Pflegeversicherung: Was Sie als Rentner beachten sollten

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Die Pflegeversicherung folgt stets der Krankenversicherung. Das bedeutet: Wer in der Krankenkasse pflichtversichert ist, wird es auch in der entsprechenden Pflegekasse (auch soziale Pflegeversicherung genannt). Wer privat krankenversichert ist, wird automatisch in der privaten Pflege-Pflichtversicherung eingegliedert, die denselben Leistungsumfang bietet wie die gesetzliche Pflegeversicherung. Anders als in der Krankenversicherung gibt es für Rentner in der Pflegeversicherung jedoch keine Beteiligung des Rentenversicherungsträgers oder Beitragszuschüsse für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte oder privat Versicherte.

Rechengrößen für pflegeversicherte Rentner

2014

Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Pflegeversicherung

4.050,00 €

allgemeiner Beitragssatz

2,05 %

erhöhter Beitragssatz für Kinderlose (ab 23)

2,3 %

Mindest-Versorgungsbezüge für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung

138,25 €

Höchstbeitrag für gesetzliche Pflegeversicherung

83,03 €

Höchstbeitragszuschuss für freiwillige Krankenversicherung als Rentner

295,65 €

Regeln für Pflege-Pflichtversicherte

Sind Sie als Rentner krankenversicherungspflichtig (KVdR), besteht in der Regel gleichzeitig Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung. Somit müssen Sie neben den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung aus Ihrer Rente auch Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung zahlen. Beide Beiträge werden zusammen vom Rentenversicherungsträger einbehalten und an die Pflegeversicherung abgeführt Den Pflegebeitrag müssen Sie als Ruheständler vollständig selbst zahlen. Der Beitragssatz beträgt seit dem 1.1.2013 einheitlich 2,05 % und 1,025 % für beihilfeberechtigte Personen wie z.B. für Beamte.

Kinderlose Rentner ab Geburtsjahrgang 1940, die das 23. Lebensjahr bereits vollendet haben, zahlen einen Beitragszuschlag von 0,25 %. Für sie beträgt der Beitragssatz somit 2,3 % oder bei bestehender Beihilfeberechtigung 1,275 %. Als Kinder zählen leibliche, Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder.

Beispiel:

Herr O. hat einen erwachsenen Sohn und erhält 1.000,00 € Rente.

Krankenversicherung: Zu zahlen sind 155,00 € Beitrag (15,5 % von 1.000,00 €). Davon übernimmt der Rentenversicherungsträger 73,00 € (14,6 % von 1.000,00 € = 146,00 € : 2 = 73,00 € (entspricht rechnerisch 7,3 % von 1.000,00 €). Die verbleibenden 82,00 € bezahlt Herr O. selbst (Differenz aus 155,00 € und 73,00 €); das entspricht rechnerisch 8,2 % von 1.000,00 €.

Pflegeversicherung: Zu zahlen sind 20,50 € (2,05 % von 1.000,00 €).

Pflegeschutz für freiwillig krankenversicherte Rentner

Als freiwillig krankenversicherter Rentner sind Sie ebenfalls versicherungspflichtig in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Beiträge müssen Sie auch selbst zahlen (kein Zuschuss möglich). Für freiwillig Krankenversicherte werden jedoch sämtliche Einkünfte und Einkommensarten herangezogen.

Beispiel:

Herr O. hat einen erwachsenen Sohn und erhält 1.000,00 € Rente. Hinzu kommt ein Anspruch auf 300,00 € Betriebsrente. Er verfügt über monatlich 300,00 € Kapitaleinkünfte und 500,00 € Mieteinkünfte.

Krankenversicherung

Aus der Rente sind 155,00 € Beitrag (15,5 % von 1.000,00 €) zu zahlen. Davon übernimmt der Rentenversicherungsträger 73,00 € Zuschuss. Er selbst zahlt 82,00 €.

Betriebsrente: 15,5 % × 300,00 € = 46,50 € (kein Zuschuss).

