Was Bürger über das Gesundheitssystem denken

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(verpd) Eine aktuelle Studie, basierend auf einer repräsentativen Umfrage, zeigt, dass die Bürger in Deutschland noch nie mit dem Gesundheitssystem zufriedener waren als derzeit.

Allerdings rechnen die meisten mit weiteren Kostensteigerungen. Viele gesetzlich Krankenversicherte nehmen bereits jetzt sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) in Anspruch. Und das, obwohl die Kosten dafür nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden und daher vom Patienten selbst zu tragen sind.

Vor Kurzem stellte die Techniker Krankenkasse (TK), ein gesetzlicher Krankenversicherungs-Träger, die seit 2003 nun zum zehnten Mal erstellte Studie „TK-Meinungspuls“ vor. Grundlage der Studie war eine repräsentative Umfrage von 2.001 Bürgern im Sommer diesen Jahres, die von der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH durchgeführt wurde.

Ermittelt wurde unter anderem die Frage, wie zufrieden die Bürger mit dem aktuellen zweigliedrigen Gesundheitssystem von gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) sind. Das Ergebnis: 77 Prozent der Befragten sind aktuell damit zufrieden bis sehr zufrieden. Konkret waren 53 Prozent zufrieden und 25 Prozent sehr zufrieden. Das ist die bisher höchste ermittelte Zufriedenheit. Den niedrigsten Zufriedenheitswert gab es 2006. Hier waren nur 44 Prozent der Bürger zufrieden oder sehr zufrieden, und die Mehrheit, nämlich 54 Prozent, unzufrieden.

Reformbedarf

Trotz der aktuellen hohen Zufriedenheit sind jedoch neun von zehn der gesetzlich und privat Krankenversicherten der Meinung, dass Veränderungen im Gesundheitssystem notwendig seien. 13 Prozent halten sogar grundlegende und umfassende Reformen für notwendig, doch 2006 war noch fast jeder Vierte dieser Ansicht. Nur zehn Prozent sehen aktuell keinen Änderungsbedarf.

Skepsis gibt es auch über die künftige Finanzierbarkeit des Systems. So glauben nur 45 Prozent, dass das Gesundheitssystem so in seiner bisherigen Form finanzierbar bleibt. Die Mehrheit, nämlich 85 Prozent der befragten Krankenversicherten, rechnet damit, dass die Beiträge für die GKV eher steigen werden. Zudem glauben die meisten (54 Prozent), dass das Leistungsangebot schlechter wird.

Auch hinsichtlich der Frage nach der Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems gibt es bei vielen Bürgern Zweifel. Zwar sind rund 51 Prozent der befragten privat und gesetzlich Krankenversicherten der Meinung, dass das System gerecht sei, ganze 45 Prozent halten es jedoch eher für ungerecht. Vier Prozent enthielten sich der Meinung.

Leistungen wichtiger als Prämienhöhe

Die Studienautoren wollten zudem wissen, inwieweit die Bürger glauben, dass künftig alle Patienten bedarfsgerecht nach den jeweils aktuellen medizinischen Erkenntnissen und mit neuesten Techniken untersucht und behandelt werden. Nur neun Prozent der Befragten rechnen fest damit, 24 Prozent schließen dies nicht aus. Doch die Mehrheit bezweifelt dies: 28 Prozent glauben nur eventuell daran und weitere 39 Prozent halten die Teilhabe an dem medizinischen Fortschritt für unwahrscheinlich oder sogar ausgeschlossen.

Dass gerade diese Teilhabe den Bürgern besonders wichtig ist, zeigt eine weitere Studienerkenntnis: 65 Prozent würden laut Umfrage sogar höhere Beiträge in der GKV akzeptieren, um künftig am medizinischen Fortschritt teilhaben zu können. Die Hälfte würde auch für den Erhalt des Solidarsystems mehr Geld zahlen. Und 44 Prozent sind bereit, für einen zumindest gleichbleibenden Leistungsumfang steigende Kosten in Kauf nehmen.

