Pflege-TÜV soll reformiert werden: So können Sie die Noten nutzen

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Am Pflege-TÜV zur Pflegeversicherung wurde in den letzten Monaten kein gutes Haar gelassen. Und tatsächlich: Die meisten Pflegeheime erhalten aufgrund der Prüfergebnisse des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) bislang Noten zwischen 1 und 1,5 – das ist tatsächlich wenig aussagekräftig. Und die Kritik, durch gute Noten in unwichtigen Bereichen ließen sich in der Gesamtnote miese Noten in zentralen Pflegebereichen ausgleichen, trifft zu.

Doch was sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen derzeit tun, wenn sie ein vernünftiges Pflegeheim suchen? Wer genauer hinschaut, erhält aus den Transparenzberichten des MDK durchaus detaillierte verwertbare Informationen, die bei der Auswahl der Pflegeeinrichtung helfen.

So werden die Pflegenoten ermittelt

Grundlage zur Ermittlung der Pflegenoten bilden bei den Pflegeheimen insgesamt 82 Einzelkriterien aus den vier Bereichen Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung, Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Die Kriterien werden mit Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet. Aufgrund der Einzelnoten werden dann – ungewichtet – Durchschnittsnoten gebildet. Diese Gesamtnoten für die Einrichtungen können auf einer fünfstufigen Skala zwischen 1 (sehr gut) und 5 (mangelhaft) liegen. Tatsächlich liegen die Beurteilungen aber im Schnitt zwischen 1 und 2 – meist sogar näher an einem sehr gut.

Ausführliche Informationen zur neuen Pflegezeit lesen Sie in unserem Ratgeber Angehörige pflegen: Was Sie über Pflegezeit, Pflegeleistungen, Pflegeheim und Elternunterhalt wissen müssen .

Auf den ersten Blick scheinen damit die Ergebnisse wenig aussagekräftig zu sein. Doch eine Nutzung der Datenbanken, in denen die Pflegenoten gespeichert sind, lohnt sich oft. Denn dort findet man auch Detailergebnisse und kann vor allem auf die Punkte achten, die einem persönlich besonders wichtig sind. Die Ergebnisse der Transparenzberichte findet man im Internet unter anderem unter:

In diesen frei zugänglichen Datenbanken kann man den Ort (bzw. die dazu gehörige Postleitzahl) eingeben, in dem man ein Pflegeheim bzw. eine ambulante Pflegeeinrichtung sucht. Danach kann man detaillierte Informationen über die im Umkreis infrage kommenden Heime einsehen. Zunächst werden einem – wenn man ein Heim anklickt – nicht nur die Gesamtnote, sondern die vier oben genannten Bewertungs-Bereiche angezeigt. Wer sich vor allem für den zentralen Bereich Pflege interessiert, kann sich hierzu durch einen weiteren Klick 32 Detailinformationen ansehen – etwa die Benotung zur Dekubitus-Prophylaxe oder zum Umgang mit Schmerzen.

Empfehlung des GKV-Spitzenverbands

Der GKV-Spitzenverband rät für einen detaillierten Vergleich von stationären Pflegeeinrichtungen, vor allem auf die folgenden sechs relevanten Pflegekriterien zu achten:

  • 07 Werden erforderliche Dekubitus-Prophylaxen durchgeführt?

  • 15 Ist der Ernährungszustand angemessen im Rahmen der Einwirkungsmöglichkeiten der Einrichtung?

  • 18 Ist die Flüssigkeitsversorgung angemessen im Rahmen der Einwirkungsmöglichkeiten der Einrichtung?

  • 20 Erfolgt eine systematische Schmerzeinschätzung?

  • 23 Werden bei Bewohnern mit Inkontinenz bzw. mit Blasenkatheter die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt?

  • 26 Werden erforderliche Prophylaxen gegen Stürze durchgeführt?

Diese Pflegekriterien seien für das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner von zentraler Bedeutung; sie geben – so der Spitzenverband – wichtige Hinweise zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Beantwortung der Fragen nach dem Wohlbefinden und der Lebensqualität.

Für Pflegebedürftige gibt es die interessante Möglichkeit, ein Heim persönlich auszuprobieren (Wohnen auf Probe): So kann man ein Heim für eine vierwöchige Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege nutzen. Der maximale jährliche Leistungsbetrag hierfür wurde 2015 auf jeweils 1.612,00 € erhöht. Bei diesen Leistungen wird nicht nach Pflegestufen differenziert, der Betrag kann also auch bei Stufe 1 in Anspruch genommen werden und seit 2015 auch von Personen mit Pflegestufe Null (in der Regel handelt es sich dabei um Demenzkranke).

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