Bei eingeschränkter Alltagskompetenz mehr Pflegegeld

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Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) hat erstmals umfassendes Datenmaterial zu seinen Untersuchungsergebnissen von eingeschränkter Alltagskompetenz bei Pflegebedürftigen vorgelegt. In der Regel handelt es sich dabei um Personen mit beginnender oder fortgeschrittener Demenz (etwa Alzheimer-Kranke). Nach den MdK-Daten haben beispielsweise 28 % der Pflegebedürftigen mit Pflegestufe I zusätzlich eine Einschränkung der Alltagskompetenz. Wichtig für die Betroffenen und ihre Angehörigen: Es bleibt nicht bei der Feststellung der eingeschränkten Alltagskompetenz, die Betroffenen haben vielmehr Anspruch auf höhere Leistungen.

Nach der MdK-Erhebung ist der Anteil von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Eine dramatische Höhe hat der Anteil der Demenzkranken in Pflegeheimen erreicht. So sind in Pflegestufe III inzwischen 85,9 % der vom MdK Untersuchten demenzkrank, bei Stufe II sind es 67 % und bei Stufe I 47,3 %. Im ambulanten Bereich sieht es anders aus. Hier ergaben die Gutachten des MdK bei Personen mit Pflegestufe I einen Anteil von Demenzkranken von 28 %, in Stufe II waren es 40,2 %, in Stufe III 58,5 %.

Die Einstufung als demenzkrank hat im Bereich der Pflegeheime für die Betroffenen keine direkte Bedeutung. Die Leistungen, die Pflegebedürftige erhalten, erhöhen sich nämlich im stationären Bereich durch diese Diagnose nicht. Dies ist im ambulanten Bereich anders – mit der Ausnahme von Pflegestufe III.

Ambulante Pflege: Anspruch auf Zusatzleistungen

Möglicherweise erhält Ihr Angehöriger bislang Leistungen der Pflegestufe I oder II. Bislang war er nur im klassischen Sinn pflegebedürftig – er benötigte also körperliche Pflege. Nun entwickelt er jedoch zunehmend noch Einschränkungen der Alltagskompetenz. Er gefährdet sich und andere beispielsweise, indem er den Herd oder das Badewasser nicht mehr abstellt. In diesem Fall haben in ihren eigenen vier Wänden lebende Betroffene neben den normalen Leistungen der Pflegeversicherung Anspruch auf Zusatzleistungen. Diese müssen jedoch beantragt werden – sonst haben Pflegebedürftige und ihre Angehörigen das Nachsehen. Einem zu Hause lebenden Alzheimer-Kranken mit Pflegestufe I steht beispielsweise ein monatliches Pflegegeld von 305,00 € zu (statt 235,00 € ohne Demenz). Wahlweise kann er auch bis zum Wert von 665,00 € die Leistungen eines Pflegedienstes beanspruchen (ohne Demenz: 450,00 €).

Demenzkranke Pflegebedürftige in Pflegestufe II erhalten ein Pflegegeld von 525,00 € (85,00 € mehr) und Pflegesachleistungen von 1.250,00 € (150,00 € mehr). Zudem stehen den Betroffenen unter anderem Betreuungsleistungen etwa durch eine Tagespflege zu.

Für Pflegebedürftige, bei denen sich eine Demenz entwickelt, sollten Angehörige umgehend eine neue Begutachtung durch den Medizinischen Dienst sowie Leistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz beantragen.

Was gilt für Pflegestufe Null?

Weiterhin ergab die MdK-Untersuchung, dass immerhin bei jedem Sechsten, der nach dem Gutachten des MdK nicht im klassischen Sinne pflegebedürftig war, eine Einschränkung der Alltagskompetenz festzustellen war, sprich: in der Regel eine beginnende Demenz. Hier spricht man von Pflegestufe Null.

Für die Betroffenen gibt es seit Anfang 2013 erstmals Leistungen der Pflegeversicherung. Sie haben nun Anspruch auf ein monatliches Pflegegeld von 120,00 € oder auf Leistungen durch einen ambulanten Dienst (Pflegesachleistungen) im Wert von 225,00 € pro Monat. Neu ist zudem: Auch bei Pflegestufe Null kann die Pflegeversicherung jetzt eine Wohnungsanpassung – etwa den Einbau einer Sicherungstür zur Gefährdungsvermeidung bei Desorientierten – finanzieren. Dafür gibt es bis zu 2.557,00 € Zuschuss.

Achtung: Auch bei Pflegestufe Null muss ein Minimum an körperlicher Pflegebedürftigkeit, z.B. Hilfe beim Waschen, erforderlich sein. Im Zweifelsfall reicht dabei jedoch – so der MdK – eine Minute pro Tag.

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