Kapitaleinkünfte: 15,5 % × 300,00 € = 46,50 € (kein Zuschuss).

Mieteinnahmen: 15,5 % × 500,00 € = 77,50 € (kein Zuschuss).

Sein eigener Krankenversicherungsbeitrag im Ruhestand beträgt insgesamt 252,50 €.

Pflegeversicherung

Aus der Rente sind 20,50 € (2,05 % von 1.000,00 €) zu zahlen (kein Zuschuss).

Betriebsrente: 2,05 % × 300,00 € = 6,15 € (kein Zuschuss).

Kapitaleinkünfte: 2,05 % × 300,00 € = 6,15 € (kein Zuschuss).

Mieteinnahmen: 2,05 % × 500,00 € = 10,25 € (kein Zuschuss).

Sein Pflegeversicherungsbeitrag im Ruhestand beträgt insgesamt 43,05 €.

Pflegeschutz für privat krankenversicherte Rentner

Privat Versicherte müssen auch das Pflegerisiko privat versichern und einen entsprechenden Vertrag mit einem privaten Krankenversicherer abschließen. Den Beitrag müssen Sie selbst vollständig zahlen. Zur privaten Pflege-Pflichtversicherung, der 9,62 Millionen Frauen, Männer und Kinder angehören (Stand: 2012), steuert Ihr Rentenversicherungsträger keinen Zuschuss bei.

Die Höhe des Beitrages richtet sich vor allem nach dem Alter beim Eintritt. Dieses Risiko ist bei einem fortgeschrittenen Eintrittsalter höher; entsprechend fällt dann auch der Beitrag höher. Allerdings dürfen die Beiträge nicht nach dem Geschlecht gestaffelt, Vorerkrankungen nicht ausgeschlossen und bereits pflegebedürftige Personen nicht zurückgewiesen werden. Kinder werden beitragsfrei mitversichert.

Beispiel:

Herr P. ist 30 Jahre alt. Er zahlt 19,50 € für seine private Pflege-Pflichtversicherung pro Monat. Wäre er beim Einstieg 50 Jahre alt, würde der Beitrag ungefähr 50,00 € kosten.

Bei der Beitragshöhe wird grundsätzlich zwischen Versicherten (nach § 110 Abs. 1 SGB XI) unterschieden, die bereits von Anfang an – also seit Einführung der privaten Pflege-Pflichtversicherung zum 1.1.1995 – ohne Unterbrechung privat pflegeversichert waren, und Versicherten (nach § 110 Abs. 3 SGB XI), die erst später privat pflegeversichert wurden.

Bei den von Anfang an Versicherten ist der Beitrag zur privaten Pflege-Pflichtversicherung auf den Höchstbeitrag der sozialen Pflegeversicherung begrenzt worden (2014: 83,03 €). Für den Ehepartner ohne eigenes Einkommen oder nur geringfügigem Einkommen ( 385,00 € bzw. bei geringfügig Beschäftigten 450,00 €) gibt es eine Beitragsvergünstigung: Für beide Ehepartner zusammen darf der Höchstbeitrag nicht mehr als 150 % des Höchstbeitrages der gesetzlichen Pflegeversicherung betragen, für 2014 also 124,55 €.

Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr bzw. Kinder in der Ausbildung bis zum vollendeten 25. Lebensjahr sind beitragsfrei mitversichert.

Bei den späteren Neuzugängen gilt für die Dauer von fünf Jahren keine Beitragsbegrenzung auf den Höchstbeitrag der sozialen Pflegeversicherung. Folge: Somit müssen Sie – je nach Alter und Gesundheitszustand – unter Umständen erhöhte Beiträge leisten. Außerdem gibt es auch keine Ehegattenermäßigung. Nach Ablauf der fünf Jahre darf der Beitrag aber den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht überschreiten (2014: 83,03 €).

Die Beiträge müssen Sie als Ruheständler selbst zahlen (kein Zuschuss möglich).

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