Wenn Fehler passieren, muss man reden

 - 

Der AOK-Bundesverband stellt seine neue Pflegefehlerbroschüre vor.

Jeder Mensch macht Fehler, das gehört zum Leben dazu. Doch es gibt medizinische Berufe, in denen Fehler schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. In einer neuen Broschüre des AOK-Bundesverbands mit dem Titel "Fehler als Chance" sprechen Profis aus Pflege und Praxis offen über Fälle, in denen sie versagt haben.

"Es verdient unseren Respekt, wenn Menschen gerade in medizinischen Berufen Fehler zugeben", sagt Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. "Denn damit übernehmen sie Verantwortung und stärken die Patientensicherheit."

In 14 Fallgeschichten berichten Pflegefachkräfte, medizinische Fachangestellte und Physiotherapeuten ehrlich über Fehlverhalten an ihren Arbeitsplätzen. "Obwohl ich es besser wusste, ist mir ein schlimmer Fehler unterlaufen", gesteht der frühere Altenpfleger Andreas Büscher. Heute ist er Professor für Pflegewissenschaft an der Hoschule Osnabrück und forscht über Qualitätsentwicklung in der Pflege. Er hatte sich bei der Infusionsversorgung aus Unachtsamkeit nicht an die notwendige Reihenfolge gehalten, was den Puls des Patienten lebensgefährlich nach oben schießen ließ. Erst heute kann er darüber sprechen. "Der Arbeitspegel auf der Intensivstation ist immer hoch und es passieren Fehler. Mir ist dieser passiert", gesteht Büscher.

Aber auch in der Arztpraxis gehören Fehler zum Alltag wie das Beispiel von Petra Weinmann, einer medizinischen Fachangestellten, zeigt. Es ging um die Behandlung einer Allergiepatientin, sie sollte ein Hyposensibilisierung bekommen - eigentlich ein Routinevorgang. Spritze setzen und fertig. "Das kann der Chef im Vorbeigehen erledigen", dachte sie. Neben dem Allergen im Kühlschrank lag ein Dokumentationszettel, der eine falsche Dosierung enthielt. Petra Weinmann hatte es versäumt die Dosis in der Patientenakte im Computer gegenzuchecken. Passiert ist glücklicherweise nichts weiter, aber es bestand durchaus Lebensgefahr.

Daraus haben alle Mitarbeiter der Arztpraxis gelernt, noch besser auf Eintragungen zu achten und lieber zweimal zu schauen.

Wie die Altonaer Kinderklinik mit Fehlern umgeht und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um einen professionellen Umgang mit Fehlern - fern ab von Schuldzuweisungen - zu etablieren, zeigt die Broschüre ebenfalls auf.

Experten erklären, was dazu gehört, dass die Kommunikation mit Patienten funktioniert und als befriedigend erlebt wird - besonders wenn Fehler passiert sind. Mit der Broschüre verstärkt die AOK ihre Aktivitäten für mehr Patientensicherheit. Dabei geht es zum einen um Unterstützung der Versicherten bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler. In diesem Fall stehen spezialisierte Service-Teams bereit, um zu beraten. Zum anderen will die AOK helfen, Gefahren im medizinischen Alltag zu minimieren, indem man Fehler bespricht und analysiert.

"Das nützt allen, denn so können Ängste und Sorgen vermieden werden. Fehler müssen nicht zweimal gemacht werden, wenn man sich ihre Entstehungsgeschichte anschaut", sagt der Vorstandsvorsitzende Graalmann.

Quelle: Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands vom 14.1.2014

Download "Fehler als Chance"

Weitere News zum Thema

  • Rund um das Thema Patientenrechte

    [] (verpd) Als Patient können viele Fragen aufkommen: Darf ich als Patient nach einem Befund meines Arztes eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt einholen? Habe ich ein Anrecht darauf, meine Patientenakte einzusehen? Inwieweit kann ich das Krankenhaus für eine notwendige stationäre Behandlung frei wählen? Antworten darauf, findet man unter anderem beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG), aber auch bei anderen offiziellen Stellen. mehr

  • Jetzt wird die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt

    [] (verpd) Bald werden hierzulande wieder die Uhren von Winter- auf Sommerzeit umgestellt. Nicht jeder verkraftet die Zeitumstellung problemlos. Es gibt jedoch Maßnahmen, die helfen, damit das Wohlbefinden dadurch möglichst wenig beeinträchtigt wird. mehr

  • Wann die Krankenkasse eine Brille bezuschusst

    [] (verpd) Bisher beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten für eine notwendige Brille nur in wenigen Fällen. Durch ein neues Gesetz, das voraussichtlich im März in Kraft tritt, werden die Ausnahmeregelungen zwar erweitert. Allerdings wird die Mehrheit derjenigen, die eine Brille benötigen, auch künftig die Kosten für eine notwendige Sehhilfe weiterhin selbst tragen müssen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.