Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten gestiegen

Gesetzlich Krankenversicherte werden nicht nur durch ihre monatlichen (Zusatz-)Beiträge, sondern auch durch Zuzahlungen an den Kassenleistungen beteiligt.

Bundesweit fielen 2015 immerhin 3,8 Mrd. Euro an Zuzahlungen an. Das waren 200 Mio. Euro mehr als im Vorjahr (siehe Tabelle). Einen deutlichen Rückgang der Zuzahlungen hatte es zuletzt 2013 gegeben, nachdem die Praxisgebühr abgeschafft worden war.

Zuzahlungen von GKV-Versicherten:

2015

3,8 Mrd. Euro

2014

3,6 Mrd. Euro

2013

3,6 Mrd. Euro

2012

5,5 Mrd. Euro

(Bundesministerium für Gesundheit: Gesetzliche Krankenversicherung, Rechnungsergebnisse 2012 – 2015)

Bei der Inanspruchnahme verschiedener medizinischer Leistungen müssen gesetzlich Krankenversicherte entweder einen prozentualen Preisanteil oder einen festen Euro-Betrag zusätzlich entrichten. Die Eigenbeteiligungen betreffen mittlerweile fast alle medizinischen Leistungsbereiche. Am meisten müssen die Versicherten in der Apotheke in die eigene Geldbörse greifen: 56 % aller Zuzahlungen betreffen Arznei- und Verbandmittel. Es folgen mit knapp 20 % die Behandlungen im Krankenhaus und mit rund 19 % die Heil- und Hilfsmittel (inklusive der Behandlungen durch sonstige Heilberufe).

Versicherte müssen sich allerdings nur bis zu einer einkommensabhängigen Belastungsgrenze an den krankheitsbedingten Kosten beteiligen. Die Grenze für Zuzahlungen liegt in der Regel bei 2 % der Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt, für chronisch Kranke bei 1 %. Das bedeutet: Ein Alleinstehender, der im Jahr 30.000,00 € brutto verdient und keine weiteren Einkünfte hat, wird schlimmstenfalls mit 600,00 € an Zuzahlungen belastet.

Gesetzlich Krankenversicherte sollten alle Belege über Zuzahlungen sammeln. Ärzte, Apotheken und Therapeuten müssen ihnen personenbezogene Zuzahlungsbelege über geleistete Zuzahlungen ausstellen. Übersteigen die Zuzahlungen die Belastungsgrenze, so können sie sich im folgenden Jahr den überschießenden Betrag erstatten lassen. Wer vorab – wie viele chronisch Kranke – weiß, dass bei ihm in erheblichem Maße Zuzahlungen anfallen, kann sich von seiner Krankenkasse auch seine persönliche Zuzahlungsgrenze ausrechnen lassen und diesen Betrag vorab zahlen. Die Kasse stellt dann einen Bescheid über die Befreiung von Zuzahlungen aus. So kann man sich künftig das Sammeln von Belegen sparen.

Das Berechnungsverfahren

Bei der Berechnung der zumutbaren Zuzahlungshöhe werden zunächst die gesamten Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt bestimmt. Dabei zählen etwa Arbeitseinkommen, Rente, Pension und Miet- und Zinseinnahmen. Einige Einkommensarten werden jedoch nicht berücksichtigt. Dazu gehören das Wohngeld, Blindengeld und die Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz.

Für Rentner zählt nicht der monatliche Überweisungsbetrag, sondern die Brutto-Rente. Das ist die Rente vor dem Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Bei Ehepaaren und Partnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz werden die Einkünfte addiert und Freibeträge eingeräumt – soweit weitere Haushaltsangehörige mit dem Versicherten zusammenleben. Der Freibetrag beträgt für den ersten weiteren im gemeinsamen Haushalt lebenden erwachsenen Angehörigen 15 % der jährlichen Bezugsgröße (West) nach § 18 SGB IV. Das sind für 2016 genau 5.229,00 €.

Dieser Freibetrag wird zum Beispiel bei Ehepaaren dem Ehepartner des Versicherten gewährt. Bei einem Rentnerehepaar, das zusammen im Jahr 20.000,00 € Rente brutto erhält, beträgt somit das für die Berechnung der Zuzahlung anrechenbare Einkommen (20.000,00 € ./. 5.229,00 € =) 14.771,00 €. Als jährliche Zuzahlung sind maximal 2 % hiervon, also 295,00 € zumutbar.

Für Kinder gibt es derzeit einen jährlichen Freibetrag von 7.248,00 €. Das bedeutet beispielsweise: Für eine alleinstehende Mutter mit einem Kind, die über ein jährliches Bruttoeinkommen in Höhe von 20.000,00 € verfügt, wird für die Berechnung der zumutbaren Zuzahlung ein Einkommen von (20.000,00 € ./. 7.248,00 € =) 12.752,00 € zugrunde gelegt. Die zumutbare Belastung beträgt in diesem Fall jährlich 255,00 €, bei chronisch Kranken jeweils die Hälfte.

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