Privatpatienten können leichter den Versicherungstarif wechseln

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Bis zu 200 € lassen sich monatlich sparen, wenn man als Mitglied einer privaten Krankenversicherung den Tarif wechselt. Wählt man einen Selbstbehalt, kann die Ersparnis noch höher ausfallen.

Die rund 8,8 Millionen Privatpatienten können künftig einfacher ihren Tarif wechseln, wenn ihnen die Beiträge zu teuer werden. Die privaten Krankenversicherer haben sich freiwillig verpflichtet, ihren Kunden den Wechsel in einen günstigeren Tarif nach Beitragsanhebungen leichter zu machen und innerhalb von drei Wochen nach der Antragstellung zu ermöglichen. Einige Krankenversicherer wollen sogar alle 55 Jahre alten Mitglieder auf andere, preiswertere Tarife im eigenen Unternehmen hinweisen, wenn die Beiträge steigen.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte bereits im Juni 2010 einen pauschalen Zuschlag als unzulässig erachtet, den ein Krankenversicherer beim Wechsel in einen neuen Tarif verlangte (Az. BVerwG 8 C 42.09). Die Richter schlossen sich damit der Meinung der Finanzaufsicht BaFin an, die den Tarifstrukturzuschlag untersagen wollte, aber dafür den Klageweg beschreiten musste.

Was tun gegen steigende Beiträge?

Das Problem mit den jährlich steigenden Beiträgen zu einer privaten Krankenversicherung betrifft insbesondere die rund 3,5 Millionen Selbstständigen und Besserverdiener, die sich in jungen Jahren für die meist günstigere private Krankenversicherung entschieden haben. Die mehr als fünf Millionen beihilfeberechtigten Beamten und Pensionäre spüren in der Regel die Beitragssteigerungen weniger deutlich.

Doch wer seine Beiträge allein finanzieren muss, sollte deren Anstieg im Auge behalten. Ansonsten kann die private Krankenversicherung im Alter zu einer möglicherweise nicht mehr finanzierbaren Last werden. Aus 300,00 € Monatsbeitrag werden bei 3 % Anpassung jährlich in 15 Jahren 467,00 €, in 25 Jahren sind es bereits 628,00 €. Bei 5 % jährlicher Anpassung werden sogar 624,00 € bzw. 1.106,00 € aus Ihrer Anfangsprämie. Sie sollten sich immer vor Augen halten, dass Krankenversicherungsverträge unter Umständen Vertragslaufzeiten von 50 und mehr Jahren haben. Nicht umsonst heißt es: Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung ist eine Entscheidung fürs Leben.

Tarifwechsel als Beitragsentlastung

Die Versicherungsunternehmen entwickeln regelmäßig neue Produkte. So kann es passieren, dass seit dem Abschluss Ihres Vertrages jede Menge neue Tarife entwickelt wurden, die unter Umständen preiswerter sind als Ihr eigener Tarif. Das Versicherungsvertragsgesetz räumt Ihnen das Recht ein, in einen gleichartigen Tarif des Versicherers zu wechseln.

Diese Regelung wurde eingeführt, um eine beliebte Unart der Versicherungsunternehmen zu verhindern bzw. zu erschweren. Wenn ein Tarif in die Jahre kam und die Beiträge im Neugeschäft nicht mehr wettbewerbsfähig waren, so wurde der Tarif geschlossen und eine neuer aufgelegt. Die Versicherten im Alttarif wurden so mit noch schneller steigenden Beiträgen konfrontiert. Bestandsvergreisung nennt man diesen Vorgang etwas salopp.

Vor allem, wenn Sie schon länger bei einem Unternehmen versichert sind, kann der Wechsel in einen gleichartigen Tarif durchaus zu einer deutlichen Beitragssenkung führen, u.U. bis zu 200 € im Monat. Sie haben ein Anrecht auf einen solchen Wechsel, evtl. unter teilweiser Anrechnung Ihrer vorhandenen Alterungsrückstellung.

Schauen Sie sich aber den neuen Tarif, vor allem die Versicherungsbedingungen, genau an. Manchmal sind die günstigeren Preise mit Leistungseinschränkungen verbunden. Vor allem die Bereiche Heil- und Hilfsmittel können ganz gravierende Unterschiede beinhalten. 100,00 € Unterschied bei der Brille mögen nicht die Welt sein. Ob Sie im Ernstfall aber einen elektrischen Rollstuhl bekommen oder nicht, kann 5.000,00 € bis 10.000,00 € ausmachen. Sehr hohe, manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbare Unterschiede gibt es auch im Zahnbereich.

Selbstbehalt senkt Beitrag

Die einfachste Art, den Beitrag abzusenken besteht darin, Selbstbehalte zu vereinbaren. Bei guten Tarifen sollte die Beitragsersparnis höher sein als der evtl. auf Sie zukommende Selbstbehalt.

Achtung: Sie müssen bedenken, dass im Falle einer chronischen Erkrankung der Selbstbehalt eine zusätzliche Belastung darstellt. Als Diabetiker müssen Sie sich beispielsweise durchaus auf 1.500,00 € und mehr Kosten pro Jahr einstellen. Ein Selbstbehalt von 1.000,00 € ist dann eine regelmäßige Belastung, die zusätzlich zum Beitrag anfällt. Der Charme des niedrigen Beitrags schmilzt dann dahin.

Daher empfiehlt es sich, einen Teil der Beitragsersparnis anzusparen, um die Inanspruchnahme durch den Selbstbehalt ausgleichen zu können. Wenn Sie möglichst früh damit anfangen, können Sie in den Zeiten, in denen Sie keine Leistungen in Anspruch nehmen, ein ansehnliches Sümmchen zusammensparen. Sie bilden praktisch Ihre eigene Art von Alterungsrückstellung.

Wenn Sie bei einem Unternehmen versichert sind, das Beitragsrückerstattungen bei Nicht-Inanspruchnahme vorsieht, sollten Sie vor Einreichung einer Rechnung immer prüfen, ob es nicht besser ist, die Rechnung selbst zu zahlen. Die Beitragsrückerstattung kann nämlich höher sein als die Rechnung. Zudem steigt die Beitragsrückerstattung mit der Anzahl der leistungsfreien Jahre.

Wenn Sie den Selbstbehalt erhöhen möchten, brauchen Sie sich keiner Gesundheitsprüfung zu unterziehen. Lassen Sie sich mehrere Varianten ausrechnen und suchen Sie sich die optimale heraus. Die Beitragsersparnis sollte dabei in jedem Fall höher sein als die mögliche Belastung durch den Selbstbehalt, selbst wenn dieser in voller Höhe zu zahlen wäre.

Wenn Sie die Krankenversicherung nicht in Anspruch nehmen, profitieren Sie zusätzlich von der Beitragsrückerstattung. Weiterer Vorteil eines Selbstbehalttarifs: Dieser wird in der Regel nicht so stark angehoben wie ein Volltarif. Außerdem können Sie bei einem Wechsel in einen Selbstbehalttarif die Altersrückstellungen in vollem Umfang mitnehmen.

Achtung: Bei einer Beitragsanpassung kann es vorkommen, dass auch der Selbstbehalt erhöht wird.

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