So retten Sie Ihren hoch verzinsten Bausparvertrag

 - 

Wer in Zeiten hoher Zinsen einen Bausparvertrag abgeschlossen hat, kann damit noch heute zwischen vier und fünf Prozent Zinsen kassieren. Doch immer mehr Bausparkassen versuchen, ihre Kunden aus lukrativen Bausparverträgen zu drängen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das verhindern können.

Die Freude der Altkunden ist das Dilemma der Bausparkassen: Sie müssen die hohen Zinsen für die Guthaben aus Altverträgen aufbringen, können diese aber in der jetzigen Niedrigzinsphase nicht durch hohe Zinseinnahmen für ihre neuen Bauspardarlehen ausgleichen. Deshalb versuchen sie mit aller Macht, ihre teuren Altkunden loszuwerden.

Beispielsweise kündigte Ende August die Bausparkasse Wüstenrot rund 15.000 Altverträge. Auch die BHW, Schwäbisch Hall oder die Landesbausparkassen gehen diesen Weg.

Bestimmte Kündigungsmethoden sind legitim

Was dabei für die Kunden schmerzlich ist: Bei vielen Altverträgen suchen sich die Bausparkassen durchaus legitime Begründungen. Das trifft z.B. zu, wenn die vereinbarte Sparsumme erreicht ist. "Kündigt eine Bausparkasse einen voll besparten Vertrag, können Kunden sich kaum wehren", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Voll besparte oder übersparte Verträge dürfen die Anbieter mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Bereits seit einigen Jahren kündigen Bausparkassen Bausparverträge, deren Guthaben die Bausparsumme erreicht hat. Da es keine ewig bindenden Verträge gibt, kann sich in solchen Fällen ein Kündigungsrecht aus dem BGB ergeben. Prüfen Sie den neuen Wortlaut Ihres Bausparvertrags und lassen Sie sich ggf. von der Verbraucherzentrale beraten.

In folgenden acht Fällen können Sie sich gegen die Kündigung wehren

Zunehmend berichten Verbraucher jedoch, dass Finanzinstitute sie auch mit nicht ganz fairen Methoden aus hochverzinslichen Altverträgen drängen wollen. Das geschieht zum Teil sogar mit dreisten Methoden, die jeder Rechtsgrundlage entbehren, die Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zusammengestell hat. Wir stellen die jüngst beobachteten Maschen der Anbieter vor, bei denen es nicht immer mit rechten Dingen zugeht.

1) So vermeiden Sie das Übersparen

Um dem Kündigungsschicksal zu entgehen, sollten Bausparer mit gut verzinsten Altverträgen vor dem Erreichen der vertraglich vereinbarten Bausparsumme (bei etwa 85 Prozent) die Einzahlungen stoppen. Am besten wäre es dann, den Vertrag beitragsfrei zu stellen, um auf diese Weise weiter von den Spitzenzinsen profitieren zu können. Hier sollte jeder prüfen, ob das laut Vertrag zulässig ist, empfiehlt Finanzexpertin Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kalkulieren Sie bei diesem Vorgehen auch die Zinsen mit ein, die Sie regelmäßig auf den Bausparvertrag erhalten. Andernfalls könnte sich das Guthaben dadurch irgendwann über die vereinbarte Bausparsumme schleichen. Prüfen Sie dazu die jährlichen Kontoauszüge und rechnen Sie aus, wann die Bausparsumme durch den Zuwachs an Zinsgutschriften erreicht sein wird.

2) Bausparkasse addiert Bonus zum Guthaben, um früher kündigen zu können

Die Bausparkasse leitet ihr Kündigungsrecht wie bei übersparten Verträgen aus dem Darlehensrecht des BGB ab. Allerdings addiert sie zum Guthaben den Bonus, weshalb in der Konsequenz der Bausparvertrag früher überspart ist und die Bausparkasse den Vertrag früher kündigt.

Verbraucher sollten sich wehren, allerdings hängen die Erfolgsaussichten vom Wortlaut der Bedingungen im Einzelfall ab. Solange der Verbraucher aus dem Vertrag noch das theoretische Recht auf ein Bauspardarlehen ableiten kann, kann die Bausparkasse nicht kündigen. Nachdem sich die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in einem Fall eingeschaltet hatte, hat die Bausparkasse eingelenkt. In einem anderen Fall bleibt der Anbieter bislang hart.

3) Bausparkasse kündigt zuteilungsreifen Bausparvertrag

Hier behauptet die Bausparkasse, sie könne einen Vertrag einfach deshalb kündigen, weil er schon einige Jahre zuteilungsreif sei und sich der Kunde doch endlich mal entscheiden solle, ob er sein Bauspardarlehen noch wolle oder nicht. Wenn er sich nicht äußere, würde man den Vertrag kündigen.

Verbraucher können sich mit sehr guten Aussichten wehren. Nachdem sich die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eingeschaltet hatte, hat die Bausparkasse eingelenkt.

