Von den Pflichten einer gesetzlichen Krankenkasse

 - 

(verpd) Chronisch Kranke und Behinderte, die mithilfe eines durch ihre gesetzliche Krankenkasse finanzierten Gymnastikkurses dauerhaft notwendige medizinische Übungen erlernt haben, haben nach einer gewissen Zeit einen Anspruch auf Finanzierung eines Auffrischungskurses. Das hat das Sozialgericht Mainz mit einem jüngst veröffentlichten Urteil entschieden (Az. S 14 KR 458/12).

Einem unter einer chronischen Gelenkserkrankung leidenden Mann war in der Vergangenheit von seiner gesetzlichen Krankenkasse für die Dauer von vier Jahren ein zweiwöchentliches Funktionstraining in Form von Wassergymnastik finanziert worden.

Als dem Mann von seinem Arzt nach einiger Zeit ein Auffrischungskurs verordnet wurde, lehnte es die gleiche Krankenkasse ab, hierfür die Kosten erneut zu übernehmen. Das begründete sie damit, dass der Versicherte wegen der vorausgegangenen jahrelangen Übungseinheiten dazu in der Lage sein sollte, die Übungen auch ohne Anleitung durchführen zu können.

Neue medizinische Erkenntnisse

Gegen diese Entscheidung klagte der chronisch Kranke vor dem Sozialgericht mit der Begründung, dass ihm der Auffrischungskurs ärztlich verordnet worden sei. Für die Teilnahme an dem Kurs bestehe daher ganz offenkundig eine medizinische Notwendigkeit. Denn falsch ausgeführte Übungen könnten in erheblichem Maß seine ohnehin nicht intakte Gesundheit gefährden.

Dem Argument des Klägers schlossen sich die Richter des Mainzer Sozialgerichts an. Sie gaben der Klage des Versicherten statt. Nachdem der Kläger nach Beendigung der vierjährigen Übungseinheiten die Wassergymnastik dreieinhalb Jahre lang selbstständig durchgeführt habe, habe ihm seine Krankenkasse ein für die Dauer eines Jahres einmal pro Woche durchzuführendes Aktualisierungstraining zu finanzieren, so das Gericht.

Dem Kläger sei zwar eine gewisse Selbstverantwortung zuzumuten. Gleichwohl müsse durch Fachleute sichergestellt werden, dass in das Training neue medizinische Erkenntnisse einfließen und sich auf Dauer keine Ausführungsfehler einschleichen. Unabhängig davon müsse im Rahmen des Auffrischungstrainings geprüft werden, ob bei Fortschreiten der chronischen Erkrankung nicht andere Übungen notwendig seien, welche der Kläger erst noch erlernen müsse.

Kostenschutz vor einem Sozialgericht

Wie der Fall zeigt, kann es durchaus sinnvoll sein, sich gerichtlich gegen die Entscheidung eines Sozialversicherungs-Trägers – im geschilderten Fall war es eine gesetzliche Krankenkasse – zu wehren. Zwar sind Verfahren vor einem Sozialgericht hinsichtlich der Gerichtskosten und einschließlich der gerichtlich eingeholten Gutachten für die in der Sozialversicherung Versicherten, für die Leistungsempfänger und für behinderte Menschen kostenlos.

Jedoch muss man die Rechtsanwaltskosten, sofern man den Gerichtsprozess verloren oder einem Vergleich zugestimmt hat, in der Regel selbst übernehmen. Um auch dieses Kostenrisiko zu vermeiden, hilft eine Privat- und Berufsrechtsschutz-Versicherung.

Eine derartige Rechtsschutz-Police übernimmt im Streitfall unter anderem die Anwaltskosten bei einem Sozialgerichtsstreit, wenn Aussicht auf Erfolg besteht und vorab eine Leistungszusage durch den Rechtsschutzversicherer erteilt wurde. Eine solche Police zahlt aber auch bei zahlreichen anderen Auseinandersetzungen wie beim Einklagen von Schadenersatz und Schmerzensgeld sowie beim Streit mit dem Arbeitgeber die anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten.

Weitere News zum Thema

  • Mehr Fitness: So klappt es auch mit dem Sport

    [] (verpd) Plätzchen und Festtagsbraten haben ihre Spuren hinterlassen. Um die überflüssigen Pfunde wieder loszuwerden, setzen viele auf Sport. Das ist laut Gesundheitsexperten sinnvoll, denn wer körperlich aktiv ist, verbessert nicht nur seine Gesundheit und sein Wohlbefinden, sondern beugt auch Krankheiten vor. Damit diese sportlichen Betätigungen nicht nur ein kurzes Strohfeuer bleiben, sollte man ein paar Regeln beachten. mehr

  • Vor der Physiotherapie Versicherungsvertrag prüfen

    [] Rücken-, Hüft- und Schulterleiden nehmen immer mehr zu. Das ist der Preis, den eine alternde Gesellschaft zahlen muss. Klar ist damit aber auch: Zunehmend mehr Menschen sind auf eine Physiotherapie angewiesen. Das wird auch für die privaten Krankenversicherungen immer teurer, was mitunter zu Streitigkeiten zwischen Versicherer und Versicherten führt. mehr

  • OLG Koblenz verbietet Werbung für Magnetfeldtherapie als unlauter

    [] Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb bietet eine Handhabe gegen aggressive Werbung für IGeL-Leistungen. Das musste ein niedergelassener Arzt erfahren, der in seiner Praxis nicht invasive (also von außerhalb des Körpers erfolgende) Magnetfeldtherapie als schmerzlindernd und aktivierend für das Immunsystem anpries. mehr

  • Inzwischen gibt es Bewertungen für 41 IGeL-Angebote

    [] Im IGeL-Monitor sind inzwischen 41 individuelle Gesundheitsleistungen bewertet worden. Dabei handelt es sich um Gesundheitsleistungen von Ärzten, die in der Regel privat abgerechnet werden – also nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Der Katalog der bewerteten Privatangebote der Ärzte wird in unregelmäßigen Abständen erweitert. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.