Pflege-Report 2017: Pflegeheimbewohner erhalten zu viele Psychopharmaka

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240.000 der rund 800.000 Pflegeheimbewohner in Deutschland erhalten Antidepressiva, 260.000 Neuroleptika.

Eine vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Untersuchung der Klinischen Pharmakologin Professor Petra Thürmann zeigt, dass ein Teil der Pflegeheimbewohner überdurchschnittlich viele Psychopharmaka schlucken müssen. Besonders betroffen sind die rund 500.000 Demenzkranken.

Demnach erhalten gut 30 Prozent der Bewohner (240.000) ein Antidepressivum, wobei es kaum Unterschiede zwischen Pflegebedürftigen mit oder ohne Demenz gibt.

Dauerhaft mindestens ein Neuroleptikum bekommen 40 Prozent der Bewohner (200.000) mit Demenz sowie knapp 20 Prozent der Heimbewohner (60.000) ohne Demenz.

Mit Blick auf unerwünschte Nebenwirkungen von Neuroleptika wie Stürze, Schlaganfälle oder Thrombosen warnt Frau Professor Thürmann, Mitglied des Sachverständigenrats des Bundesgesundheitsministeriums: "Neuroleptika werden als Medikamente zur Behandlung von krankhaften Wahnvorstellungen, sogenannten Psychosen, entwickelt. Nur ganz wenige Wirkstoffe sind zur Behandlung von Wahnvorstellungen bei Demenz zugelassen, und dann auch nur für eine kurze Therapiedauer von sechs Wochen. Der breite und dauerhafte Neuroleptika-Einsatz bei Pflegeheimbewohnern mit Demenz verstößt gegen die Leitlinien."

Dabei verweist die Expertin aufs Ausland. Während 54 Prozent der spanischen und 47 Prozent der deutschen demenzkranken Heimbewohner Neuroleptika erhalten, sind es nur zwölf Prozent in Schweden und 30 Prozent in Finnland. "Es scheint also Spielraum und Alternativen zu geben", meint Frau Professor Thürmann.

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