So finanzieren Sie Pflegekosten

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Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet lediglich eine Teilabsicherung. Wer für den Pflegefall finanziell vorsorgen möchte, braucht eine Pflegezusatzversicherung.

Die Anzahl der Pflegebedürftigen nimmt wegen der immer älter werdenden Bevölkerung stark zu. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts steigt sie von heute 2,1 Mio. Pflegebedürftigen auf über 3,0 Mio. Pflegebedürftige bis zum Jahr 2030. Wegen dieser Veränderung kommen auf die gesetzliche Pflegeversicherung große finanzielle Probleme zu, die unweigerlich zu Leistungskürzungen und Beitragssteigerungen führen werden.

Schon das gegenwärtige System leistet lediglich eine Grundversorgung, die die Gesamtkosten aber nicht abdeckt, sodass über 25 Prozent aller Pflegeheimbewohner zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen sind. Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung besteht bereits heute und wird künftig noch erheblich steigen. Daran ändert auch die jüngste Reform der Pflegeversicherung und die Dynamisierung der Pflegeleistungen nichts. Ohne mehr private Eigenvorsorge droht vielen Menschen Altersarmut mit dramatischen Folgen.

Finanzierungslücke von über 1.000 Euro im Monat

Die Unterbringung in einem Pflegeheim ist teuer. Sie kann heute je nach Pflegestufe durchaus mehr als 3.000 Euro im Monat kosten. Die Pflegeversicherung ist zwar Pflicht für alle gesetzlich und privat Krankenversicherten, sie deckt aber bei weitem nicht alle Kosten. Der Pflegebedürftige erhält bei vollstationärer Pflege im Rahmen der gültigen Pflegesätze für allgemeine Pflegeleistungen und für soziale Betreuung zurzeit bis zu 1.470 Euro monatlich – in besonderen Härtefällen bis zu 1.750 Euro. Die verbleibenden Kosten müssen durch die eigene Rente oder das Vermögen des Pflegebedürftigen gedeckt werden. Ist das nicht vorhanden, müssen auch Kinder damit rechnen, als Unterhaltspflichtige zahlen zu müssen.

Wie viel kostet die Pflege?

Ein Heimplatz kostet bei Pflegestufe I im Durchschnitt 2.400 Euro monatlich. Die obligatorische Pflegeversicherung übernimmt aber lediglich einen Teil der Pflegekosten. Hinzu kommen bei der stationären Pflege Taschengeld und Aufwendungen für Kleidung. Dafür sind 100 Euro sicherlich nicht zu hoch angesetzt. Andererseits ist zu bedenken: Mit dem Umzug in ein Heim fallen die bisherigen Lebenshaltungskosten für Wohnen und Ernährung weg. Das bringt eine gewisse finanzielle Entlastung. Wesentlich schwieriger wird die Situation, wenn nur einer der beiden Partner in ein Pflegeheim muss und der andere in der Wohnung oder dem Haus wohnen bleibt. In dieser Situation sind die Heimkosten vollständig als zusätzlicher Aufwand zu finanzieren.

Um zu vermeiden, dass im Pflegefall die eigenen Kinder belastet werden oder dass man später unverschuldet zum Sozialfall wird, ist der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung unverzichtbar. Je nach Pflegestufe zahlt diese ein vertraglich festgelegtes Tagegeld, das auch zur Deckung weiterer Kosten herangezogen werden kann.

Das Pflegetagegeld ist in der Höhe begrenzt, aber in der Verwendung flexibler als die Pflegekostenversicherung. Diese zahlt einen festen Anteil an den tatsächlichen Pflegekosten, lässt sich aber nicht für andere Ausgaben verwenden.

Außerdem ist die Pflegezusatzversicherung für diejenigen interessant, die davon ausgehen, später zu Hause und überwiegend durch Angehörige versorgt zu werden. Mit dem Tagegeld lassen sich die Aufwendungen für Dienstleistungen zur Bewältigung des täglichen Lebens bezahlen, wie die Bezahlung eines Helfers für den Einkauf von Lebensmitteln oder die Begleitung und das Schieben im Rollstuhl.

Wie hoch muss der Zusatzschutz sein?

Den Tagesgeldsatz können Sie bei Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung auf Beträge zwischen 10 Euro und 150 Euro festlegen. Das sind 300 Euro bis 4.500 Euro im Monat. Wie hoch er bei Ihnen sein muss, hängt von den künftigen Kosten und davon ab, wie weit Ihre laufenden Einnahmen zusammen mit den Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung reichen. Andernfalls müssten Sie Ihr Vermögen einsetzen. Oder der Staat müsste in Form von Sozialhilfe einspringen. Doch das Sozialamt holt sich das Geld von den Unterhaltsverpflichteten, meistens den Kindern, zurück.

Tipp
Mit einem Pflegetagegeld von 20 Euro bei Pflegestufe I, von 40 Euro bei Pflegestufe II und von 50 Euro bei Pflegestufe III kommen Sie einigermaßen über die Runden. Mit jeweils 20 Euro mehr sind Sie auf der sicheren Seite.

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