Warum Frauen im Durchschnitt länger leben als Männer

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Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) gibt es diverse Faktoren, warum Frauen im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Grundlage der Analyse sind diverse Studien und Statistiken. Doch die geschlechterspezifischen Unterschiede werden seit rund 60 Jahren stetig kleiner und auch dafür gibt es Gründe.

Diverse amtlichen Bevölkerungsstatistiken, die zum Teil bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, belegen, dass Frauen im Durchschnitt immer schon eine höhere Lebenserwartung hatten als Männer. Dies zeigen zum Beispiel die Kohortensterbetafeln der Geburtsjahrgänge von 1871 bis 2017 des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Nach dem Berechnungsmodell der Variante 2 dieser Statistik, die den kurzfristigen Sterblichkeitstrend seit 1971 über den gesamten Vorausschätzungs-Zeitraum hinweg betrachtet, werden in 2017 geborene Jungen im Durchschnitt voraussichtlich 89,8 Jahre alt.

Dagegen haben Mädchen, die in diesem Jahr zur Welt kommen, sogar eine Lebenserwartung von 92,9 Jahren, das heißt, sie werden voraussichtlich 3,1 Jahre älter als Jungen.

Die Statistik zeigt aber, dass der Unterschied bei der Lebenserwartung der Frauen und Männer seit Jahrzehnten immer kleiner wird.

Biologische und ...

Im Jahr 2000 lag die Lebenserwartung bei neugeborenen Jungen bei 87,2 und bei Mädchen bei 90,9 Jahren, was einer Differenz von 3,7 Jahren entspricht. Nochmals zehn Jahre früher betrug der Unterschied zwischen der Lebenserwartung der Männer mit 85,2 Jahren und der der Frauen mit 89,4 Jahren 4,2 Jahre. 1950 hatten Frauen mit einer Lebenserwartung von 79,2 Jahren sogar eine um 7,1 Jahre höhere Lebenserwartung als Männer, deren Lebenserwartung bei 72,1 Jahren lag.

Nach Angaben der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vor einigen Jahren ins Leben gerufenen Initiative 7 Jahre länger“ ist in fast allen Industriestaaten die Lebenserwartung der Frauen höher als bei den Männern. Biologische, aber auch verhaltens- und umweltbedingte Faktoren sind nach Ansicht der Wissenschaftler die Ursache dafür.

So sind Frauen nach Angaben der Initiative des GDV nachweisbar schon von Natur aus im Vorteil. Forscher vermuten, dass das X-Chromosom eine wichtige Rolle spielt, von dem Männer nur eines, Frauen aber zwei besitzen. Sie können Defekte auf dem einen durch das andere X-Chromosom ausgleichen und sind somit besser vor Krankheiten geschützt. Immerhin ist die Sterblichkeit der Mädchen schon im Säuglingsalter niedriger“.

Zudem stehe das männliche Hormon Testosteron im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen.

... verhaltensbedingte Gründe

Außerdem haben Männer im Gegensatz zu den Frauen häufiger einen ungesunden und risikoreicheren Lebensstil, wie auch Statistiken belegen. Im Vergleich zu Frauen greifen Männer zum Beispiel in der Jugend und auch im Erwachsenenalter öfter zu Alkohol und Zigaretten.

Des Weiteren gehen Männer seltener zum Arzt, nehmen deutlich weniger Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch und ernähren sich ungesünder. So nehmen zum Beispiel nach Angaben der Gesundheitsbericht-Erstattung des Bundes nicht einmal ein Viertel der anspruchsberechtigten Männer, dagegen aber fast die Hälfte der Frauen an Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen teil.

Risikoreicher Lebensstil

Statistisch gesehen sind deutlich mehr Männer mit dem Auto zu schnell unterwegs als Frauen. Laut Destatis haben zum Beispiel fast 20.900 Pkw-Fahrer, aber lediglich 10.400 Pkw-Fahrerinnen durch zu schnelles Fahren Verkehrsunfälle mit Personenschäden verursacht. Zudem kam es zu Autounfällen mit Verletzten, weil 25.100 Autofahrer und lediglich 14.800 Autofahrerinnen einen zu geringen Abstand einhielten.

Insgesamt kommen mehr Männer als Frauen bei Verkehrsunfällen ums Leben. 2016 starben in Deutschland 2.342 Männer und 864 Frauen bei einem Verkehrsunfall, davon waren zum Unfallzeitpunkt 885 Männer und 271 Frauen als Pkw-Fahrer unterwegs.

Warum sich die Lebenserwartungen mehr und mehr angleichen

Auch berufliche Faktoren spielen laut der GDV-Initiative eine Rolle. Zum Beispiel arbeiten mehr Männer als Frauen in Vollzeitjobs und sind deswegen vermehrt beruflichem Stress ausgesetzt. Zudem würden sich Männer stärker durch den Beruf und die erbrachten Leistungen definieren als Frauen, was dazu führe, dass sie sich öfter aufreiben“ und deswegen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, so der GDV.

In den letzten Jahrzehnten wird jedoch die Differenz zwischen der Lebenserwartung der Frauen und der Männer immer kleiner. Ein Grund für dieser Entwicklung könnte sein, dass sich die bisherigen typisch geschlechterspezifischen Verhaltensweisen immer mehr angleichen. So sind heute im Vergleich zu früher anteilig weit mehr Frauen erwerbstätig. Gemäß Destatis waren 1950 von allen Erwerbstätigen 64 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen, 1990 59 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen und im Jahr 2016 53 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen erwerbstätig.

Zudem holen die Männer bei der gesunden Lebensweise auf. So rauchten 1990 laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) 40 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen, 2013 waren es bloß noch 33 Prozent der Männer, aber weiterhin 27 Prozent der Frauen.

Notwendige Vorsorge für ein längeres Leben

Jeder, egal ob Mann oder Frau, hofft auf ein langes und gesundes Leben. Doch wer länger lebt, braucht auch länger Geld, um den eigenen Ruhestand sorgenfrei genießen zu können. Zudem nimmt mit dem Alter auch die Wahrscheinlichkeit zu, ein Pflegefall zu werden.

Deshalb ist es für den Einzelnen wichtig, schon frühzeitig an eine finanzielle Absicherung für das Alter sowie im Pflegefall zu denken. Denn die gesetzliche Absicherung reicht weder im Rentenalter noch bei Pflegebedürftigkeit, um die Einkommenseinbußen und/oder Mehrkosten auch nur annähernd auszugleichen.

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