So teuer ist es, ein Pflegefall zu sein

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(verpd) Die Bundesregierung verfügt nach eigenen Angaben über keine Erkenntnisse, ob im Pflegefall das Armutsgefährdungs-Risiko steigt. Die soziale Pflegepflicht-Versicherung deckt jedenfalls nur einen Teil der Kosten ab.

Aus den vorhandenen Daten lässt sich allerdings ablesen, dass die finanziellen Belastungen für die Pflege selbst sowie bei stationärer Unterbringung für Kost und Logis sowie Investitionskosten-Zuschüsse stetig gestiegen sind.

Auf eine Kleine Anfrage einer Oppositionspartei zum Thema Pflege und Altersarmut erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Ingrid Fischbach, mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz würden die Pflegeleistungen nochmals deutlich erhöht. Gleichwohl bleibe die Pflegepflicht-Versicherung ein Teilleistungssystem. Daten über ein gesondertes Armutsgefährdungs-Risiko im Pflegefall und über die Dauer des Pflegefalls hinweg lägen der Bundesregierung nicht vor, so Fischbach weiter.

Allerdings erhebt das Statistische Bundesamt (Destatis) alle zwei Jahre gesondert Daten zu den Kosten in der Pflege, wie Fischbach weiter mitteilte. Wie sich aus diesen Daten ermitteln lässt, ergibt sich in der Pflegestufe III ein Eigenbedarf von bis zu 1.866 € im Durchschnitt, den der Pflegebedürftige aus der eigenen Tasche zahlen müsste.

Eigenanteile bei der Pflege liegen zwischen 27 und 34 Prozent

Im Jahr 2013 betrug der monatliche Eigenanteil in der Pflegestufe I im Durchschnitt 27,65 Prozent beziehungsweise 391 € und in der Pflegestufe II 31,79 Prozent beziehungsweise 596 €.

Der Eigenanteil an den Pflegekosten in der Pflegestufe III ist von 2005 mit 696 € über 779 € im Jahr 2009 auf nunmehr 815 € im Jahr 2013 bei durchschnittlichen Gesamtkosten von 2.365 € gestiegen. Das entspricht einem durchschnittlichen Eigenanteil von 31,79 Prozent.

Dabei schwanken die Zuzahlungen von Bundesland zu Bundesland sehr stark. Während sie in der Pflegestufe III in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt bei 319 € liegen, sind es beispielsweise im Saarland 1.138 €.

Kosten für Unterbringung und Verpflegung Sache des Heimbewohners

Die hinzukommenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung seien grundsätzlich vom Pflegeheimbewohner selbst aufzubringen, erklärte Fischbach weiter. Diese Kosten betrugen im Jahr 2005 durchschnittlich monatlich 578 €, im Jahr 2.009.611 € und in 2.013.651 €.

An außerordentlichen Kosten kommen Investitionskosten hinzu, soweit diese nicht von den Bundesländern für die Vorhaltung der pflegerischen Versorgungsstruktur übernommen werden. Diese Kosten beliefen sich für den Heimbewohner auf monatlich durchschnittlich 400 €. In der Summe ergibt sich somit bei Pflegestufe III ein Eigenbedarf von monatlich 1.866 € im Durchschnitt. Für den ambulanten Bereich seien die Anteile nicht berechenbar, erklärte Fischbach.

Sie wies zudem darauf hin, dass mit dem Pflegestärkungsgesetz II eine einheitliche Eigenbeteiligung in den neuen Pflegegraden zwei bis fünf innerhalb jedes Pflegeheims vorgesehen sei. Daten für 2015, die auch die Wirkung des ersten Pflegestärkungsgesetzes deutlich machen würden, liegen noch nicht vor.

Viele sind auf „Hilfe zur Pflege“ angewiesen

Eine monatliche Rente in der Größenordnung des ermittelten durchschnittlichen Eigenbedarfs von 1.866 € in Pflegestufe III ist allerdings die große Ausnahme. Deshalb sind viele Pflegebedürftige auf „Hilfe zur Pflege“ (gemäß Sozialgesetzbuch XI) angewiesen: Ende 2013 waren es 119.140 Männer und 222.643 Frauen – insgesamt 65 Prozent der Empfänger waren Frauen. Zudem bezogen 134.000 pflegebedürftige Personen Wohngeld.

Wie die Daten zeigen, deckt die gesetzliche Pflegeversicherung nur teilweise die anfallenden Pflegekosten ab. Mit einer passenden Pflegevorsorge in Form einer privaten Pflegeversicherung kann man selbst dafür sorgen, dass man im Falle einer Pflegebedürftigkeit finanziell abgesichert ist.

Je nach Vertragsgestaltung gibt es für eine private Pflegeversicherung auch staatliche Zuschüsse.

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