Allerdings wäre nur ein Drittel der Befragten (32 Prozent) damit einverstanden, wenn für gleichbleibende Beiträge der Leistungsumfang der GKV reduziert würde.

Längere Wege und Wartezeiten für gute Behandlungsqualität

Ein weiteres Umfrageergebnis: Insgesamt glaubt fast jeder Zweite, dass die Qualität der medizinischen Versorgung bei niedergelassenen Ärzten und in Krankenhäusern künftig absinken wird. In dieser Frage sind die Bürger pessimistischer als früher. Vor zwei Jahren rechnete nur jeder Dritte mit einer sinkenden Versorgungsqualität.

Dies ist sicherlich mit ein Grund, warum neben den höheren Beiträgen die Bürger auch für andere Opfer bereit sind, um eine gute Versorgung zu erhalten. Neun von zehn Befragten nehmen beispielsweise längere Wege in Kauf, wenn sie dann bei einer schweren Erkrankung einen Arzt, der eine hohe Behandlungsqualität bietet, hinzuziehen könnten. 84 Prozent würden das auch für eine notwendige stationäre Behandlung auf sich nehmen, wenn sie dafür in einer auf ihre Erkrankung spezialisierte Klinik aufgenommen werden.

72 Prozent der Befragten sind zudem bereit, längere Wartezeiten zu akzeptieren, um bei einer schweren Krankheit von einem Spezialisten untersucht zu werden. Bei weniger dramatischen Erkrankungen erwarten die meisten, dass sie mindestens in den ersten zwei Wochen einen Termin bekommen. Konkret wollen 16 Prozent innerhalb von drei Tagen, 30 Prozent im Zeitraum von einer Woche und 29 Prozent nach spätestens zwei Wochen einen Termin beim Facharzt erhalten. Nur jeder Vierte hält eine Wartezeit von drei Wochen oder länger für akzeptabel.

Selbst zu bezahlende Gesundheitsleistungen

Bereits jetzt nutzen viele gesetzlich Krankenversicherte die Angebote an sogenannten „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (kurz IGeL-Leistungen), und zahlen diese aus der eigenen Tasche. IGeL sind Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht per Gesetz übernehmen müssen, und deshalb die Kosten dafür vom Arzt dem Patienten direkt in Rechnung gestellt werden können. In der Regel handelt es sich um Leistungen, bei denen nicht bewiesen ist oder bewiesen werden kann, dass sie dem Wirtschaftlichkeits-Gebot gemäß Paragraf 12 SGB VI (Fünftes Sozialgesetzbuch) entsprechen.

Im genannten Gesetz heißt es unter anderem, dass nur Leistungen von einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden können, die „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. 24 Prozent haben mindestens schon einmal und 51 Prozent bereits mehrmals IGeL-Leistungen in Anspruch genommen. Nur jeder Vierte lehnt einen derartigen Zusatzservice ab.

Besonders häufig bieten Gynäkologen IGeL-Leistungen an, wie 40 Prozent der befragten Frauen berichteten. Es folgen Zahnärzte (32 Prozent) und Augenärzte (26 Prozent). Aber auch jedem achten Patienten sind vom Allgemeinmediziner Zusatzangebote gemacht worden.

Absicherung von Zusatzkosten

Wer Leistungen über den festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus in Anspruch nehmen will, ohne sich darum zu sorgen, ob er sich das leisten kann, kann private Vorsorge treffen. Gesetzlich Krankenversicherte können mit einer entsprechenden privaten Krankenzusatz-Versicherung Kosten, die sie normalerweise selbst tragen müssten, abfedern.

Derartige Ergänzungspolicen gibt es beispielsweise für IGeL im Bereich Zahnarzt und Zahnersatz, für Heilpraktiker-Behandlungen und Brillenkosten, sowie für den Eigenanteil von verordneten Arznei-, Verbands- und Heilmitteln wie Massagen.

Aber auch bei stationären Behandlungen lassen sich Wunschleistungen, die nicht von der GKV übernommen werden, wie Einzelzimmer-Unterbringung oder Chefarztbehandlung, mit einer Zusatzversicherung absichern.

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