Internationaler Pflegetag: Gute Pflege braucht gute Unterstützung

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Die Unterstützung, die Pflegebedürftige benötigen, ist individuell sehr unterschiedlich. Manchem reicht es, wenn er Hilfe im Alltag erfährt, etwa bei Behördengängen und Formularen. Andere brauchen eine Rund-um-die Uhr-Betreuung.

Knapp 2,9 Millionen Menschen sind derzeit pflegebedürftig. Rund 2,04 Millionen von ihnen erhalten ambulante Leistungen, etwa 810.000 vollstationäre Leistungen. Prognosen zufolge werden 2030 mehr als 3,3 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sein.

Etwa 73 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit zu Hause betreut, meist durch Angehörige. Pflegende Angehörige sind somit bei weitem der größte Pflegedienstleister. Wer sich Tag für Tag um Großeltern, Eltern, Ehepartner oder auch Freunde kümmert, braucht für seine anspruchsvolle Tätigkeit Entlastung und Unterstützung.

Um die Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen zu verbessern, wurden in dieser Wahlperiode drei Pflegestärkungsgesetze beschlossen. Das Ergebnis: mehr Leistungen für Pflegebedürftige, mehr Entlastung und Sicherheit für pflegende Angehörige, bessere Beratung zu Pflegeleistungen und mehr Zeit für Pflegekräfte.

Zum Beispiel wurde im zweiten Pflegestärkungsgesetz die rentenrechtliche Absicherung für Zeiten der Pflege bei Angehörigen verbessert. Insgesamt wurden mit den drei Pflegestärkungsgesetzen die Leistungen in einem Umfang von mehr als 20 Prozent ausgeweitet – das sind gut fünf Milliarden jährlich.

Jedes Jahr findet am 12. Mai der Internationale Tag der Pflege statt. Dieser Tag erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale. Mit ihm wird jährlich der unermüdliche Einsatz aller Pflegenden, egal ob professionell ausgebildet oder nicht, gewürdigt.

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Sozialverband VdK: Pflegende Angehörige müssen besser unterstützt werden

"Pflegende Angehörige sind die wichtigste Säule im deutschen Pflegesystem. Sie müssen daher bei der oft kräftezehrenden Pflege eines Angehörigen noch stärker entlastet werden." Das erklärt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, zum heutigen internationalen Tag der Pflege.

Ziel der Pflegepolitik in der nächsten Legislaturperiode müsse es sein, pflegende Angehörige vor allem finanziell, zeitlich und organisatorisch zu unterstützen. Notwendig sei etwa die rentenrechtliche Gleichstellung von Familienpflege- und Kindererziehungszeiten. "Menschen, die Angehörige pflegen, müssen rentenrechtlich besser abgesichert werden. Sie sollten keine Angst haben, später in Altersarmut zu geraten", so Mascher.

Auch seien weitere Anstrengungen nötig, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern. "Fehlende Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist für Angehörige eine große Belastung. Stress wegen Zeitmangels und die Sorge, wegen der Pflege die restliche Familie, Freunde und den Job zu vernachlässigen, sind große Belastungsfaktoren", erklärt die VdK-Präsidentin.

Der Sozialverband VdK fordert die Einführung einer aus Steuermitteln finanzierten Lohnersatzleistung in Anlehnung an das Elterngeld. "Das ist der richtige Weg, um den Angehörigen Teilzeittätigkeit und Pflege parallel zu ermöglichen. An der fehlenden finanziellen Abfederung ist die Familienpflegezeit bisher gescheitert", so Mascher.

Im Zuge seiner Aktion zur Bundestagswahl Soziale Spaltung stoppen!“ fordert der Sozialverband VdK weitere Verbesserungen im Bereich Pflege. Dazu gehört etwa die Anpassung der Pflegeleistungen. "Eine jährliche automatische Anpassung der Pflegeversicherungsleistungen an die Kostensteigerungen in der Pflege ist notwendig, damit nicht immer mehr Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind", erklärt die VdK-Präsidentin.

Zudem müssten Entlastungsangebote weiter ausgebaut und ein flächendeckendes Netz von Pflegestützpunkten geschaffen werden. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass sich viele pflegende Angehörige nicht ausreichend informiert fühlen. Sie brauchen wohnortnahe Anlaufstellen, die schnell Auskunft über Unterstützungsangebote, Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten geben.“

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