Wenn ein Kniegelenk den Dienst verweigert

 - 

(verpd) Wer eine kniebelastende Tätigkeit ausübt, muss beweisen, dass eine Arthrose auf seine Berufstätigkeit zurückzuführen ist, wenn er Leistungen durch die Berufsgenossenschaft beansprucht.

Das geht aus einem veröffentlichten Urteil des Sozialgerichts Mannheim hervor (Az. S 1 U 561/10).

Ein älterer Arbeitnehmer hatte über Jahrzehnte hinweg einen Beruf als Maler und Stukkateur ausgeübt. Wegen zunehmender Kniebeschwerden begab er sich in ärztliche Behandlung. Der Arzt stellte nach einer eingehenden Untersuchung einen Verschleiß der Kniegelenke (Gonarthrose) fest. Den Antrag des Handwerkers, den Kniegelenksverschleiß als Berufskrankheit anzuerkennen, lehnte die für ihn zuständige Berufsgenossenschaft ab.

Die Begründung lautete, dass der Mann nicht bewiesen habe, dass es sich um eine berufsbedingte Erkrankung handelt. Die Ursachen für eine Gonarthrose könnten nämlich ebenso gut im privaten Bereich liegen. Dagegen wehrte sich der Arbeitnehmer und zog gegen den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung vor Gericht. Doch damit hatte er keinen Erfolg: Das Mannheimer Sozialgericht wies seine Klage als unbegründet zurück.

Fehlender Beweis

Das Gericht stellte zwar nicht in Abrede, dass der Mann über lange Jahre hinweg eine kniebelastende Tätigkeit ausgeübt hat, die grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen durch die Berufsgenossenschaft auslöst, wenn er dadurch an einer berufsbedingten Arthrose erkrankt.

Den Beweis dafür, dass es sich bei dem Kniegelenksverschleiß um eine Berufskrankheit handelt, konnte der Arbeitnehmer jedoch nicht erbringen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hatte er sich nämlich in der Vergangenheit wegen berufsunabhängiger Meniskusschäden vier Kniegelenkspiegelungen unterziehen müssen, in deren Rahmen mehrfach Meniskusteile entfernt wurden.

Nach Überzeugung des Gerichts wurde dadurch aber das Risiko des Klägers, an einer Kniegelenksarthrose zu erkranken, signifikant erhöht. Es wäre daher seine Sache gewesen, zu beweisen, dass die Gonarthrose durch die Ausübung seines Berufs verursacht wurde. Da er diesen Beweis nicht erbringen konnte, stehen ihm auch keine Leistungen durch die Berufsgenossenschaft zu.

Wenn der gesetzliche Schutz verweigert wird

Wie der Fall zeigt, ist es nicht einfach, dass auftretende Gesundheitsbeschwerden als Berufskrankheiten anerkannt werden, um die Anspruchs-Voraussetzungen einer entsprechenden Geld- beziehungsweise Rentenleistung der gesetzlichen Unfallversicherung zu erfüllen.

Und selbst wenn eine Anerkennung erfolgt, muss man mit Einbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen rechnen. Die private Versicherungswirtschaft bietet zahlreiche Lösungen an, um sowohl einen fehlenden gesetzlichen Versicherungsschutz als auch die eventuell durch Unfall oder Krankheit auftretenden Einkommenslücken abzusichern.

Zu nennen sind hier eine private Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung.

Weitere News zum Thema

  • Immer mehr Patienten in immer weniger Krankenhäuser

    [] (verpd) Statistisch gesehen gab es letztes Jahr fast 16 Prozent mehr Krankenhauspatienten als noch vor zehn Jahren. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als sieben Prozent reduziert. Und damit ist auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten zurückgegangen. Dies geht aus den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. mehr

  • Gegen unnötigen Zahnverlust

    [] (verpd) Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) leiden mehr als 20 Prozent der Erwachsenen ab 35 Jahren an einer schweren und damit auch dringend behandlungsbedürftigen Form von Parodontitis. Diese chronische Zahnbettentzündung zerstört Gewebe sowie Knochen und kann am Ende sogar zum Zahnverlust führen. mehr

  • KVdR: Kaum ist ein Problem gelöst, tauchen zwei neue auf

    [] Mit der Neuregelung zur Anrechnung von Kindererziehungszeiten zur Pflichtmitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR), die am 1.8.2017 in Kraft trat, wurde eine wichtige Lücke geschlossen. Dadurch erhalten mehr Rentnerinnen Zugang zur meist günstigeren KVdR-Mitgliedschaft. Doch die Krankenkassen versuchen nun mit allen Mitteln, auf ihre Kosten zu kommen. mehr

  • Für eine möglichst sichere Arzneimitteleinnahme

    [] (verpd) Wie man bestimmte Medikamente einnehmen muss, auf was es zu achten gilt und wann eine Medikamenteneinnahme beendet werden sollte, darüber informiert nicht nur der Arzt und der Apotheker, sondern auch der Beipackzettel – und es lohnt sich durchaus, hier nachzulesen. mehr

  • Das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten

    [] (verpd) Arbeitnehmer sind im Krankheitsfall in gewissem Maße vor Einkommenseinbußen geschützt. Dazu müssen sie jedoch bestimmte Vorgaben einhalten. Allerdings ist der Schutz auch dann zeitlich und der Höhe nach begrenzt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.