Schutz vor Zecken

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(verpd) Bereits im Januar und Februar diesen Jahres wurden vom Robert-Koch-Institut fünf Fälle einer Frühsommer-Meningoenzephalitis-Infektion (FSME) in Deutschland registriert. Einen Grund hierfür sehen die Experten im zurückliegenden warmen Winter, denn dadurch konnten die gefährlichen Blutsauger weiter aktiv sein.

Viele Menschen schützen sich vor Zecken, wenn sie in den Wald gehen. Doch das ist zu kurz gegriffen, denn der Lebensraum der Zecke beginnt vor der eigenen Haustür. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine Studie der Universität Hohenheim vom März 2015. Untersucht wurden dabei Gärten aus dem Großraum Stuttgart – mit einem ernüchternden Ergebnis.

Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim dazu: „In allen Gärten konnten wir Zecken finden.“ Dabei sind selbst Gärten betroffen, die sehr gepflegt und mehrere Hundert Meter vom Wald entfernt sind. Sie schlussfolgert: „Man kann einen Garten nicht zeckenfrei halten. Einmal eingeschleppt, bilden sie stabile Populationen.“

Nicht nur im Wald, nicht nur im Sommer

Die Vorstellung, dass Zecken nur im Wald vorkommen, muss also revidiert werden. Und Zecken gibt es nicht nur in der warmen Jahreszeit. „Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht“, erklärt Prof. Mackenstedt.

Um sich zu schützen, muss man wissen, wo die Tiere lauern. Zecken sitzen in aller Regel auf Gräsern, Stauden oder Büschen, wobei sie bis zu 1,50 Meter hochklettern. Die Tiere können nicht fliegen oder springen, aber sich durchaus auf einen warmblütigen Wirt zubewegen, wenn er längere Zeit stillsteht oder sitzt. Außerdem wechseln die Zecken blitzschnell von einem Grashalm oder Ähnlichem auf einen Wirt, wenn dieser nur leicht daran streift.

Schafft es eine Zecke, sich an einem Wirt festzukrallen, beginnt sie mit der Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Der Stich selber wird in aller Regel nicht erkannt, denn der Blutsauger gibt schmerzstillende Stoffe ab. So bleibt die Zecke mehrere Tage und saugt Blut, wobei sie Erreger aufnehmen und Krankheitserreger abgeben kann. Besonders problematisch sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose, die so auf den Menschen übertragen werden.

Borreliose: Spätfolgen eines Zeckenstichs nach Jahren

Zwischen zehn und 20 Prozent aller Zecken haben Lyme-Borrelien in sich; in manchen Regionen sind es sogar bis zu 40 Prozent. Die Bakterien sind der Auslöser für die Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit. Hierzulande erkranken jedes Jahr rund 100.000 Menschen an dieser multisystemischen Infektionskrankheit. Jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe können befallen werden – und die Krankheit kann einen chronischen Verlauf nehmen.

Die Symptome variieren: Grippeähnliche Verläufe mit Fieber und Kopfschmerzen sind genauso bekannt wie Schweißausbrüche, schmerzhafte Entzündungen der Nerven und der Gelenke sowie Störungen des Tastsinns und des Sehens, aber auch Herzrasen und hoher Blutdruck sind darauf zurückzuführen. Patienten klagen außerdem über Erschöpfung und chronische Müdigkeit – und sie haben oftmals weniger Serotonin. Fehlt dieses Glückshormon, führt dies zu depressiven Verstimmungen.

Eine Zecke benötigt für die Übertragung der Borrelien zwischen sechs und 48 Stunden. Deshalb sollte sie immer so schnell wie möglich fachmännisch entfernt werden. Sind Borrelien in den Menschen gelangt, vermehren sie sich und breiten sich aus. Häufig treten nach zwei bis vier Wochen, manchmal schon wenige Tage nach einer Borrelieninfektion grippale Anzeichen und sich ringförmig ausbreitende rötliche Hautveränderungen um die Bissstelle auf. Dann ist es höchste Zeit zum Arzt zu gehen, der mit einem speziellen Antibiotikum die Borrelienbakterien bekämpfen kann.

FSME: Die tödliche Gefahr

Im Gegensatz zur Borreliose handelt es sich bei FSME um eine durch Viren verursachte Krankheit, deren Übertragung schon kurz nach dem Stich erfolgt. Sie tritt nicht so häufig auf wie die Borreliose, da nur rund zwei Prozent der Zecken in den sogenannten Risikogebieten mit dem FSME-Virus infiziert sind, doch sie ist gefährlicher und kann sogar bis zum Tod führen.

Bei einer FSME-Infektion kommt es zu Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Magenbeschwerden oder Durchfall. Diese grippeähnlichen Symptome treten ein bis zwei Wochen nach der Übertragung auf. Nach einem kurzen beschwerdefreien Zeitraum kann es durch diese Viren auch zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen, die sich häufig durch hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Sprach- und Schluckbeschwerden und/oder Nackensteife bemerkbar macht und tödlich verlaufen kann.

Betroffen ist vor allem Süddeutschland: Jeder Landkreis in Baden-Württemberg und fast jede Region in Bayern gehören mittlerweile zum FSME-Risikogebiet. Doch es gibt auch noch weitere Gebiete, wie eine Karte des Robert-Koch-Institutes (RKI), die als PDF-Datei online heruntergeladen werden kann, zeigt. Gegen FSME kann man sich durch eine Impfung schützen. Informationen hierzu liefert das RKI auf einer eigenen Webseite.

Schutz vor dem Zeckenstich

Um sich grundsätzlich vor einen Zeckenstich zu schützen, rät das RKI zu geschlossener Kleidung, also festen Schuhen (Gummistiefeln), langen Hosen und einer Oberbekleidung mit langen Ärmeln. Außerdem sollten vorhandene Wege genutzt und nicht querfeldein gelaufen werden. Nach einem Aufenthalt im Freien sollten der Körper und die Kleidung sorgfältig nach Zecken abgesucht werden.

Wenn man eine Zecke entdeckt hat, sollte sie umgehend entfernt werden. Hierfür eignen sich eine Pinzette, eine Zeckenzange, eine Zeckenkarte oder ein sogenannter Zecken-Kuhfuß. Danach desinfiziert man die Stelle und kontrolliert mit einer Lupe, ob das Tier vollständig entfernt wurde. Tägliche (Handy-)Fotos der Einstichstelle helfen, eventuell auftretende Hautveränderungen schnell zu erkennen.

Konnte die Zecke nicht komplett mit ihrem Kopf entfernt werden, treten Hautveränderungen um die Bissstelle auf oder sind erste Krankheitssymptome erkennbar, sollte man zum Arzt gehen. Tipp: Grundsätzlich sollte man, wenn man in Deutschland oder in Europa in Gebieten mit erhöhtem FSME-Aufkommen von einer Zecke gebissen wurde, einen Arzt aufsuchen.

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