Weniger Krankschreibungen, mehr Fehltage

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(verpd) Dem aktuellen Gesundheitsreport einer gesetzlichen Krankenkasse zufolge sind die Berufstätigen hierzulande immer länger krank.

Zwar waren 2014 die Häufigkeiten der Krankschreibungen rückläufig, aber die Arbeitnehmer fehlten für einen jeweils längeren Zeitraum. Besonders die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen steigen immer mehr an.

Im Jahr 2014 ist die Anzahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten erneut gestiegen. Das zeigt der „Gesundheitsreport 2015“ der Techniker Krankenkasse (TK), einem Träger der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Dafür hatte die Kasse die routinemäßig erfassten und anonymisierten Daten der aktuell 4,4 Millionen sozialversicherungs-pflichtig beschäftigten oder arbeitslos gemeldeten Mitglieder untersucht. Das entspricht dem Bericht zufolge 14,1 Prozent der Beschäftigten in Deutschland.

Länger als bisher krankgeschrieben

Im vergangenen Jahr wurden bei den Mitgliedern der Krankenkasse insgesamt 4,83 Millionen Arbeitsunfähigkeits-Fälle (AU-Fälle) und 66 Millionen Fehltage registriert. Das sind durchschnittlich 14,8 Tage je Erwerbstätigen, 0,15 Tage mehr als im Vorjahr (plus ein Prozent), wie die Kasse schon im Frühjahr diesen Jahres im „Depressionsatlas Deutschland“ berichtete. Nach aktuellen Angaben der TK resultiert die Zunahme der Fehlzeiten aus einem Anstieg an Arbeitsunfähigkeits-Tagen (AU-Tagen). Die Häufigkeiten der Krankschreibungen waren dagegen rückläufig.

2014 wurden mit 1,12 AU-Fällen je Erwerbsperson 2,9 Prozent weniger AU-Fälle als 2013 gemeldet. Demgegenüber dauerten einzelne Erkrankungsfälle 2014 mit 13,3 Tagen je Fall im Mittel um vier Prozent länger als im Vorjahr.

Hauptgründe für die steigenden Zahlen sind der Kasse zufolge die Zunahme der Fehltage wegen psychischer Störungen und Krankheiten des Bewegungsapparats. Bei letzteren stiegen die Fehlzeiten im Vorjahresvergleich um 14,7 Tage je 100 Versicherungsjahre an (5,1 Prozent). Da es anders als 2013 im vergangenen Jahr keine Grippe- und Erkältungswelle gab, gingen die Fehlzeiten aufgrund von Atemwegserkrankungen dagegen deutlich zurück.

Mehr Fehltage wegen psychischer Störungen

Seit 2006 sind Fehlzeiten mit der Diagnose von Krankheiten des Bewegungsapparats um insgesamt 23 Prozent angestiegen. 2014 waren sie geschlechts- und altersübergreifend durchschnittlich für drei Fehltage je Erwerbsperson und Jahr und damit weiterhin für etwas mehr Fehltage als psychische Störungen verantwortlich.

Nachdem die Fehlzeiten unter der Diagnose von psychischen Störungen im Jahr 2013 erstmals seit 2006 nicht weiter angestiegen waren, kam es 2014 zu einer erneuten Zunahme. Sie stiegen um 7,9 Prozent beziehungsweise 19,5 Fehltage je 100 Versicherungsjahre. Das entspricht einer Zunahme der Fehlzeiten um rund 0,2 Tage je Erwerbsperson und Jahr. Damit war jede Erwerbsperson im Jahr 2014 durchschnittlich 2,7 Tage unter der Diagnose einer psychischen Störung krankgeschrieben.

2006 waren psychische Störungen für nur etwa 1,4 Fehltage pro Person verantwortlich. Von 2006 bis 2014 sind Fehlzeiten unter dieser Diagnose bei Erwerbspersonen altersbereinigt um insgesamt 84 Prozent gestiegen. Dass die Psyche der Bundesbürger immer mehr belastet ist, zeigt auch der aktuelle „Gesundheitsatlas 2015“ des BKK Dachverbandes e.V.

Über 90 Prozent wurden mindestens einmal ambulant behandelt

Die Daten der 4,3 Millionen beschäftigten BKK-Versicherten aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass rund 15 Prozent aller AU-Tage auf psychische Erkrankungen zurückgehen, teilte der Verband mit. Nur Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen wurden in dem Berichtsjahr häufiger als Grund für die AU angegeben. Im Jahr 2013 haben 90,9 Prozent der BKK-Versicherten mindestens einmal eine ambulante Behandlung in Anspruch genommen und dabei eine Diagnose erhalten.

Bei 30,9 Prozent von ihnen wurde dabei eine Diagnose aus dem Spektrum psychischer Störungen festgestellt. Die depressionsbedingten AU-Fälle dauerten durchschnittlich 39,9 Tage. Keine andere Erkrankungsgruppe habe so eine hohe Falldauer aufgewiesen, berichtet der Verband. Damit habe sich die Zahl der Krankentage innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt, die Falldauer sei um ein Viertel gestiegen. Allerdings zeigten Studien, dass es keine grundsätzliche Zunahme von psychischen Störungen gibt.

Laut Verbandsvorstand Franz Knieps sind die steigenden Zahlen vielmehr darin begründet, dass „die Menschen ihr psychisches Leiden akzeptieren und Hilfen im Gesundheitswesen in Anspruch nehmen“. Außerdem hätten die Mediziner heute umfangreichere Kenntnisse der Krankheitsbilder. „Noch vor zehn, 15 Jahren wurden Patienten mit Symptomen, die auf ein psychisches Leiden hindeuten, viel häufiger unspezifische körperliche Beschwerden attestiert“, so Knieps.

Dienstleistungsgewerbe ist öfter betroffen

Nach Wirtschaftsgruppen betrachtet gibt es in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht, öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung sowie Postdienste überdurchschnittlich viele AU-Tage aufgrund von Depressionen und Burn-out-Syndrom. Unterdurchschnittliche Fehlzeiten finden sich den BKK-Zahlen zufolge dagegen etwa im Bereich Land- und Forstwirtschaft sowie im Baugewerbe.

„In der Gesamtbetrachtung wird zudem deutlich, dass im Bereich des verarbeitenden Gewerbes die AU-Kennzahlen der Mehrheit der Wirtschaftszweige unterhalb des Bundesdurchschnitts liegen, während bei der überwiegenden Mehrheit im Dienstleistungsbereich überdurchschnittliche Werte festzustellen sind“, berichtet die BKK. Für den einzelnen Betroffenen kann ein langer Ausfall wegen Krankheit oder sogar eine dauerhafte Berufsunfähigkeit zu finanziellen Problemen führen.

Denn die gesetzlichen Sozialversicherungen, zahlen, wenn überhaupt, nur einen Teil des bisherigen Verdienstes bei einem längeren Krankenstand oder einer dauerhaften Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit weiter. Um auch weiter seinen Lebensstandard halten zu können, empfiehlt sich eine frühzeitige private Vorsorge. Die private Versicherungswirtschaft bietet dazu diverse Lösungen beispielsweise in Form einer Krankentagegeld- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung an.

Weitere geldwerte Tipps lesen Sie in unserem Ratgeber Wechsel zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

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