Wer die Entsorgungskosten nach einem Wildunfall trägt

 - 

Kommt es zu einer Kollision zwischen einem Kfz und einem Wildtier, sind der Kfz-Fahrer und auch die Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel nicht dazu verpflichtet, die Kosten für die Entsorgung des Wildes beziehungsweise der Reinigung des Straßenraums zu übernehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Hannover in einem Gerichtsurteil entschieden (Az. 7 A 5245/16).

Ein Autofahrer war mit seinem Pkw in einen Wildunfall verwickelt worden. Er meldete den Unfall der Polizei, die ihrerseits den Jagdpächter benachrichtigte. Dieser holte das am Straßenrand liegende verendete Tier ab. Die ihm durch die Bergung und die Beseitigung des toten Tieres entstandenen Kosten machte der Jagdpächter gegenüber der Straßenverwaltung geltend.

Die Behörde forderte das Geld wiederum vom Autofahrer zurück. Die Begründung: Der Körper eines toten Tieres stelle eine Verunreinigung des Straßenraums dar, für deren Beseitigung der jeweilige Fahrzeugführer zuständig sei.

Dieser weigerte sich jedoch zu zahlen. Der Fall landete daher vor Gericht. Dort erlitt die Straßenverwaltung eine Niederlage.

Sache des Jagdrechts

Nach Ansicht des Gerichts war der Autofahrer zu keiner unverzüglichen Beseitigung des toten Tieres verpflichtet – im Gegenteil, ein verendetes Wild sei eine Sache des Jagdrechts. Daher sei der zuständige Jagdausübungs-Berechtigte dazu ermächtigt, es sich gemäß Paragraf 1 Absatz 5 BJagdG (Bundesjagdgesetz) anzueignen.

In dem entschiedenen Fall habe der Jagdpächter dieses Recht wahrgenommen, indem er am Unfallort erschien und das tote Tier mitgenommen habe. Für den Fahrer des in den Wildunfall verwickelten Fahrzeugs sei folglich nicht ersichtlich gewesen, dass der Jagdpächter im Nachhinein auf sein Aneignungsrecht verzichten würde. Er habe vielmehr vom Gegenteil ausgehen dürfen und nicht damit rechnen müssen, dass von ihm eine Straßenreinigung erwartet würde.

Keine Zahlungspflicht

Im Übrigen werde von den Zivilgerichten ganz überwiegend ein unmittelbarer Kostenerstattungs-Anspruch des Jagdausübungs-Berechtigten für eigene Aufwendungen im Zusammenhang mit der Bergung und Entsorgung von Unfallwild gegen den Kraftfahrer und dessen Kfz-Haftpflichtversicherer verneint.

Ein derartiger Anspruch kann nach Auffassung des Verwaltungsgerichts folglich auch nicht über den Umweg der Geltendmachung durch die Straßenverwaltung gegen den Fahrzeugführer durchgesetzt werden.

Hinweis: Wer einen Wildunfall erleidet, bekommt den Schaden am eigenen Pkw durch eine bestehende Teilkasko-Versicherung erstattet. Ist ein Auto vollkaskoversichert, ist automatisch der Teilkasko-Schutz miteingeschlossen.

Weitere News zum Thema

  • Einkommenseinbußen im Krankheitsfall verhindern

    [] Zwar erhält ein Arbeitnehmer, der gesetzlich krankenversichert ist, im Krankheitsfall nach der sechswöchigen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber ein Krankengeld von derjenigen Krankenkasse, bei der er Mitglied ist. Doch die Höhe des Krankengelds und die Dauer des Krankengeldbezugs sind begrenzt. mehr

  • Weniger Krankenkassen, aber mehr Mitglieder

    [] In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist die Mitgliederzahl in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um fast 670.000 Personen auf annähernd 56,25 Millionen Mitglieder gestiegen. Das ist bisher der höchste Stand. Das zeigt die neueste Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). mehr

  • Warum Frauen im Durchschnitt länger leben als Männer

    [] Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) gibt es diverse Faktoren, warum Frauen im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Grundlage der Analyse sind diverse Studien und Statistiken. Doch die geschlechterspezifischen Unterschiede werden seit rund 60 Jahren stetig kleiner und auch dafür gibt es Gründe. mehr

  • Mehr als jeder dritte Krankenhauspatient wurde operiert

    [] Rund 16,7 Millionen Operationen wurden in 2016 in deutschen Krankenhäusern durchgeführt, so viele wie noch nie. Dabei ist jedoch der Anteil der Patienten, die sich einer Operation unterziehen mussten, im Vergleich zu allen stationär behandelten Patienten gleich geblieben. Gestiegen ist allerdings die Anzahl der stationär behandelten Krankenhauspatienten. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.