Wer Arztbesuch verpasst, setzt Krankengeld aufs Spiel

 - 

Eine verspätete Krankmeldung kann den Versicherungsschutz kosten.

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Dass dieser Grundsatz auch für die Krankenversicherung gilt, bestätigte das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg am 16.10.2008. Eine um einen Tag verspätete Krankmeldung kann danach die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung – und vor allem den Krankengeldanspruch gefährden (Az. L 11 KR 4447/08 ER-B).

Das Urteil betrifft vor allem Arbeitnehmer, die (ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben) aus dem Beschäftigungsverhältnis ausscheiden und zu diesem Zeitpunkt bereits arbeitsunfähig sind und Krankengeld beziehen. In solchen Fällen ist die Mitgliedschaft in der Krankenversicherung in § 192 SGB V geregelt, wo es um das "Fortbestehen der Mitgliedschaft Versicherungspflichtiger" geht. Ihre Mitgliedschaft bleibt nach Absatz 2 so lange erhalten, wie "Anspruch auf Krankengeld oder Mutterschaftsgeld besteht". Mitgliedschaft und Krankengeldanspruch sind in diesem Fall engstens aneinandergekoppelt. Mit dem Wegfall des Krankengelds fällt hier auch die Mitgliedschaft fort – und aufgrund der einmal fortgefallenen Mitgliedschaft gibt es – auch wenn der Betroffene sofort wieder Mitglied einer Kasse werden sollte – auch keine Möglichkeit, den Krankengeldanspruch "neu zu beleben".

Für Arbeitnehmer ist es daher am Ende einer Beschäftigung außerordentlich wichtig, die Regeln zum Krankengeldanspruch zu beachten. Das musste eine Versicherte aus Baden-Württemberg erfahren, deren Beschäftigungsverhältnis bereits Ende Juni 2008 geendet hatte und der anschließend "voraussichtlich bis zum 15.7.2008" Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden war. Der Fehler der Betroffenen: Sie begab sich erst einen Tag später – am 16.7.2008 – erneut in ärztliche Behandlung.

Nach § 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V besteht der Anspruch auf Krankengeld aber erst "von dem Tag an, der auf den Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit folgt". Im Fall der Betroffenen bedeutet das: Siehätte bereits am 15.7.2008 beim Arzt vorsprechen und sich weiterhin arbeitsunfähig schreiben lassen müssen – dann hätte alles seine Richtigkeit gehabt.

Das Gericht folgerte: "Der Karenztag führt damit zur Unterbrechung der Voraussetzungen des Krankengeldanspruchs, was dem Fortbestehen der Mitgliedschaft nach § 192 Abs. 1 Nr. 2 SGB V entgegensteht." Eine Revision beim BSG wurde nicht zugelassen.

Vorsorgetipp
Für Beschäftigte, die Krankengeld beziehen, hat eine verspätete Verlängerung der Krankschreibung keine derart gravierenden Folgen. In der Praxis kommt es darauf an, dass der Krankenkasse eine Folgebescheinigung des Arztes eingereicht wird. Das kann auch einige Tage verspätet erfolgen, ohne dass dies Folgen für die Krankengeldzahlung hat. Hierzu gibt es allerdings kein einheitliches Verfahren bei den Krankenkassen. Allenfalls dann, wenn die Folgebescheinigung des Arztes "deutlich zu spät" datiert ist, kann es bei Beschäftigten zu einem Ruhen des Krankengelds kommen.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.