Seit April 2017: Psychotherapeuten müssen offene Sprechstunden anbieten

 - 

Wer dringend Hilfe eines Psychotherapeuten benötigt, soll künftig seltener auf einer Warteliste landen, sondern frühzeitig in einer psychotherapeutischen Sprechstunde akut betreut werden.

Das schreibt das bereits im Juni 2015 in Kraft getretene GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vor. Ab April 2017 können gesetzlich Krankenversicherte solche Sprechstunden in Anspruch nehmen. Das regelt die neue Psychotherapeuten-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Seit 1.4.2017 gilt für gesetzlich Versicherte mit psychischen Problemen zweierlei:

  • Psychotherapeuten mit Kassenzulassung müssen dann zusätzlich zu den bisherigen Leistungen Sprechstunden für Patienten anbieten. Dort soll geklärt werden, ob und wie schwer der Patient erkrankt ist. Der Psychotherapeut soll anschließend die Behandlung entweder selbst übernehmen oder vermitteln.

  • Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen werden dann auch Sprechstundentermine bei Psychotherapeuten vermitteln. Eine ärztliche Überweisung an einen Psychotherapeuten muss dabei nicht vorgelegt werden.

Um die oft lange Wartezeit auf einen Termin bei einem Facharzt zu verkürzen, wurden bereits Anfang 2016 bei den Kassenärztlichen Vereinigungen Terminservicestellen eingerichtet. Sie sollen dafür sorgen, dass Patienten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Dafür bleibt den Servicemitarbeitern eine Woche Zeit. Termine beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden müssen die Terminservicestellen nicht vermitteln. Seit 1.4.2017 müssen diese Terminservicestellen gesetzlich Versicherten auch einen Sprechstunden-Termin bei einem Psychotherapeuten vermitteln.

Wertvolle Expertentipps zur staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Sie in unserem Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Einen Anspruch des Versicherten auf einen Termin bei einem bestimmten Psychotherapeuten gibt es allerdings nicht. Die Patienten können aber den angebotenen Termin auch ablehnen und (weiter) auf einen Behandlungstermin bei ihrem Wunsch-Therapeuten warten. Die Neuregelung soll dazu führen, dass gesetzlich krankenversicherte Patienten nicht mehr so lange auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten müssen wie bisher. Bisher dauert es im Schnitt drei Monate bis zu einem Erstgespräch mit einem Psychotherapeuten.

Das Sprechstunden-Angebot soll in der nächsten Zeit flächendeckend ausgebaut werden. Psychotherapeuten mit Kassenzulassung sollen ab 1.4.2017 – so die Vorgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses – pro Woche mindestens 100 Minuten Sprechstunden anbieten, bei einem halben Versorgungsauftrag des Therapeuten sind es 50 Minuten. Den Umfang ihres Sprechstundenangebots müssen die Psychotherapeuten an die Kassenärztliche Vereinigung melden. Ursprünglich war im Beschluss des G-BA die Formulierung enthalten, dass Therapeuten eine Sprechstunde anbieten können. Diese Kann- Bestimmung wurde vom Bundesgesundheitsministerium beanstandet und nun in der überarbeiteten Fassung der Psychotherapie-Richtlinie gestrichen. Der G-BA geht davon aus, dass bis spätestens am 1.4.2018 eine ausreichende Zahl von Sprechstunden angeboten wird.

Ein erwachsener Patient kann im Rahmen der Sprechstunden bis zu 6 × 25-minütige Termine erhalten – Kinder, Jugendliche und deren Eltern bis zu 10 × 25-minütige Termine. Eltern können auch ohne ihre Kinder Termine in der Sprechstunde wahrnehmen. Am Ende des Sprechstundengesprächs sollen die Patienten einen Befundbericht erhalten, der auch für Personen ohne psychotherapeutische oder medizinische Kenntnisse verständlich ist. Darüber hinaus werden der Patientin oder dem Patienten Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben.

Aktuelle Tipps zum flexiblen Renteneintritt geben Experten in unserem Ratgeber Die Flexi-Rente: Neue Chancen für Rentenversicherte und Rentner.

Mehr Gruppentherapie, weniger Probesitzungen

Außer der psychotherapeutischen Sprechstunde hat der G-BA noch weitere Verbesserungen für die Versorgung psychisch Kranker beschlossen. So wurden die Hürden für eine Gruppentherapie gesenkt. Diese ist künftig bereits für drei Patienten möglich. Bisher mussten mindestens sechs Patienten in einer Gruppe sein. Zudem gilt: Wer eine Therapie macht, muss sich künftig spätestens nach der vierten Sitzung entscheiden, ob er nicht doch lieber zu einem anderen Therapeuten wechseln möchte. Bislang ist der Wechsel des Therapeuten noch bis nach der fünften Sitzung erlaubt.

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Pflege" beantworten Experten in unserem Ratgeber Der Pflegefall droht: Entscheidungen treffen, Vermögen schützen und Ansprüche durchsetzen.

Weitere News zum Thema

  • Krankenkassen haben Milliardenüberschuss

    [] Nach den ersten drei Quartalen 2017 konnten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro ausweisen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung: Geringe Beitragsentlastung

    [] Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit wird der vom Arbeitnehmer alleine zu tragende Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Durchschnitt sinken. Allerdings werden Gutverdiener aufgrund der Erhöhung bestimmter Sozialversicherungs-Werte dennoch mehr zahlen müssen als bisher. Zudem wird der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung schwerer. mehr

  • Neues für Selbstständige mit geringem Einkommen

    [] Wie das Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jüngst mitteilte, gibt es ab 2018 eine Änderung bei der Festlegung der Beiträge für Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind. Zudem steigt der Mindestbeitrag. Experten warnen bereits seit Längerem vor einer Überforderung von gering verdienenden Selbstständigen durch überhöhte Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). mehr

  • Gefährliches Spielzeug und riskante sonstige Produkte

    [] Nicht jedes Spielzeug oder Kinderzimmer-Möbelstück ist auch wirklich für Kinder geeignet. Ein Webportal zeigt, worauf man bei den einzelnen Produktarten achten sollte, um das Unfallrisiko minimal zu halten und die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, aber auch, welche einzelnen Produkte bereits als gefährlich eingestuft wurden. mehr

  • Damit PC und Smartphone nicht zu Augenleiden führen

    [] Viele, die fast jeden Tag stundenlang auf einen Monitor blicken, egal ob es sich dabei um einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display handelt, leiden irgendwann unter gereizten, geröteten, lichtempfindlichen und/oder juckenden Augen. Bei manchen verschlechtert sich sogar die Sehstärke. Wie sich solche Beschwerden verhindern lassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.