Die Anzahl der Pflegebedürftigen nimmt weiter zu

 - 

(verpd) Allein die demografische Entwicklung sorgt dem aktuellen Pflegereport der Barmer GEK, einem Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, zufolge für die stetig steigende Anzahl der Pflegebedürftigen.

Dabei verläuft die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern aufgrund der Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands und durch Zuwanderungen aus dem Ausland in den nächsten Jahrzehnten zum Teil stark gegenläufig – und die privat zu tragenden Lasten nehmen weiter zu.

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent auf 2,5 Millionen allein in der sozialen Pflegeversicherung angestiegen, wie aus dem jüngst veröffentlichten Pflegereport 2014 der gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK hervorgeht.

Dass immer mehr Menschen zum Pflegefall werden, liegt nach den Erkenntnissen des Reports nicht daran, dass die Hilfebedürftigkeit im Alter zunimmt. Die Dynamik der Pflegezahlen werde allein durch die Demografie bestimmt, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, bei der Vorstellung des Reports.

Regionale Unterschiede

In den einzelnen Bundesländern werden sich die Pflegefallzahlen allerdings deutlich unterschiedlich entwickeln. Dies führt die Krankenkasse auf Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands und Zuwanderungen aus dem Ausland in den nächsten Jahrzehnten zurück. Bis 2030 ist die prognostizierte Zunahme der Anzahl der Pflegebedürftigen in Relation zu 2010 in Brandenburg und Berlin am höchsten (jeweils mehr als 50 Prozent).

Bis 2060 wird der Spitzenwert hingegen in Baden-Württemberg erwartet (plus 114 Prozent). Auch für Berlin, Hamburg und Bayern werden Steigerungswerte von über 100 Prozent ausgewiesen. Deutschlandweit liegt die Zunahme der Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2030 den Angaben des Reports zufolge bei knapp 42 Prozent, bis 2060 sogar bei 84 Prozent.

Allerdings werde die maximale Zahl der Pflegebedürftigen in den einzelnen Bundesländern bis 2060 zu unterschiedlichen Zeitabschnitten erreicht, wie die Krankenkasse als weiteres regionales Unterscheidungsmerkmal herausstellt. Während in Ostdeutschland zwischen 2050 und 2060 ausnahmslos deutliche Rückgänge laut Report erwartet werden, werde es in Bayern und Baden-Württemberg sowie den Städten Berlin, Hamburg und Bremen noch zu einer Erhöhung der Zahl der Pflegebedürftigen kommen.

Über ein Drittel der Pflegefallkosten müssen privat getragen werden

Nach den aggregierten Daten des Pflegereports erreichten die Ausgaben für Pflege im Jahr 2012 insgesamt 41,96 Milliarden Euro. Davon leistete die gesetzliche Pflegeversicherung mit 22,94 Milliarden Euro mehr als die Hälfte, die private Pflegeversicherung mit 0,78 Milliarden Euro knapp ein Fünfzigstel. Sozialhilfe und Kriegsopferfürsorge kommen auf einen Anteil von rund einem Zwölftel.

Die privat von den Bürgern zu stemmenden Ausgaben beliefen sich danach geschätzt auf fast 15 Milliarden Euro, was einem Anteil von über einem Drittel entspricht. Mögliche Leistungen aus einer privaten Pflegezusatz-Versicherung wurden in dem Tableau nicht erfasst.

In der privaten Pflegepflicht-Versicherung (PPV), in der nach dem Zahlenbericht 2013 des Verbands der privaten Krankenversicherung Ende 2013 gut 9,5 Millionen Menschen versichert waren, ergab sich von 2012 auf 2013 ein Ausgabeplus von rund zehn Prozent auf knapp 860 Millionen Euro.

Schutz für einen selbst und die Angehörigen

Schon heute ist die gesetzliche Pflegeversicherung nur als „Teilkaskoversicherung“ konzipiert. Wie die Fakten der Studie zeigen, tragen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bereits einen hohen Anteil der anteiligen Pflegekosten selbst. Es ist es daher für den Einzelnen wichtig, frühzeitig vorzusorgen, damit mögliche finanzielle Belastungen nicht überhandnehmen. Die private Versicherungsbranche bietet hierzu diverse Lösungen an, um eine ausreichende finanzielle Sicherheit bei Pflegebedürftigkeit für den Betroffenen, aber auch für seine Angehörigen zu gewährleisten.

Mit einer privaten Pflegekosten-Police werden beispielsweise nach Vorleistung durch die gesetzliche Pflegeversicherung die verbleibenden Kosten ganz oder teilweise erstattet. Die Pflegetagegeld-Versicherung hingegen zahlt unabhängig von den tatsächlichen Kosten nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit einen vorher fest vereinbarten Geldbetrag je Tag. Bei der Pflegerenten-Versicherung bekommt der Versicherte, sobald er ein Pflegefall ist, je nach Pflegestufe eine vereinbarte monatliche Rente.

Unter bestimmten Bedingungen wird die private Pflegevorsorge-Versicherung des Einzelnen sogar mit bis zu 60 € im Jahr staatlich gefördert.

Weitere News zum Thema

  • Einkünfte aus Pflegebetrug mindern nicht Sozialhilfe

    [] Über Pflegebetrug ist insbesondere Ende letzten Jahres in der deutschen Presse einiges berichtet worden. Dabei geht es um Pflegedienste, die den Kranken- und Pflegeversicherungen Leistungen in Rechnung gestellt haben, die sie gar nicht erbracht haben. Beteiligt waren dabei allerdings nicht nur die Dienste und ggf. Ärzte, die die Leistungen verschrieben haben, sondern vielfach auch die (angeblich) Gepflegten selbst. Denn diese haben Leistungen quittiert, die sie gar nicht erhalten haben – und dafür von den Pflegediensten eine mehr oder weniger saftige Provision erhalten. Schwarzgeld also. mehr

  • Zusätzlich 80.000 Menschen erhalten Pflegeleistungen

    [] Dank der am 1.1.2017 in Kraft getretenen Pflegereform sind mehr Pflegeleistungen bewilligt worden als nach dem früheren Begutachtungsverfahren. Davon profitieren bislang rund 80.000 Menschen, die sonst leer ausgegangen wären. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.