Schlechtes Betriebsklima – hoher Krankenstand

 - 

(verpd) Der Krankenstand ist im vergangenen Jahr nach dem Fehlzeiten-Report 2016 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) zum vierten Mal in Folge angestiegen. Erstmals wurde durch eine repräsentative bundesweite Befragung untersucht, welcher Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Krankenstand besteht. Das Ergebnis: Dort, wo die Betriebsführung für ein gutes Betriebsklima sorgt, ist der Krankenstand deutlich niedriger als bei einem als schlecht empfundenen Betriebsklima.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) und der AOK Bundesverband haben vor Kurzem den gemeinsam mit der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik erarbeiteten „Fehlzeiten-Report 2016“ vorgestellt. Danach nahm 2015 der Krankenstand unter den knapp zwölf Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent zu.

Dies ist nach den Wido-Daten der vierte Anstieg in Folge. Neun Jahre zuvor wurde mit 4,2 Prozent der niedrigste Krankenstand erreicht. Den Angaben zufolge fehlte damit jeder Beschäftigte im Durchschnitt 19,5 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung.

Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Krankenstand

Eine bundesweite, repräsentative Befragung von rund 2.000 Arbeitnehmern im Alter zwischen 16 und 65 Jahren sollte zusätzlich darüber Klarheit schaffen, welcher Zusammenhang zwischen dem Krankenstand und dem von der Unternehmensleitung gepflegten oder eben nicht gepflegten Betriebsklima besteht.

Das Ergebnis ist eindeutig: Gut jeder vierte Arbeitnehmer, der seine Unternehmenskultur als schlecht bewertet, ist auch mit der eigenen Gesundheit unzufrieden. Bei den Befragten, die ihre Unternehmen positiv sehen, war es nur knapp jeder Zehnte.

Für Helmut Schröder, stellvertretender Wido-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports, ist völlig eindeutig, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben, und ihrer Gesundheit besteht. „Jedes Unternehmen, egal welcher Branche, sollte dieses Wissen nutzen.“

Für ein wirklich gutes Betriebsklima wäre noch viel zu tun

In einem Unternehmen zu arbeiten, das hinter seinen Mitarbeitern steht, wünschen sich 78,3 Prozent der Befragten. Aber nur 54,8 Prozent sind der Meinung, dass sie das in ihrem Betrieb auch so erleben.

Und 69,3 Prozent der befragten Arbeitnehmer gaben an, dass sie es sich wünschen würden, wenn für gute Arbeit auch ein Lob ausgesprochen würde. Aber nur 50,2 Prozent gaben an, dass dies bei ihnen auch der betrieblichen Praxis entspricht.

Viele Arbeitnehmer wünschen sich auch, dass sie von beabsichtigten Veränderungen rechtzeitig informiert werden und dass sie auf wichtige anstehende Entscheidungen auch Einfluss nehmen können. Hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit ebenfalls noch erheblich auseinander.

Fast doppelt so viele Ausfalltage bei schlechtem Betriebsklima

Von denjenigen, die in ihrem Betrieb das Klima als schlecht einstufen, sind 31 Prozent 15 und mehr Tage im Jahr krank. Bei denen, die von einer guten Unternehmenskultur sprechen, sind es nur 16,9 Prozent.

Im Umfeld eines schlechten Betriebsklimas fühlen sich 27,5 Prozent der Befragten auch mit ihrer eigenen Gesundheit unzufrieden. In einem guten Betriebsklima gilt dies nur für 8,9 Prozent.

Aber auch bei einem guten Betriebsklima gaben 32,0 Prozent der Befragten an, dass sie physische Beschwerden im Zusammenhang mit dem Beruf haben. Und 35,8 Prozent haben psychische Beschwerden in Zusammenhang mit der Berufsausübung. In einem schlechten Betriebsklima liegen diese Beschwerden aber in etwa doppelt so hoch.

Tipps für ein gutes Betriebsklima

Tipps, Tests und Hilfen, wie sich das Betriebsklima verbessern lässt und wie der Einzelne mit Stress am Arbeitsplatz umgehen kann, ohne krank zu werden, gibt es beispielsweise von der Initiative Neue Qualität der Arbeit, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufen wurde. Unter anderem kann im Webportal der Initiative der kostenlose 40-seitige Ratgeber „Kein Stress mit dem Stress“ heruntergeladen oder auch in Papierform bestellt werden, der Führungskräften entsprechende Arbeitshilfen aufzeigt.

Auf der Website des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stehen zudem umfangreiche Informationen von den Symptomen bis zur Behandlung von Schlafstörungen, Depressionen bis hin zum Burn-out zur Verfügung

Es gibt zudem Versicherungslösungen wie eine betriebliche Unfall- und Krankenversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge, mit denen Arbeitgeber die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter und damit auch die Bindung zum Unternehmen steigern können. Neben der verstärkten Attraktivität als Arbeitgeber haben solche Absicherungslösungen für das Unternehmen selbst oft weitere Vorteile, wie steuerliche Absetzbarkeit und Einsparungen bei den Lohnnebenkosten.

Weitere News zum Thema

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

  • Krankenversicherung: Teure Lügen und Nachlässigkeiten

    [] (verpd) Die Rechtsfolgen der sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflicht-Verletzung in der privaten Krankenversicherung sind drastisch, warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin). Die vorvertragliche Anzeigepflicht ist die Pflicht des Versicherungskunden, bei der Beantragung einer Versicherungspolice alle ihm bekannten Gefahrumstände, nach denen im Antrag gefragt wird, wahrheitsgemäß zu beantworten. Die Bafin gibt Tipps, worauf ein Versicherungskunde beim Antrag achten sollte, damit es nicht zu einer Pflichtverletzung kommt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.