Wo Krankenversicherte der Schuh drückt

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Seit nunmehr acht Jahren berät die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) als gemeinnützige GmbH im Auftrag des Gesetzgebers neutral und kostenlos in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen. Der aktuelle Jahresbericht offenbart, dass die häufigsten Fragen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und zu den Patientenrechten gestellt wurden.

Jedes Jahr veröffentlicht die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), eine neutrale Beratungsstelle für Patienten und Angehörige, einen Jahresbericht, der zeigt, in welchen Bereichen des Gesundheitssystems die Bürger die meisten Fragen und Probleme haben. Für den aktuellen Bericht der UPD wurden von April 2013 bis März 2014 80.000 Beratungsgespräche ausgewertet.

Bei rund 67.400 Anfragen, das waren circa 84 Prozent aller Beratungsgespräche, drehte es sich unter anderem um rechtliche Belange. 21,5 Prozent aller Beratungen, also knapp 17.200 Anfragen, hatten einen psychosozialen Schwerpunkt, unter anderem Fragen zum Umgang mit Krankheit, Behinderung und/oder Pflegebedürftigkeit. Fast jeder Fünfte beziehungsweise mehr als 14.700 Bürger wollten sich über medizinische Themen informieren.

Am häufigsten wurden Fragen zum Leistungsanspruch gestellt

Den meisten Beratungsbedarf mit mehr als 27.700 Beratungsgesprächen gab es zu den (möglichen) Leistungsansprüchen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen oder anderen Kostenträgern des Gesundheitswesens. Dieser Themenbereich hatte mit einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zudem auch den größten Zuwachs an Anfragen bei allen Beratungsgebieten der UPD.

Jeder Vierte, der zu diesem Thema den UPD kontaktierte, wollte eine Beratung, ob und/oder in welcher Höhe ihm ein Krankengeld zusteht. Mehr als jeder Zehnte informierte sich über den Leistungsanspruch bei einer stationären medizinischen Rehabilitation (Reha) und was beispielsweise zu tun ist, wenn der Kostenträger, wie die gesetzliche Renten- oder Krankenversicherung, eine Reha-Maßnahme ablehnt.

Zwischen 1.700 und 1.800 Kontakte, das waren jeweils mehr als sechs Prozent der Anfragen im Leistungsbereich, bezogen sich auf (mögliche) Leistungsansprüche bei ambulanten zahnärztlichen und ärztlichen Behandlungen, zur pflegerischen Versorgung und zu Hilfsmitteln.

Patientenrechte - für viele ein Buch mit sieben Siegeln

Der zweite große Themenschwerpunkt bei der Beratung waren die Patientenrechte sowie die Berufspflichten und Verhaltensnormen von Ärzten und Therapeuten. Mehr als 14.600 Beratungsgespräche wurden hierzu geführt. Das war im Vergleich zum letzten Jahresbericht ein Plus von 4,2 Prozent. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Fragen, ob man seine Krankenakte einsehen darf, wann man eine zweite Meinung einholen kann und welche Aufklärungspflicht der Arzt vor einer Behandlung hat.

Auf Platz drei der Schwerpunktthemen waren mit über 10.800 Kontakten, Anfragen zur Krankheits- und Lebensbewältigung. Nur etwas weniger, nämlich 10.400 Bürger, hatten Fragen zu Geldforderungen und Zuzahlungen verschiedener Stellen im Gesundheitswesen. In diesem Themengebiet hatten 36,2 Prozent Fragen zur Beitragshöhe, 16,5 Prozent zur formalen und inhaltlichen Richtigkeit von Rechnungen und 13,9 Prozent Fragen zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen). 14,7 Prozent informierten sich über Mehrkosten-Vereinbarungen, Abweichungen und andere Details eines Heil- und Kostenplans in der zahnmedizinischen Versorgung.

Behandlungsfehler sind der häufigste Beschwerdegrund

Einen hohen Stellenwert bei den Beratungsgesprächen hatten auch die Patientenbeschwerden. Insgesamt haben Bürger in 13.200 Kontakten anklingen lassen, dass sie sich beschweren möchten.

Alleine rund 7.100 Anfragen thematisierten Behandlungsfehler. Die meisten Beschwerden standen dabei im Zusammenhang mit einer Krankenhausbehandlung, gefolgt von Behandlungen durch niedergelassene Ärzte und Zahnärzte.

Nach Angaben der UPD zeigten die Gespräche, dass immer noch große Vorbehalte und Berührungsängste aufseiten der Patienten gegenüber den Ärztekammern und Krankenkassen bestehen. Zudem halte immer noch das finanzielle Risiko eines Rechtsstreits sowie die psychische Belastung, die mit der Dauer gerichtlicher Verfahren einhergeht, Betroffene davon ab, tatsächlich ihre Rechte einzufordern.

Ein Gesetz stärkt die Rechte des Patienten

Prinzipiell sollten Krankenversicherte wissen, dass nach dem Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patienten, das seit Februar 2013 unter anderem in den Paragrafen 630a bis 630h BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) verankert ist, Folgendes gilt: Krankenkassen müssen innerhalb von maximal drei Wochen über einen Antrag auf Leistungen, zum Beispiel auf Hilfsmittel wie ein Hörgerät oder einen Rollstuhl, entscheiden und dies dem Versicherten mitteilen.

Ärzte müssen ihre Patienten über Risiken, Kosten und Alternativen einer geplanten Behandlung beraten. Ein medizinischer Eingriff muss prinzipiell vom Patienten genehmigt werden, kann von ihm aber auch jederzeit und ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Zudem müssen Ärzte eine Patientenakte mit allen Fakten und Daten einer Behandlung führen. Der Patient kann jederzeit Akteneinsicht und auch eine Abschrift verlangen, wenn er die Kosten für das Anfertigen der Kopien und Ausdrucke trägt.

Bei einem normalen Behandlungsfehler muss der Patient dem Arzt ein Verschulden nachweisen. Liegt jedoch ein grober Behandlungsfehler des Arztes vor, muss dieser nachweisen, dass ihn keine Schuld trifft. Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Versicherten bei der Durchsetzung von Ansprüchen aus Behandlungsfehlern zu unterstützen. Übrigens, auch eine private Rechtsschutz-Versicherung kann im Streitfall gegen einen Arzt oder die Sozialversicherung hilfreich sein, da sie nach einer Leistungszusage unter anderem mögliche Anwalts- und Prozesskosten übernimmt.

Hintergrundwissen und persönliche Hilfe

Informationen zu den geltenden Patientenrechten bietet unter anderem die 43-seitige Broschüre "Informiert und selbstbestimmt - Ratgeber für Patientenrechte". Sie kann kostenlos beim Bundesministerium für Gesundheit heruntergeladen oder unter der Telefonnummer 030 182722721 als Printversion bei der Bundesregierung angefordert werden.

Umfangreiche Informationen und Hilfen zu den Patientenrechten, aber auch zu allen anderen Themen des Gesundheitswesens bietet die UPD. Sie stellt dazu deutschlandweit 21 Beratungsstellen, eine bundesweit kostenfreie Beratungshotline in drei Sprachen (0800 0117722 (Deutsch), 0800 0117723 (Türkisch) und 0800 0117724 (Russisch)) sowie die Möglichkeit, Online-Anfragen an Berater zu stellen, zur Verfügung. Die Beratung ist generell kostenfrei und unterliegt laut UPD strengen Qualitätskriterien.

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