Wer Stöckelschuhe trägt, muss besonders vorsichtig sein

 - 

(verpd) Bleibt eine Theaterbesucherin mit den Absätzen ihrer Stöckelschuhe in einer Schmutzfangmatte im Eingangsbereich hängen und kommt deswegen zu Fall, so hat sie keinen Anspruch auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Das gilt zumindest dann, wenn die Matte deutlich zu erkennen war und bei vorsichtigem Gehen auch mit hochhackigen Schuhen gefahrlos hätte überquert werden können. Das hat das Oberlandesgericht Hamm vor Kurzem in einem Urteil entschieden (Az. 11 U 127 / 15).

Eine Frau wollte mit ihrem Ehemann einen Theaterabend genießen. Dem Anlass entsprechend hatte sie sich in Schale geworfen. Zu ihrer Kleidung gehörten unter anderem Stöckelschuhe mit 4,5 Zentimeter hohen, kleinflächigen Absätzen. Als die Frau am Ende der Vorstellungspause, die sie außerhalb des Theaters verbracht hatte, in das Haus zurückkehrte, blieb sie mit einem der Absätze in den Löchern einer im Eingangsbereich befindlichen Schmutzfangmatte hängen.

Bei dem dadurch ausgelösten Sturz zog sie sich einen Bruch des Mittelfußes zu, mit der Folge, dass sie mehrere Monate arbeits- und sportunfähig war. Daraufhin verklagte die Frau den Betreiber des Theaters auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld. Ihr Argument: Der Betreiber habe seine Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt, weil er damit habe rechnen müssen, dass Theaterbesucherinnen Stöckelschuhe tragen und die Schmutzmatte für diese eine besondere Gefahr darstelle. Die Klage blieb für die Verunfallte jedoch ohne Erfolg.

Beherrschbares Risiko

Sowohl das in der ersten Instanz mit dem Fall befasste Landgericht Essen als auch das von der Klägerin in Berufung angerufene Hammer Oberlandesgericht hielten die Klage für unbegründet. Nach Überzeugung des Gerichts ging von der im Eingangsbereich befindlichen Schmutzmatte keine besondere Gefahr aus. Denn nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei die Matte bei ausreichender Aufmerksamkeit deutlich zu erkennen und auch für Besucherinnen mit Stöckelschuhen zu bewältigen gewesen.

Matten der verwandten Machart lägen häufig in Eingangsbereichen von öffentlichen Gebäuden mit Publikumsverkehr, um Besucher vor Stürzen durch Nässe und Verschmutzungen zu schützen. Das habe auch die Klägerin wissen müssen, so das Gericht. Nach Ansicht der Richter war die Gefahrenquelle für die Klägerin auch beherrschbar.

Von Stöckelschuhträgerinnen wird eine erhöhte Aufmerksamkeit verlangt

Dabei sei zu berücksichtigen, dass die von kleinflächigen Absätzen von Stöckelschuhen ausgehende, allgemeine Gefahrerhöhung (namentlich die Gefahr des Steckenbleibens in Löchern, Fugen oder sonstigen schmalen Öffnungen des Untergrundes) die Schuhträgerinnen zu erhöhter Aufmerksamkeit und entsprechend angepasstem Verhalten verpflichte.

Dem hätte die Klägerin durch eine vorsichtige Gehweise Rechnung tragen können und müssen. Sie habe sich ihre Verletzung daher selbst zuzuschreiben.

Finanzielle Auswirkungen absichern

Wie der Fall zeigt, haftet nicht immer ein anderer für einen erlittenen Unfallschaden. Damit zumindest die finanziellen Folgen, die sich aus einer unfallbedingten längeren Arbeitsunfähigkeit oder dauerhaften Erwerbsunfähigkeit ergeben können, abgedeckt sind, ist es für jeden Einzelnen sinnvoll, sich privat zu versichern. Denn in vielen Fällen reicht die gesetzliche Absicherung durch die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung nicht aus, um beispielsweise die dadurch verursachten Einkommenseinbußen auszugleichen.

Zudem können auch Zusatzkosten, die die gesetzlichen Sozialversicherungen gar nicht oder nur zum kleinen Teil übernehmen, entstehen, beispielsweise wenn aufgrund eines Unfalles eine dauerhafte Invalidität besteht und ein behindertengerechter Wohnungsumbau notwendig ist. Die Versicherungswirtschaft bietet hierzu diverse Lösungen wie eine private Unfall-, eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits- sowie eine Krankentagegeld-Versicherung an.

Weitere News zum Thema

  • Krankenkassen haben Milliardenüberschuss

    [] Nach den ersten drei Quartalen 2017 konnten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro ausweisen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung: Geringe Beitragsentlastung

    [] Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit wird der vom Arbeitnehmer alleine zu tragende Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Durchschnitt sinken. Allerdings werden Gutverdiener aufgrund der Erhöhung bestimmter Sozialversicherungs-Werte dennoch mehr zahlen müssen als bisher. Zudem wird der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung schwerer. mehr

  • Neues für Selbstständige mit geringem Einkommen

    [] Wie das Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jüngst mitteilte, gibt es ab 2018 eine Änderung bei der Festlegung der Beiträge für Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind. Zudem steigt der Mindestbeitrag. Experten warnen bereits seit Längerem vor einer Überforderung von gering verdienenden Selbstständigen durch überhöhte Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). mehr

  • Gefährliches Spielzeug und riskante sonstige Produkte

    [] Nicht jedes Spielzeug oder Kinderzimmer-Möbelstück ist auch wirklich für Kinder geeignet. Ein Webportal zeigt, worauf man bei den einzelnen Produktarten achten sollte, um das Unfallrisiko minimal zu halten und die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, aber auch, welche einzelnen Produkte bereits als gefährlich eingestuft wurden. mehr

  • Damit PC und Smartphone nicht zu Augenleiden führen

    [] Viele, die fast jeden Tag stundenlang auf einen Monitor blicken, egal ob es sich dabei um einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display handelt, leiden irgendwann unter gereizten, geröteten, lichtempfindlichen und/oder juckenden Augen. Bei manchen verschlechtert sich sogar die Sehstärke. Wie sich solche Beschwerden verhindern lassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.