Wenn der Pflegefall eintritt

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(verpd) Nicht nur im Alter, auch in jungen Jahren kann jeder infolge einer Krankheit oder eines Unfalles pflegebedürftig werden. Kommt es dazu, stehen nicht nur der Pflegebedürftige, sondern auch seine Angehörigen vor großen Herausforderungen. Was Betroffene in einer solchen Situation beachten sollten.

Es gibt diverse körperliche, geistige oder seelische Ursachen, warum jemand pflegebedürftig wird, also bei den alltäglichen Dingen im Leben in erheblichem oder höherem Maße Hilfe braucht und vieles dauerhaft nicht mehr allein bewerkstelligen kann. Wer davon selbst oder als bevollmächtigter Angehöriger davon betroffen ist, sollte sich bei Eintreten der Pflegebedürftigkeit umgehend an die gesetzliche Kranken- beziehungsweise Pflegekasse oder die private Krankenversicherung des Pflegebedürftigen wenden.

Grundsätzlich besteht nämlich im Bedarfsfall ein gesetzlicher Anspruch auf eine Pflegeberatung. Bei gesetzlich Krankenversicherten wird diese durch Mitarbeiter der jeweiligen Krankenkasse oder auf Hinweis der Krankenkasse von einer unabhängigen und neutralen Beratungsstelle durchgeführt. Auf Wunsch kommt der Pflegeberater auch zum Pflegebedürftigen nach Hause.

Der Anspruch auf eine Beratung

Privat Krankenversicherte beziehungsweise deren Angehörige können sich an die Compass Private Pflegeberatung, ein Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) wenden. Dieses Unternehmen führt die Pflegeberatung direkt am aktuellen Aufenthaltsort des Betroffenen, egal ob zu Hause oder im Krankenhaus durch. Außerdem bietet das Unternehmen eine kostenlose telefonische Pflegeberatung für privat Krankenversicherte unter der Telefonnummer 0800 1018800 an.

Um Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung zu erhalten, muss ein gesetzlich Krankenversicherter einen entsprechenden Antrag bei seiner Pflegekasse, die der Krankenkasse angegliedert ist, und ein privat Krankenversicherter bei der privaten Krankenversicherung stellen. Hilfreich ist ein Pflegetagebuch, in dem der Pflegebedürftige oder der Angehörige auflistet, welche Verrichtungen wie zum Beispiel Waschen, Anziehen und Essen dem Pflegebedürftigen ohne Hilfe nicht mehr möglich sind und wie viel Zeit diese Hilfe pro Tag in Anspruch nimmt.

Diese Angaben sind wichtig, da sich die Pflegeleistungen nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit richten. Bei gesetzlich Krankenversicherten beauftragt die gesetzliche Krankenkasse für die Feststellung der entsprechenden Pflegestufe den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Bei privat Krankenversicherten wird von der privaten Krankenversicherung damit die Medicproof GmbH, ein medizinischer Dienst der privaten Krankenversicherer, betraut. Es ist sinnvoll, wenn derjenige, der den Pflegebedürftigen aktuell betreut, bei der Begutachtung dabei ist.

Hilfe per Telefon und im Internet

Grundsätzlich ist es wichtig, dass der Pflegebedürftige und seine Angehörigen darüber entscheiden, ob eine ambulante oder stationäre Pflege durchgeführt werden soll.

Umfassende Informationen zum Thema Pflege gibt es auf dem Webportal www.wege-zur-pflege.de des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Unter anderem bietet das BMFSFJ auch eine telefonische Beratung und schnelle Hilfe für Angehörige unter der Telefonnummer 030 20179131 von Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr an.

Der Webauftritt enthält außerdem weitere interessante Adressen und Links zu den verschiedenen Pflegethemen. Beispielsweise gibt es unter www.wegweiser-demenz.de eine umfangreiche Checkliste mit hilfreichen Bewertungskriterien zum Herunterladen, die bei der Besichtigung eines infrage kommenden Pflegeheims für mehr Klarheit sorgt.

Alles zu ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeheimen

Ein weiterer Link führt zu www.heimverzeichnis.de, einem gemeinnützigen Projekt, bei dem die Qualität der einzelnen Pflegeeinrichtungen durch ehrenamtliche Gutachter bewertet wird. Hier kann in einer umfangreichen Liste von Pflegeeinrichtungen nach ortsnahen Pflegeheimen gesucht werden.

Auf der Website www.serviceportal-zuhause-im-alter.de wird aufgezeigt, welche Hilfen und Lösungen es gibt, um auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu Hause wohnen bleiben zu können. Unter anderem kann hier eine Checkliste für die Suche nach einem passenden ambulanten Pflegedienst heruntergeladen werden.

Unter folgenden Webadressen kann nach Pflegediensten und/oder Pflegeheimen von verschiedenen Organisationen und Firmen gesucht werden: www.aok-gesundheitsnavi.de (AOK-Gesundheitsnavigator), www.bkk-pflegefinder.de (BKK PflegeFinder), www.der-pflegekompass.de (Pflegekompass der Knappschaft), www.pflegelotse.de (Pflegelotse der Verband der Ersatzkassen) und www.weisse-liste.de (Weisse Liste gemeinnützige GmbH). Teilweise sind hier auch Bewertungen und Preislisten zu den jeweiligen ambulanten Pflegediensten und stationären Heimen zu finden.

Finanzieller Schutz

Auskünfte, was genau die gesetzliche Pflegeversicherung leistet, sowie ein Ratgeber, was zu tun ist, wenn der Pflegefall eintritt, bietet die aktualisierte Broschüre „Ratgeber zur Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die kostenlos heruntergeladen oder in Papierform telefonisch unter 030 182722721 bestellt werden kann.

Die soziale Pflegeversicherung deckt die anfallenden Pflegekosten meist nur zum Teil ab. Reicht das Einkommen des Pflegebedürftigen nicht aus, um die restlichen Kosten abzudecken, können unter Umständen auch der Ehepartner oder die Kinder oder Eltern zur Zahlung herangezogen werden.

Mit einer passenden Pflegevorsorge in Form einer privaten Pflegezusatz-Versicherung kann man selbst dafür sorgen, dass man im Falle einer Pflegebedürftigkeit finanziell abgesichert ist und Angehörige nicht einen Teil der Kosten übernehmen müssen. Je nach Vertragsgestaltung gibt es für diese Art der Pflegevorsorge auch staatliche Zuschüsse. Details können beim Versicherungsfachmann erfragt werden.

Ausführliche Informationen zur neuen Pflegezeit lesen Sie in unserem Ratgeber Angehörige pflegen: Was Sie über Pflegezeit, Pflegeleistungen, Pflegeheim und Elternunterhalt wissen müssen .

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