Pflegende Angehörige könnten mehr Hilfen nutzen

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Rund zwei Millionen Menschen werden derzeit zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Trotz dieser Mehrbelastung nehmen nur wenige zusätzliche Hilfsangebote in Anspruch.

Die Unterstützungsangebote der gesetzlichen Pflegeversicherung werden lediglich von wenigen pflegenden Angehörigen genutzt, obwohl Leistungen wie der Pflegedienst, die Tages-, Kurz- oder Verhinderungspflege den meisten Pflegenden bekannt sind.

Das geht aus einer am Montag in Berlin vorgestellten Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK im Rahmen des Pflege-Reports 2016 hervor. Für den Report wurden 1.000 pflegende Angehörige befragt.

Benötigte Hilfe anfordern

Jeder vierte Pflegehaushalt, in dem keine zusätzliche Unterstützung in Anspruch genommen wird, gab an, dass diese dort eigentlich benötigt werde. Mit 64 Prozent werde der Pflegedienst am stärksten angenommen. Alle anderen Angebote würden nur von jedem Fünften wahrgenommen.

Als wichtigsten Grund für die Pflege in Eigenregie gaben die Befragten in der Untersuchung an, dass viele Pflegebedürftige nicht von einer fremden Person betreut werden wollten. Auch die Kosten, eine mangelnde Erreichbarkeit sowie schlechte Erfahrungen mit den Angeboten spielten eine Rolle.

Wertvolle Expertentipps zu den Leistungen der Pflegepflichtversicherung und zu den drei bestehenden Möglichkeiten für Angehörige, häusliche Pflege mit beruflichen Tätigkeiten zu vereinbaren, erhalten Sie in unserem Ratgeber Angehörige pflegen: Was Sie über Pflegezeit, Pflegeleistungen, Pflegeheim und Elternunterhalt wissen müssen .

Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige

Wer die Pflege eines Angehörigen nicht vollständig selbst leisten kann oder will, hat die Möglichkeit, auf einen ambulanten Pflegedienst zurückzugreifen. Außerdem gibt es Angebote für Tagespflege, Betreuung, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege. Wenn ein pflegender Angehöriger verhindert ist oder eine Auszeit benötigt, übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Ersatzpflege. Kosten von bis zu 2.418 € pro Jahr werden von der Pflegekasse bezahlt.

Die Pflegekassse zahlt auch eine vollstationäre Kurzzeitpflege, die bis zu vier Wochen dauern kann. Das entspricht einem Volumen von bis zu 1.612 €. Pflegende Angehörige erhalten während dieser Zeit weiterhin Pflegegeld.

Ab 1.1.2017 wird die soziale Absicherung pflegender Angehöriger weiter verbessert. Für sie werden dann höhere Rentenbeiträge gezahlt. Zudem ist eine umfassende Absicherung in der Arbeitslosenversicherung vorgesehen, wenn jemand seinen Beruf aufgibt oder aussetzt, um einen Angehörigen zu pflegen.

Zusatzangebote nutzen

Die Mitherausgeberin des Reports und Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im Wissenschaftlichen Institut der AOK, Antje Schwinger, sagte, unter den Nutzern der zusätzlichen Angebote sei die Zufriedenheit hoch. Fast 90 Prozent der Befragten stuften das Personal als kompetent ein. Auch die Gepflegten kämen gut mit der Betreuung klar. Bei den Nutzern von Pflegediensten gelte das für 84 Prozent, bei der Tagespflege immerhin für 87 Prozent.

Damit noch mehr pflegende Angehörige die Angebote nutzten, forderte Schwinger dazu auf, die Bedürfnisse der Betroffenen besser zu verstehen und die Beratung auszuweiten. Die Expertin machte jedoch auch auf ein tiefsitzendes Selbstverständnis von familiärer Pflege in der Gesellschaft aufmerksam. Das Pflichtgefühl der Angehörigen gegenüber dem Pflegebedürftigen sei sehr hoch. Ähnliches gelte für die Bereitschaft, die Pflege trotz Überlastung alleine zu bewältigen.

Pflegeberatung in Anspruch nehmen

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, sprach in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Pflegeberatern an. Allein bei der AOK-Pflegekasse seien 700 Berater im Einsatz, die in einem persönlichen Gespräch den Pflegebedarf erfassten.

Auf diese Weise könne ein individueller Versorgungsplan erstellt werden, sagte Litsch. Der Befragung zufolge gaben immerhin drei Viertel der Nutzer von Beratungsgesprächen an, dass ihnen diese geholfen hätten. Litsch betonte, Hilfsangebote sollten nicht als ein Zeichen der Schwäche verstanden werden. Auch über Schamgefühle sollte gesprochen werden, statt einfach über sie hinwegzusehen.

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