Wie deutsche Senioren das Gesundheitssystem bewerten

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(verpd) Im Vergleich von elf Staaten gesehen, müssen die deutschen Senioren besonders häufig über Nacht ins Krankenhaus. Außerdem haben sie mehr Arztkontakte.

Einer Studie der US-amerikanische Stiftung Commonwealth Fund zufolge liegt ein Grund für die gemessenen Unterschiede in den nationalen Gesundheitssystemen. So müssten Senioren in anderen Ländern höhere Zuzahlungen für die ärztliche Versorgung leisten. Im Notfall ist in Deutschland jedoch leichter ein Notdienst zu erreichen.

Deutsche Rentner sind im internationalen Vergleich häufiger im Krankenhaus und haben mehr Kontakt zu unterschiedlichen Ärzten. Mit deren Betreuung sind sie aber überdurchschnittlich zufrieden, wie eine Studie ergab. Die US-amerikanische Stiftung The Commonwealth Fund hatte 15.617 Bürger, die über 65 Jahre alt waren, aus elf Staaten befragt – neben Deutschland auch aus den USA, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, der Schweiz, Schweden, Norwegen und Australien.

Für die Studie wurden die Senioren zu ihrem Zugang zum Gesundheitssystem, chronischen Krankheiten und ihrem Verhältnis zu Ärzten befragt. Alle elf Länder sehen sich den Studienautoren zufolge einer alternden Bevölkerung gegenüber. Die Staaten müssten ihre Gesundheitssysteme anpassen, um die Gesundheitsvorsorge für die Senioren besser zu koordinieren und besonders gebrechlichen älteren Menschen ein gutes Umfeld zu bieten.

US-Amerikaner sind besonders oft chronisch krank

Die Mehrheit der Befragten hatte mindestens eine chronische Krankheit. Die US-Amerikaner zeigten sich in der Studie kranker als ihre Altersgenossen in den anderen Ländern. Von ihnen hatten 87 Prozent mindestens ein chronisches Leiden, in Deutschland waren es 81 Prozent. Die wenigsten Chroniker fanden die Forscher in Neuseeland (63 Prozent).

49 Prozent der befragten Deutschen gaben an, mindestens zwei oder mehr chronische Krankheiten zu haben. In Australien waren es 54 Prozent. Von den befragten US-Amerikanern erhielten im Krankheitsfall 57 Prozent am selben oder nächsten Tag einen Arzttermin. In Frankreich und Neuseeland liegt der Anteil bei 83 Prozent. (Bild: Commonwealth Fund)

Viele der befragten Senioren nehmen vier oder mehr Medikamente gleichzeitig, in den USA mehr als die Hälfte (53 Prozent), in acht weiteren Ländern mehr als 40 Prozent. Nur in Frankreich und in der Schweiz waren es mit je 29 Prozent weniger Befragte, die mindestens vier Medikamente einnehmen müssen.

Deutsche Senioren müssen besonders oft ins Krankenhaus

Neben ihren eigenen Leiden müssen sich viele Senioren auch noch um andere kümmern. In Deutschland, Norwegen, Australien, Schweden und den USA sorgen jeweils mindestens 20 Prozent der von chronischen Krankheiten Betroffenen mindestens einmal in der Woche noch für eine andere chronisch erkrankte, behinderte oder alte Person, meist ein Familienmitglied. Dies betreffe vor allem Frauen, berichten die Autoren.

Die deutschen Senioren sind der Umfrage zufolge besonders oft im Krankenhaus. 36 Prozent der Befragten waren in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal über Nacht in einer Klinik, gefolgt von den Norwegern (35 Prozent). Am seltensten mussten die Engländer (18 Prozent) und Franzosen (17 Prozent) ins Krankenhaus.

