So (un)gesund leben die Deutschen

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(verpd) Die meisten Deutschen schätzen zwar ihren Gesundheitszustand als gut ein, doch nur die wenigsten leben wirklich rundherum gesund.

Besonders an Bewegung mangelt es den Bundesbürgern, viele sitzen mehr als sieben Stunden am Tag. Besonders inaktiv sind Senioren. Doch auch Kinder müssten ihren Alltag deutlich aktiver gestalten. Zu diesem Schluss kommt eine gesetzliche Krankenkasse aufgrund einer entsprechenden Umfrage.

Die Deutschen bewegen sich zu wenig und sitzen zu viel. Das ist das Fazit der Studie „Wie gesund lebt Deutschland“, die die DKV Deutsche Krankenversicherung AG (DKV), eine gesetzliche Krankenkasse, vor Kurzem vorgestellt hat.

Nach 2010 und 2012 hat die DKV auch in 2014 in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln 3.102 repräsentativ ausgewählte Personen zu den Themen Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkohol sowie nach ihrem Umgang mit Stress befragt. Zum ersten Mal wurde dabei das Sitzen als eigenständiger gesundheitlicher Risikofaktor abgefragt. Darüber hinaus gaben 337 Eltern in einer speziellen Befragung Auskunft über das Medien- und Gesundheitsverhalten ihrer sechs- bis zwölfjährigen Kinder.

Senioren leben gesundheitsbewusster

Mehr als die Hälfte der Befragten schätzt ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Aber nur elf Prozent leben in allen abgefragten Bereichen gesund. Frauen erreichen außer im Bereich der körperlichen Aktivität bessere Werte als die Männer. Während 14 Prozent der Frauen in allen Bereichen gesund leben, sind es bei den Männern nur neun Prozent.

Auch in den Altersklassen zeigen sich deutliche Unterschiede. So schätzen 79 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren ihren Gesundheitszustand als gut bis sehr gut ein, bei den über 66-Jährigen ist es dagegen nicht einmal die Hälfte. Dafür empfinden aber mehr als zwei Drittel der Senioren ihren Lebensstil als gesund.

„Deutlich ist, dass sich sowohl das Bewusstsein für eine ausgewogene Ernährung als auch das Rauchverhalten mit zunehmendem Alter positiv entwickeln“, heißt es in der Studie. 89 Prozent in der Altersgruppe ab 66 Jahren zählen sich zu den Nichtrauchern. Bei den Jüngeren sind es 72 Prozent.

Erwachsene sitzen mehr als sieben Stunden täglich

Besonderes Augenmerk legten die Studienautoren Professor Dr. Ingo Froböse und Dr. Birgit Wallmann-Sperlich dieses Mal auf den Faktor Bewegung. Maßstab der Studie sind die allgemeinen Empfehlungen der Weltgesundheits-Organisation. Diese liegen für Erwachsene bei mindestens 150 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Bewegung pro Woche.

Wie sich die Aktivität dabei auf einzelne Tage verteilt, spielt keine Rolle, es sollten jedoch jeweils mindestens zehn Minuten am Stück sein. Nach Angaben der Studienautoren ist fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) nicht ausreichend körperlich aktiv. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind dabei gering. Jedoch bewegen sich Männer häufiger während ihrer Freizeit als Frauen.

An einem normalen Werktag sitzen Erwachsene durchschnittlich siebeneinhalb Stunden, rund ein Drittel dieser Zeit verbringen sie vor dem Fernseher. An den Wochenenden sitzen die Befragten immer noch rund sieben Stunden. Die Hälfte von ihnen sieht am Wochenende täglich mehr als zweieinhalb Stunden im Sitzen fern.

Senioren und Kinder bewegen sich zu wenig

Insgesamt geht mehr als die Hälfte der Befragten keiner bewegungsreichen Freizeitaktivität nach. Mehr als 30 Prozent bewegen sich gar nicht. Besonders inaktiv sind die Senioren: Nur 23,5 Prozent von ihnen üben intensive körperliche Aktivitäten aus, 45 Prozent betätigen sich in ihrer Freizeit überhaupt nicht körperlich.

Ganz anders die jungen Erwachsenen: Von ihnen sind 84 Prozent in der Freizeit aktiv. Sie weisen auch den höchsten Anteil intensiver Bewegung auf. „Man kann also davon ausgehen, dass schweißtreibende Sportarten vor allem im Alter von 18 bis 29 Jahren ausgeübt werden. Mit dem Alter geht die intensive körperliche Aktivität zurück, der Anteil moderater Aktivität steigt“, berichten die Autoren.

Auch Kinder wachsen der Studie zufolge vor allem im Sitzen auf. Jedes zweite sechs- bis zwölfjährige Kind ist zu wenig körperlich aktiv und bewege sich weniger als eine Stunde pro Tag, so die DKV. Nur ein Viertel der Kinder würde zudem nicht länger als eine Stunde pro Tag Bildschirmmedien nutzen. 79 Prozent der Grundschulkinder von sechs bis zehn Jahren haben sogar einen eigenen Fernseher, 47 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen verfügen über einen Internetzugang im Kinderzimmer.

Weniger Aktivitäten als 2010

Im Vergleich zur Studie von 2010 ist die körperliche Aktivität leicht zurückgegangen. 2014 erreichen zwar wie bereits zwei Jahre zuvor 54 Prozent der Befragten die Mindestempfehlung zur körperlichen Aktivität. Dieser Anteil ist allerdings von 2010 bis 2012 von 60 auf 54 Prozent gesunken. Nach Angaben der DKV hat das dauerhafte Sitzen negative Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel. Dauersitzen sei neben allgemeinem Bewegungsmangel heute als ein eigenständiger Risikofaktor für die Gesundheit anerkannt.

Negativ ist zudem, dass die Zahl der Raucher leicht zugenommen hat, nämlich von 22 Prozent in 2012 auf 24 Prozent in 2014. Doch es gibt auch Positives zu vermelden: „Ein positiver Trend ist, dass der Alkoholkonsum weiter sinkt“, berichten die Studienautoren. Nur noch 13 Prozent der Menschen konsumieren mehr als gelegentlich alkoholische Getränke (2012: 16 Prozent, 2010: 19 Prozent). Auch das subjektive Stressempfinden ist gesunken. 52 Prozent und damit mehr als die Hälfte der Befragten fühlen sich nicht gestresst oder können mit bestehendem Stress gut umgehen.

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