Was tun, wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt?

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Viele Krankenkassen erheben einen Zusatzbeitrag von 8 Euro pro Monat. Für die gesetzliche Versicherung stellen diese Beiträge einen Systembruch dar. Erstmals wird Geld nicht vom Arbeitgeber vom Lohn und Gehalt abgezogen oder als Steuergeld an den Gesundheitsfonds überwiesen. Jetzt müssen die Kassen mit allen Mitgliedern einzelne Finanzbeziehungen aufbauen.

Das bedeutet: Konten einrichten und pflegen, die Mitglieder anschreiben, das Inkasso überwachen. Die Kassen schätzen die Verwaltungskosten auf eine Mrd. Euro pro Jahr. Zwei der acht Euro werden allein von den Kosten der Zusatzbürokratie verschlungen.

So wird der Beitrag erhoben

Die Kasse stellt eine Rechnung an das Mitglied aus. In diesem Anschreiben wird auch über das Sonderkündigungsrecht informiert. Die Kassen bitten die Mitglieder um Einzugsermächtigungen. Daueraufträge oder monatliche Einzelüberweisungen sind auch möglich.

Tipp
Wählen Sie quartalsweise oder halbjährliche Abbuchungsermächtigungen. Vorausgesetzt, der Zusatzbeitrag wird damit ein paar Euro günstiger, weil die Kassen den Zinsgewinn und niedrigere Einzugskosten als Anreiz an die Mitglieder zurückgeben.

Wer muss nicht zahlen?

Alle Kassenmitglieder sind zahlungspflichtig. Wer nicht zahlt, wird kostenpflichtig gemahnt. Inkassounternehmen treiben gegebenenfalls das Geld ein. Kostenfrei mitversicherte Kindern und nichtberufstätige Ehegatten zahlen den Zusatzbeitrag nicht. Beziehern von Hartz IV ermöglich der Gesetzgeber, zu einer günstigeren Kasse zu wechseln, wenn die eigene Kasse den Zusatzbeitrag erhebt. Können sie dem Zusatzbeitrag nicht mehr entgehen, übernimmt der Träger die Kosten.

Ihr Sonderkündigungsrecht

Die Kasse muss ihre Versicherten spätestens einen Monat vor der Beitragsanhebung auf ihr Kündigungsrecht hinweisen, andernfalls verlängert sich die Kündigungsfrist entsprechend. Für Versicherte, die bestimmte Wahltarife haben, z.B. mit Beitragsrückgewähr oder zusätzliches Krankengeld, gilt das Sonderkündigungsrecht nicht; hier bleibt es bei der Vertragsbindung von drei Jahren. Nur bei den Pflichtangeboten der Kassen wie Hausarztverträgen und Chronikerprogrammen gilt das Sonderkündigungsrecht auf jeden Fall. Rund 400000 Versicherte haben sich seit Jahresbeginn wegen der Einführung von Zusatzbeiträgen zum Wechsel der Krankenkasse entschieden.

Tipp
Das Sonderkündigungsrecht gilt bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Zusatzbeitrag erstmals fällig wird.

Welche Kassen langen zu?

Acht Euro Zusatzbeitrag nehmen schon jetzt die DAK – mit 6,4 Mio. Versicherten die drittgrößte Kasse in Deutschland. Auch Mitglieder der Deutschen BKK, der KKH-Allianz, der BKK Gesundheit, der BKK Phoenix und der fusionierenden Novitas BKK und ktpBKK werden mit 8 Euro monatlich zur Kasse gebeten.
Mitglieder der GBK Köln und der BKK für Heilberufe werden besonders stark abkassiert: Beide Kassen fordern den maximalen Zusatzbeitrag von 1 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens - und zwar rückwirkend zum 1.1.2010. In die Berechnung ein geht das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 3.750 Euro brutto im Monat. Im Extremfall darf eine Kasse deshalb 37,50 im Monat fordern. Auch die BKK Westfalen-Lippe braucht mehr Geld von ihren Mitgliedern. Sie fordert 12 Euro zusätzlich. Demnächst wollen auch zwei AOKen Zusatzbeiträge verlangen.

Tipp
Wenn Kassen den Zusatzbeitrag erheben, dürfen diese nicht versuchen, ihre Mitglieder mit einer Halteprämie von der Ausübung ihres gesetzlichen Sonderkündigungsrechtes abzuhalten. Das Bundesversicherungsamt hat die Kassen angewiesen, solche Kopplungen zu unterlassen.

 

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