4) Bausparkasse deckt Kunden in bessere Verträge um

Oft erhalten Verbraucher, die einen Bausparvertrag mit Bonusverzinsung besitzen, Briefe von der Bausparkasse oder Besuch von Vertretern, die ihnen den Abschluss angeblich viel besserer neuer Verträge nahelegen. Mit den neuen Verträgen würden die Verbraucher später für das gewünschte Darlehen einen deutlich geringeren Zins bezahlen. Nach Umdeckung in die besseren Verträge erhalten die Kunden keinen Zinsbonus mehr.

Das ist eine unlautere Vorgehensweise in der Grauzone zur Falschberatung. Die neuen Verträge bieten in Wahrheit viel schlechtere Konditionen, selbst wenn Verbraucher dadurch einen Anspruch auf ein besonders "zinsgünstiges" Darlehen erhalten. Denn bei einem Tarifwechsel verliert der Verbraucher in der Regel seinen Anspruch auf die Bonuszinsen und muss zum Teil auch einen Teil der Guthabenzinsen zurückzahlen (Tarifumwandlungsbetrag). Dieser Verlust ist nichts anderes als eine extra Gebühr für das Bauspardarlehen, die aber nicht im Effektivzins enthalten ist. Bei korrekter Rechnung würde sich das Bauspardarlehen je nach Einzelfall um mehrere Prozentpunkte verteuern. Das ist dann alles andere als "zinsgünstig". Das Anbieten anderer Verträge ist nicht illegal. Die Umdeckung von guten in faktisch schlechtere Verträge stellt eine Falschberatung dar. Die Erfolgschancen einer Klage muss ein Fachanwalt bewerten.

5) Bausparkasse kündigt zehn Jahre nach Erreichen der Zuteilungsvoraussetzungen

Die Bausparkasse behauptet, dass sich ihr Kündigungsrecht aus dem BGB ergebe.

Verbraucher können sich mit sehr guten Aussichten wehren. Solange der Verbraucher aus dem Vertrag noch das Recht auf ein Bauspardarlehen ableiten kann, kann die Bausparkasse nicht kündigen.

6) Bausparkasse verweigert Bonuszins bei übersparten Verträgen

Die Bausparkasse argumentiert mit den im Einzelfall vereinbarten Bausparbedingungen. Danach behauptet sie, dass ein Bonuszins nur dann gewährt würde, wenn Verbraucher noch auf ein Bauspardarlehen verzichten können. Dabei beziehen sie sich auf die Allgemeinen Bausparbedingungen.

Verbraucher sollten sich wehren, die Aussichten sind tendenziell gut, hängen aber auch vom Wortlaut der Bedingungen ab. Unklar ist, ob die Gerichte dabei auch berücksichtigen, dass die weitere Besparung des Vertrags im Grunde einem formalen Verzicht auf ein Bauspardarlehen gleich kommt. Wenn der Bonus als Treueprämie bezeichnet wird, kann zudem noch argumentiert werden, dass gerade das Besparen bis zum vollständigen Erreichen der Bausparsumme nichts anderes ist als die längst mögliche Vertragstreue. Hierzu gibt es noch keine wegweisende Rechtsprechung.

7) Bausparkasse kündigt Bausparvertrag ohne Regelbesparung

Die Bausparkasse argumentiert mit den im Einzelfall vereinbarten Bausparbedingungen. Danach behauptet sie, dass sie kündigen könne, wenn der Verbraucher für einen bestimmten Zeitraum seiner Pflicht nicht nachkommt, den Sparbeitrag zu bezahlen.

Verbraucher sollten sich die Anspruchsgrundlage schriftlich darlegen lassen. Die Erfolgsaussichten für Verbraucher hängen vom Einzelfall ab.

8) Bausparkasse verweigert die Annahme weiterer Sparleistungen

Die Bausparkasse behauptet, dass nach Erreichen des vertraglich vereinbarten Mindestsparguthabens jede weitere Sparleistung eine Sonderzahlung sei, die einer Zustimmung durch die Bausparkasse bedarf. Unser Tipp Dagegen können Sie sich wehren. Die Erfolgsaussichten stehen gut, insbesondere wenn es sich um Verträge handelt, die auch mit dem Argument einer attraktiven Bonusverzinsung als Geldanlage verkauft wurden. Wegweisende Rechtsprechung gibt es hierzu allerdings noch nicht.

Weitere Tipps zur Immobilienfinanzierung lesen Sie in unserem umfassenden Ratgeber Immobilien kaufen, nutzen, veräußern, 560 S., 22,95 €.

Weitere News zum Thema

  • So kommt das Haus unbeschadet durch Herbst und Winter

    [] (verpd) Feuchtigkeit, Schnee und Kälte können einem Gebäude ziemlich zusetzen. Wenn vorhandene Mängel nicht beseitigt oder Räume unzureichend beheizt werden, kann es unter anderem schnell zu Regenwasserschäden, Schimmelbildung oder aufgefrorenen Rohren kommen. Zudem lassen sich oft bereits mit wenigen Maßnahmen die Heizkosten merklich reduzieren. mehr

  • Eigenheimzuschuss für Familien in Sicht

    [] Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) plant eine staatliche Immobilienförderung für Familien mit bis zu 70.000 Euro Jahreseinkommen. Ihnen will sie wegen des angespannten Immobilienmarkts mit einem Eigenkapitalzuschuss von bis zu 20.000 Euro helfen, Wohneigentum zu erwerben. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.