Pflegestufe Null: Anspruch auf Wohnungsanpassung nutzen

Desorientierte und Demente haben im Bedarfsfall Anspruch auf klassische Maßnahmen der Wohnungsanpassung, wie sie auch für Nicht-Demente finanziert werden (z.B. den Einbau einer bodengleichen Dusche).

Ein besonderes Augenmerk sollte aber darauf gelegt werden, die Betroffenen vor den für sie oftmals nicht vorhersehbaren Konsequenzen ihres eigenen Handelns zu schützen.

Mit bis zu 2.557,00 € (ab 2015 voraussichtlich 4.000,00 €) beteiligt sich die Pflegeversicherung an Maßnahmen zur Anpassung einer Wohnung an die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen. Davon können auch Demenzkranke profitieren, die in Pflegestufe Null eingruppiert sind.

In Deutschland leben etwa 1,4 Millionen Demenzkranke – meist leiden sie an der Alzheimer-Krankheit. Seit 2013 gibt es für viele von ihnen erstmals Leistungen der Pflegeversicherung – auch wenn sie keine körperliche Pflege, sondern nur Betreuung benötigen. Voraussetzung ist, dass ihnen per Pflegegutachten eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz (sog. Pflegestufe Null) bescheinigt wurde. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie von zu Hause weglaufen und unkontrolliert die Straße überqueren oder sich selbst und andere gefährden, etwa indem sie Kochfelder am Herd nicht wieder ausschalten.

Sinnvolle Herdsicherung

Welche Änderungen in der Wohnung nötig und möglich sind, darüber können sich Kranke und ihre Angehörigen bei Wohnberatungsstellen oder Pflegestützpunkten informieren. Das sind u.U. ganz simple Maßnahmen, die kaum etwas kosten. Manchen Alzheimer-Kranken macht es z.B. Angst, wenn sie sich selbst oder Angehörige im Spiegel sehen. Verspiegelte Schranktüren kann man übertapezieren, andere Spiegel einfach abhängen. Andere Maßnahmen können dagegen richtig ins Geld gehen, etwa die Verriegelung von Fenstern.

Besonders sinnvoll kann gerade bei verwirrten Menschen eine Herdsicherung sein: Es gibt sie vor allem für Elektroherde. Der Herd wird dann entweder nach einer voreingestellten Zeit oder bei Überhitzung der Kochfelder automatisch abgestellt. Moderne Herde verfügen mitunter schon über ein solches Sicherungssystem. Bei älteren Herden kann eine Nachrüstung erfolgen. In der Sammlung der förderungswürdigen Wohnungsanpassungsmaßnahmen im einschlägigen Gemeinsamen Rundschreiben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Herdsicherung zwar (noch) nicht aufgeführt. Dennoch kann sie im Einzelfall finanziert werden, sie muss aber sinnvoll sein (Einzelheiten erfährt man bei Pflegeberatern). Wenn ein Pflegebedürftiger gar nicht mehr kochen sollte, weil er es nicht mehr kann oder sich dabei immer selbst gefährdet, sollte man den Herd abklemmen.

Demenzkranke und ihre Angehörigen sollten sich nicht scheuen, die (Mit-)Finanzierung entsprechender Maßnahmen bei der Pflegekasse zu beantragen. Bei einer Ablehnung kann dagegen zunächst mit Widerspruch und danach mit einer Klage vorgegangen werden. Die Chancen, dass spätestens die Sozialgerichte die Ansprüche der Betroffenen anerkennen, stehen nicht schlecht.

Auch Finanzierung eines Umzugs ist möglich

Wenig bekannt ist bislang, dass mit Geldern zur Wohnumfeldverbesserung auch ein Umzug finanziert werden kann. So können beispielsweise die Kosten des Umzugs eines Alzheimer-Kranken in eine betreute Wohngemeinschaft übernommen werden. Zudem kann der Zuschuss der Pflegekasse für eine Wohnungsanpassung höher ausfallen, wenn diese gleich mehreren Pflegebedürftigen zugutekommt. Maximal beträgt der Zuschuss 10.228,00 € je Maßnahme, wenn davon mindestens vier Pflegebedürftige profitieren.

Mögliche Maßnahmen zur Wohnungsanpassung sollten schon beim Besuch des Pflegegutachters angesprochen werden. Sinnvoll ist es, bereits zur Vorbereitung dieses Besuchs eine Pflege- bzw. Wohnberatung in Anspruch zu nehmen. Adressen dieser Beratungsstellen gibt es bei den Pflegekassen.

Maßnahmen zur Wohnungsanpassung, die speziell für Demente (Pflegestufe Null) infrage kommen

Warnsysteme oder universelle Schutzeinrichtungen

  • Herdsicherungssysteme zur Vermeidung von Bränden beim Kochen

  • Rauchmelder zur Warnung bei bereits bestehenden Bränden

  • Wassermelder zur Warnung von nicht abgestellten Wasserentnahmestellen

  • Lichtschranken an der Wohnungstür zur Vermeidung von Weglauftendenzen

  • Temperaturregler zum Schutz vor Verbrühungen

  • Fenstersicherungen

Umbau in der Küche

  • Die Einrichtung sollte einfach und übersichtlich sein

  • In Schränke sollten (bruchfeste) Glastüren zur schnellen Erfassung der im Schrank befindlichen Gegenstände eingebaut werden

Modifizierung vorhandener Schränke

  • Soweit in Schränken gefährliche oder giftige Gegenstände aufbewahrt werden, sollten Schlösser eingebaut werden, um ein unkontrolliertes Entleeren der Schränke zu vermeiden.

Modifizierung in der Gesamtwohnung

Oberstes Ziel sollte die Vermeidung von Irritationen sein. Dafür können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Schaffung von Lichtverhältnissen, die nicht blenden oder Schatten werfen (Vermeidung von Angstzuständen)

  • Vermeidung von Mustern oder geometrischen Formen auf dem Boden (so wird Fehlinterpretation der Formen vorgebeugt – mit Problemen, diese zu übersteigen)

  • Entfernung von spiegelnden Flächen (Vermeidung von Angst vor eigenem Spiegelbild bzw. angenommener fremder Person)

  • Einfache Wandbekleidung/Farbgestaltung ohne irritierende Muster, um Nervosität zu vermeiden

  • Haus-/Wohnungstür von innen der Wanddekoration anpassen (tapezieren), um diese nicht mehr als Tür erkennen zu lassen (Vermeidung von Weglauftendenzen)

  • Stolperkanten (z.B. Teppichkanten) entfernen, um Stürze zu vermeiden

  • Verlegung eines rutschfesten Bodenbelags

  • Beleuchtung

    • zur Orientierung anbringen, um (nachts) z.B. den Weg zur Toilette zu kennzeichnen

    • ggf. Bewegungsmelder (wenn diese keine Angstzustände verursachen)

    • Nachtlichter

  • Sicherung von Balkonbrüstungen (zur Vermeidung von Absturzgefahr)

Quelle: "Der GeldBerater", Juni 2014

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