Statt der verschriebenen Großpackung nicht drei Kleinpackungen andrehen lassen

 - 

Kassenmitglieder müssen aufpassen: Gerade chronisch Kranken verschreiben die behandelnden Ärzte häufig Großpackungen von Medikamenten. Denn die Betroffenen sind dauerhaft auf die verschriebene Medizin angewiesen. Wenn die Großpackung gerade nicht auf Lager ist, händigen Apotheker stattdessen immer wieder mehrere Kleinpackungen heraus.

Nach einem rechtskräftigen Urteil des Sozialgerichts Aachen vom 22.10.2013 (Az. S 13 KR 223/13) sollten gesetzlich krankenversicherte Patienten sich hierauf nicht mehr einlassen. Andernfalls müssen sie ggf. höhere Zuzahlungen leisten. Falls der Apotheker die höhere Zuzahlung nicht kassiert, droht ihnen ggf. eine Nachforderung ihrer Krankenkasse.

In dem Fall, über den in Aachen entschieden wurde, hatte eine Apothekerin gegen eine Krankenkasse geklagt, das Urteil betrifft jedoch alle gesetzlich Versicherten: Eine Asthmatikerin hatte von ihrem Arzt das Medikament Atmadisc 50/250 Diskus PIL in Großverpackung (Packungsgröße N3) verschrieben bekommen. Da die Großpackung nicht vorrätig war, händigte die Apothekerin drei Kleinpackungen (N1) aus und kassierte nur die Zuzahlung, die bei einer Großpackung fällig gewesen wäre (10,00 €). Je Kleinpackung hätte jedoch eine Zuzahlung in Höhe 5,66 € erhoben werden müssen (10 % des Abgabepreises), insgesamt wären damit 16,98 € fällig gewesen. Dies sind 6,98 € mehr. Denn maßgeblich für die Zuzahlung sind die tatsächlich abgegebenen Medikamente – unabhängig davon, ob der Arzt eine größere (und was die Zuzahlung betrifft) günstigere Packung verschrieben hat. Die Krankenkasse behielt den Differenzbetrag von 6,98 € ein und gab der Apothekerin den Hinweis, sie möge diesen Betrag von der Versicherten einfordern.

Das Sozialgericht Aachen hatte – da es sich um eine grundsätzliche Entscheidung handelt – eine Sprungrevision beim Bundessozialgericht eingelegt. Da diese nicht entschieden wurde, ist das Urteil rechtskräftig geworden. Ob die Apothekerin den Differenzbetrag von 6,98 € von der Patientin eingefordert hat, ist nicht bekannt. Ein solches Verhalten hätte mit Sicherheit auch ein Geschmäckle: Denn von der Verabreichung von insgesamt teureren Kleinpackungen profitieren letztlich auch die Apotheken. Denn deren Verdienst hängt von der Höhe des Umsatzes ab.

Gesetzlich Versicherten ist nach dem Aachener Urteil jedenfalls davon abzuraten, sich auf den Kuhhandel um die Packungsgröße einzulassen. Andernfalls riskieren sie höhere Zuzahlungen bzw. Auseinandersetzungen mit ihrem Apotheker.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

  • Zu müde zum Erholen: Wenn die Grenze überschritten ist

    [] (verpd) Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ist eine gesunde Basis. Wer länger arbeitet, muss um die zehnte Stunde herum mit einem Leistungsknick rechnen. Eine angestaute Ermüdung nach zu langer Arbeit verhindert den Erholungseffekt der Freizeit. Wer jahrelang 50 Stunden oder länger pro Woche arbeitet, setzt seine physische und psychische Gesundheit aufs Spiel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.