Auch bei den Kontakten mit verschiedenen Ärzten sind die über 65-jährigen Deutschen Spitzenreiter. 39 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr vier oder mehr Ärzte gesehen. Weit dahinter liegen die US-Amerikaner mit 25 Prozent. Am Ende der Liste stehen die Schweizer (acht Prozent) und die Franzosen (sechs Prozent).

Einfluss der Gesundheitssysteme

Dass die Deutschen öfter im Krankenhaus sind und mehr Ärzte kontaktieren als die Amerikaner, sehen die Forscher auch als Folge der Gesundheitssysteme.

Obwohl die US-Senioren dank der staatlichen Krankenversicherung Medicare hohe Zuschüsse für die Gesundheitsversorgung erhalten, gaben 19 Prozent von ihnen an, dass die Finanzen eine hohe Hemmschwelle bedeuten.

Ein Fünftel der Amerikaner berichtete, im vergangenen Jahr bei medizinischen Problemen keinen Arzt aufgesucht oder eine ärztliche Behandlungsempfehlung nicht befolgt zu haben. 21 Prozent gaben an, rund 2.000 € aus eigener Tasche bezahlt zu haben. In Deutschland waren es nur sieben Prozent.

Langes Warten auf Facharzttermine

Auch bei der Vergabe von Arztterminen gibt es eine große Schere: Während in Frankreich, Neuseeland (83 Prozent) und Deutschland (81 Prozent) die meisten Befragten bei akuten Problemen am gleichen oder spätestens nächsten Tag einen Arzttermin bekamen, mussten die Kanadier, Schweden und US-Bürger in der Regel länger warten und entsprechend öfter die Notaufnahme in Anspruch nehmen.

Die Autoren heben in diesem Zusammenhang das System der deutschen hausärztlichen Notdienste hervor, das es für die Senioren leicht mache, auch abends und nachts ärztliche Hilfe zu bekommen. Ähnliche Systeme gibt es demnach in den Niederlanden, Großbritannien und Neuseeland.

Bei den Spezialisten-Terminen sieht es dagegen anders aus: Hier bekamen 86 Prozent der Amerikaner und 82 Prozent der Schweizer innerhalb von vier Wochen einen Termin, während es in Deutschland nur 61 Prozent waren. Schlusslicht sind die Kanadier und Norweger, von denen nur 46 Prozent binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt erhielten.

Ärzte nehmen sich Zeit für Patienten

Unterm Strich sind die Deutschen aber hochzufrieden mit ihren Ärzten: 92 Prozent sagen, ihr Arzt widme ihnen genügend Zeit. 82 Prozent sagen, ihr Arzt ermutige sie, Fragen zu stellen. Auch wenn jedes Gesundheitssystem unterschiedlich aufgebaut sei und jedes seine Stärken habe, gebe es in allen untersuchten Ländern Verbesserungsbedarf, erklären die Autoren. Keines biete durchweg eine koordinierte, erreichbare und patientenzentrierte Versorgung für Senioren.

Übrigens: Wer als gesetzlich Krankenversicherter bereits im Erwerbsleben eine private Krankenzusatz-Versicherung abschließt, profitiert doppelt. Zum einen gilt in der Regel: Je jünger der Versicherte bei Abschluss des Vertrages ist, desto niedriger sind auch seine zu zahlenden Prämien. Zum anderen erhält man im Falle des Falles die besseren Leistungen und den Komfort einer privaten Krankenversicherung. Angeboten werden solche Policen für den stationären und den ambulanten Bereich sowie für Behandlungen beim Zahnarzt als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Eine private Krankenzusatz-Police bietet je nach Vertragsvereinbarung zum Beispiel eine freie Wahl zwischen Heilpraktiker oder Ärzten mit oder ohne Kassenzulassung oder eine Krankenhaus-Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Je Leistungsvereinbarung ist auch die Übernahme von Mehrkosten für Medikamente, Behandlungen und Hilfsmittel wie Brillen oder Hörgeräte, welche die gesetzliche Krankenkasse teilweise oder gar nicht zahlt, möglich.

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