Nach Kopfschmerzen zum Pflegefall

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(verpd) Wird eine Person, die sich wegen starker, plötzlich auftretender Kopfschmerzen in die Notaufnahme eines Krankenhauses begibt, nicht ausführlich untersucht, so ist die Klinik zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet, wenn der Patient kurze Zeit später eine schwere Hirnblutung erleidet. Das geht aus einem jüngst veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Hamm hervor (Az. I-26 U 142/09).

Ein 34-Jähriger suchte wegen spontan aufgetretener starker Kopfschmerzen die Notaufnahme eines Krankenhauses auf.

Nach einer kurzen Untersuchung wurde er mit der Diagnose „Spannungskopfschmerzen“ und einem Rezept für Schmerzmittel aus der Klinik entlassen.

Pflegefall

Dreizehn Tage später erlitt der Mann eine schwere Hirnblutung, die ihn zum Pflegefall machte. Dabei stellte sich heraus, dass die Ursache für seine vorangegangenen Kopfschmerzen ebenfalls eine, wenn auch nur leichte, Hirnblutung gewesen sein musste.

Weil der erstbehandelnde Krankenhausarzt diese sogenannte „Warnblutung“ wegen der nach Meinung des Notfallpatienten nur oberflächlichen Befunderhebung nicht erkannt hatte, ging er von einem Behandlungsfehler aus. Er verklagte die Klinik daher auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld. Mit Erfolg: Das Oberlandesgericht Hamm gab seiner Klage statt.

Nach Überzeugung des Gerichts ist die Dauerschädigung, die der Kläger erlitten hat, auf einen Fehler des erstbehandelnden Arztes zurückzuführen. Bei einer ausreichenden Befunderhebung hätte er nämlich die Warnblutung erkennen müssen.

Umkehr der Beweislast

In diesem Fall hätte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme eine große Heilungschance bestanden. Denn bei einer fachgerechten Erstbehandlung wäre die kurze Zeit später auftretende große Hirnblutung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aufgetreten. Die bloße Behauptung der beklagten Klinik, den Kläger angesichts der von ihm geschilderten Symptome angemessen und ausreichend behandelt zu haben, konnte diese nach Meinung der Richter nicht entlasten.

Denn im Rahmen der dem Kläger zugutekommenden Beweislastumkehr wäre es Sache des Krankenhauses gewesen zu beweisen, dass dem Arzt, der den Kläger behandelt hat, bei der Befunderhebung kein Fehler unterlaufen ist. Diesen Beweis ist die Klinik jedoch schuldig geblieben. Wie der Fall zeigt, kann auch eine Auseinandersetzung mit einem Arzt oder einer Klinik Erfolg haben.

Patienten können das Kostenrisiko eines Gerichtsprozesses mit einer Privatrechtsschutz-Police vermeiden. Diese übernimmt im Streitfall unter anderem mögliche Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten, wenn der Versicherte Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld einklagen muss. Wichtig ist, dass Aussicht auf Erfolg besteht und der Versicherer vorab eine Leistungszusage erteilt hat. Zudem leistet sie bei zahlreichen anderen Auseinandersetzungen.

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