Wo Ärzte die meisten Behandlungsfehler machen

 - 

(verpd) Der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenversicherung (MDK) hat jüngst eine Statistik über Behandlungsfehler im Jahr 2011 vorgelegt. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern, an die sich privat Krankenversicherte wenden können, verzeichnen ebenfalls einen Beschwerdeeingang im fünfstelligen Bereich. Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höher sein.

Der leitende Arzt und stellvertretende Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands (MDS), Dr. Stefan Gronemeyer, nahm vor Kurzem Stellung zum Thema medizinische Behandlungsfehler im Jahr 2011. Er erklärte, dass im vergangenen Jahr die Gutachter der 15 regionalen Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) 12.686 Beschwerdefälle von gesetzlich Krankenversicherten wegen des Verdachts auf Behandlungsfehler zu bearbeiten gehabt haben. Bei knapp jeder dritten Beschwerde, also in 4.068 Fällen, habe sich der Verdacht bestätigt.

Laut der Statistischen Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für das Statistikjahr 2011 gingen dort im vergangenen Jahr 11.107 Anträge ein. Von 7.452 getroffenen Sachentscheidungen seien 2.287 (30,7 Prozent) als Behandlungsfehler identifiziert worden. Auch Gronemeyer räumte ein, dass es eine hohe Dunkelziffer gebe. Von daher wollte er auch keine Relationen zur Zahl der bei der GKV abgerechneten Arztbehandlungen oder Krankenhausfälle nennen.

Viele Behandlungsfehler bei Pflege, Zahnmedizin und Geburtshilfe

Zwei Drittel aller Vorwürfe richten sich gegen Krankenhäuser und rund ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte und Zahnärzte, wie Professor Dr. Astrid Zobel, leitende Ärztin Sozialmedizin des MDK Bayern, erläuterte. Die meisten Behandlungsvorwürfe würden sich auf chirurgische Eingriffe beziehen. Von den rund 8.500 Eingaben gegen Krankenhäuser wurden 30 Prozent (2.250 Fälle) als Behandlungsfehler identifiziert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr in Krankenhäusern 18,3 Millionen Patienten behandelt.

Die meisten Vorwürfe im ambulanten Bereich betrafen Zahnmediziner (936 Fälle), wobei hier in 46,3 Prozent Behandlungsfehler festgestellt wurden. Auffällig hohe Bestätigungsquoten gab es insgesamt mit 50,6 Prozent im Bereich der Pflege, mit 42,8 Prozent im Bereich der Zahnmedizin und mit 33,6 Prozent in der Gynäkologie/Geburtshilfe, wie Zobel erläuterte.

Kassen soll künftig zur Unterstützung verpflichtet sein

Das von der Bundesregierung geplante Patientenrechtegesetz sieht unter anderem vor, dass der Anspruch des Versicherten auf Unterstützung durch seine Krankenkasse festgeschrieben wird. Aus der heute geltenden Ermessensentscheidung wird dann eine Pflichtleistung, erläuterte Gronemeyer und erklärt weiter: „Unser Ziel als Medizinischer Dienst ist es, die Geschädigten interessenneutral zu unterstützen und ein Mehr an Patientensicherheit durch das Lernen aus Fehlern zu erreichen.“ Kosten für ein Gutachten des MDK entstehen dem GKV-Versicherten nicht.

Kommt es zu einer Schadenersatzklage vor Gericht, dann haben Geschädigte mit einem positiven MDK-Gutachten in vier von fünf Fällen auch Erfolg. Auch der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) empfiehlt seinen Versicherten, sich im Fall des Verdachts auf Falschbehandlung zunächst an den eigenen Versicherer zu wenden.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.