über die Folgen eines Brandes im Betrieb Gedanken machen, haben in erster Linie die daraus entstehenden Sachschäden am Geschäftsgebäude und der Einrichtung sowie an den Maschinen, Waren und Vorräten im Blick. Dabei ist das Schadenrisiko noch deutlich höher, denn wegen eines Brandes kommt es nicht selten auch zu Störungen des Betriebsablaufs bis hin zum Betriebs- oder Produktionsstillstand und damit unter anderem zu Ertragsausfällen. mehr

  • Kostspielige Untertreibung

    [] (verpd) Wer glaubt, dass es für ihn günstiger ist, wenn er bei der Beantragung einer Sachversicherung wie zum Beispiel einer Hausratpolice eine niedrigere Versicherungssumme angibt, als die zu versichernden Gegenstände tatsächlich wert sind, der irrt. Denn im Schadenfall kann diese Schummelei ein x-Faches von dem kosten, was die niedrigere Versicherungssumme an Prämienersparnis gebracht hätte. mehr

  • Jeder Dritte hat Angst vor einem Einbruch

    [] (verpd) Im Jahr 2016 haben die Hausratversicherer nach vorläufigen Zahlen für 140.000 verübten Wohnungseinbrüchen in Wohnungen oder Häusern, für die eine Hausratversicherung bestand, die Summe von 470 Millionen Euro an Versicherungsleistungen erbracht. Das geht aus dem Einbruch-Report des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hervor. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.