Was bringt der Basistarif?

 - 

Das Wettbewerbsstärkungsgesetz in der Krankenversicherung bringt auch für Privatversicherte eine Reihe von Veränderungen.

Das Finanzministerium stellt jetzt die sogenannte Kalkulationsverordnung vor, die die versicherungsmathematischen Grundlagen zum Basistarif, insbesondere zur Mitgabe der Alterungsrückstellung, regelt. Rufen wir uns noch einmal in Erinnerung, was das WSG genau vorsieht.

Versicherungspflicht für alle

Alle, die der privaten Krankenversicherung (PKV) zuzuordnen sind und bis dahin nicht versichert waren, müssen nun Beiträge zahlen. Dazu gehören alle Selbstständigen und freiwillig Versicherten, die in keiner gesetzlichen Kasse versichert sind. Auch Beamte müssen ab 1.1.2009 eine Ergänzungsversicherung zur Beihilfe abschließen.

Einführung eines Basistarifs

Der Basistarif bietet die gleichen Leistungen wie die gesetzliche Krankenversicherung. Wer in diesem Tarif versichert ist, hat die gleichen Zuzahlungen und Selbstbehalte zu tragen wie ein gesetzlich Krankenversicherter. Das gilt auch für die Praxisgebühr.

Der Basistarif ist nach Alter und Geschlecht kalkuliert. Der Beitrag ist nach oben begrenzt auf den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Alterungsrückstellung wird gebildet, die bei einem Wechsel des Krankenversicherers im Prinzip mitgenommen werden kann. Bis zum Alter von 60 Jahren ist der gesetzliche Zuschlag in Höhe von 10 Prozent auf den Beitrag zur Bildung einer zusätzlichen Altersrückstellung zu zahlen. Der Tarif ist branchenweit einheitlich. Zum möglichen Wettbewerbsinstrument macht ihn die Möglichkeit, die Alterungsrückstellung mitzunehmen. Das verringert die Prämie beim neuen Versicherer.

Wer darf rein?

Das regelt § 193 Abs. 5 Versicherungsvertragsgesetz in der ab 1.1.2009 geltenden Fassung. Danach dürfen in der Zeit von 1.1.2009 bis 30.6.2009 folgende Personen in den Basistarif wechseln:
  • alle freiwillig Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung,
  • alle Nichtversicherten, soweit sie nicht der gesetzlichen Krankenversicherung zuzuordnen sind,
  • alle beihilfeberechtigten Versicherten,
  • alle privat Vollversicherten (auch in den Basistarif eines anderen Versicherers), nach dem 30.6.2008 geht nur noch der Wechsel in den unternehmenseigenen Basistarif.
Um die letztgenannte Gruppe gab es lange Diskussionen. Das Gesetz ist an dieser Stelle etwas offen formuliert. Ganz Findige hatten sich ausgerechnet, dass es interessant sein könnte, zu einem anderen Versicherer unter Mitnahme der Alterungsrückstellung des Basistarifs zu wechseln, um dann nach einer "logischen Sekunde" in einen anderen Vollversicherungstarif zu wechseln. Bei Gesunden lohnt sich das, weil sie eine spürbar niedrigere Prämie als bei einem normalen Neuabschluss zahlen müssten. Einige Versicherer stellten sich auf den Standpunkt, dass das Gesetz nicht eindeutig regele, dass die Rückstellung des Basistarifs in den neuen Tarif übertragen werden darf. Damit wäre die schöne Möglichkeit des günstigen Wechsels dahin gewesen.

Mittlerweile wurde die Regelung nach Abstimmungsgesprächen zwischen Verband, Ministerium und BaFin dahin gehend präzisiert, dass ein Wechsel in einen anderen Vollkostentarif (aus dem Basistarif heraus) unter Mitnahme der Alterungsrückstellung erst nach 18 Monaten möglich ist. Bei einem Wechsel innerhalb dieser Frist verfällt die Alterungsrückstellung.

Ob diese zeitliche Verzögerung tatsächlich das Problem entschärft, dass gesunde Versicherte mit der Alterungsrückstellung das Unternehmen wechseln, muss die Zeit zeigen. Sicherlich wird es rasch entsprechende Produkte geben, die den Basisschutz auf den Vollschutz für diese 18 Monate erweitern.
Das Problem, das mit der Mitnahme verbunden ist, ist nicht zu unterschätzen. Schlechte Tarife werden schnell von den Gesunden entvölkert werden. Zurück bleiben die Kranken. Die Auswirkungen auf die Beiträge kann man sich auch ohne Mathematikstudium gut vorstellen.

Vorsorgetipp
Bei Verträgen, die nach dem 1.1.2009 abgeschlossen werden, kann die Alterungsrückstellung grundsätzlich mitgenommen werden.


Für wen lohnt sich der Basistarif überhaupt?
Eine echte Alternative für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Basistarif nicht. Der Höchstbeitrag, der in der gesetzlichen Krankenversicherung zu zahlen ist, wird bei Männern bereits im Alter von 26 Jahren erreicht, bei Frauen liegt er bereits bei Alter 21 auf diesem Niveau.

Vorsorgetipp
Neben der Funktion als Einstieg in die PKV, ist er damit eigentlich nur für diejenigen interessant, die heute in der PKV deutlich höhere Beiträge zahlen und denen das zu viel wird. Da neben dem Basistarif noch Zusatzversicherungen beibehalten werden können, könnte sich hier eine echte Möglichkeit zur Beitragsersparnis ergeben. Wie viel genau gespart werden kann, hängt von sehr vielen Parametern ab und muss im Einzelfall gerechnet werden.

Weitere News zum Thema

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

  • Zu müde zum Erholen: Wenn die Grenze überschritten ist

    [] (verpd) Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ist eine gesunde Basis. Wer länger arbeitet, muss um die zehnte Stunde herum mit einem Leistungsknick rechnen. Eine angestaute Ermüdung nach zu langer Arbeit verhindert den Erholungseffekt der Freizeit. Wer jahrelang 50 Stunden oder länger pro Woche arbeitet, setzt seine physische und psychische Gesundheit aufs Spiel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.