Private Krankenversicherung: Rückkehr in eine gesetzliche Krankenkasse erleichtert

 - 

Viele Privatversicherte wären gern wieder gesetzlich krankenversichert. Nahezu unbemerkt wurden schon im August 2013 die Tore der "Gesetzlichen" wieder etwas weiter geöffnet. Das Zauberwort heißt dabei "obligatorische Anschlussversicherung".

Danach spielen die sog. Vorversicherungszeiten bei der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung praktisch keine Rolle mehr. Nun gilt vielmehr der Grundsatz: Wer einmal pflichtversichert war – und sei es nur für kurze Zeit – und aus der Pflichtversicherung herausfällt, ist automatisch freiwillig gesetzlich versichert (man kann dem jedoch widersprechen und muss dann belegen, dass man privat krankenversichert ist).

Generell hat sich der Gesetzgeber in den letzten Jahrzehnten bemüht, die Möglichkeiten privat Krankenversicherter, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren, einzuschränken. Vom Grundsatz her soll gelten: Einmal privat – immer privat. Dennoch bleibt eine Reihe von Hintertürchen. Für Arbeitnehmer unter 55 Jahren ist dabei entscheidend, dass ihr Einkommen wieder innerhalb der sog. Versicherungspflichtgrenze liegt. Bei manchen geschieht das automatisch aufgrund der jeweils zum Jahresbeginn erfolgenden Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze. 2014 ist diese Grenze auf 4.462,50 € pro Monat bzw. 53.550,00 € im Jahr gestiegen. Für diejenigen, die bereits 2002 privat versichert waren, liegt diese Grenze bei 4.050,00 €. Wer nur so viel oder weniger verdient, ist automatisch versicherungspflichtig. Achtung: Hieran ändert auch eine Gehaltserhöhung im Laufe des Jahres nichts, es bleibt bei der Versicherungspflicht. Die Karten werden dann erst im kommenden Jahr neu gemischt. Anfang 2015 können sich die Betroffenen – falls ihr Einkommen noch immer über der dann geltenden Versicherungspflichtgrenze liegt – zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung entscheiden.

Rückkehr dank Entgeltumwandlung oder Arbeitszeitkonto

Liegt das Einkommen knapp über der Grenze für die Versicherungspflicht, gibt es für Rückkehrwillige Gestaltungsmöglichkeiten: Mit Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge lässt sich das beitragspflichtige Einkommen senken, maximal um 238,00 € pro Monat (2014). Genauso funktionieren auch Langzeit- bzw. Lebensarbeitszeitkonten. Wenn Teile des Gehalts auf diesen Konten angespart werden, wird die Sozialversicherungspflicht der Einkünfte in die Zukunft verschoben. Liegt das aktuelle beitragspflichtige Einkommen nicht mehr über der Versicherungspflichtgrenze, müssen sich die Betroffenen wieder gesetzlich krankenversichern – und zwar umgehend. Die gesetzliche Versicherungspflicht tritt in solchen Fällen nicht erst im Folgejahr, sondern sofort ein.

Dauer der Versicherungspflicht spielt keine Rolle mehr

An diesen Rückkehrwegen hat sich nichts geändert – die Änderungen betreffen nur die erforderliche Dauer der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht. Denn seit dem 1.8.2013 haben sich die Aufnahmebedingungen der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung geändert. Bislang galt: Freiwillig gesetzlich versichern konnte sich früher nur, wer zuletzt pflichtversichert war und in den letzten fünf Jahren vor dem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht in der GKV mindestens 24 Monate in einer Krankenkasse versichert war. Alternativ dazu reichte es auch, wenn unmittelbar vor dem Ausscheiden aus der GKV-Versicherungspflicht mindestens zwölf Monate eine gesetzliche Krankenversicherung bestand.

Diese Regelungen zur sog. Vorversicherungszeit bestehen zwar noch immer. Sie sind jedoch praktisch unbedeutend. Denn seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung am 1.8.2013 gibt es eine neue obligatorische Anschlussversicherung (§ 188 Abs. 4 SGB V). Danach beginnt nach Beendigung der Versicherungspflicht oder nach dem Ende einer Familienversicherung in der GKV automatisch eine freiwillige gesetzliche Versicherung. Ob Vorversicherungszeiten erfüllt wurden, spielt dabei keine Rolle mehr.

Die Konsequenzen dieser Neuregelung macht folgendes Beispiel deutlich: Ein privat krankenversicherter Arbeitnehmer verliert seinen Arbeitsplatz und erhält Arbeitslosengeld I. Durch dessen Bezug wird er in der GKV versicherungspflichtig. Er bezieht nun für nur einen Monat Arbeitslosengeld I und findet anschließend wieder einen gut dotierten Job mit Einkünften oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Nach den früher geltenden Regelungen wäre eine freiwillige Versicherung in einer gesetzlichen Kasse für ihn nicht infrage gekommen, da er die hierfür geforderte Vorversicherungszeit nicht erfüllt hätte. Jetzt setzt jedoch nach Beendigung seiner Arbeitslosigkeit automatisch die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung ein. Er kann sich allerdings auch dagegen entscheiden, indem er seinen Austritt aus der GKV erklärt. Dann muss er allerdings belegen, dass er einen (neuen) Vertrag bei einer privaten Krankenversicherung hat.

Die Neuregelung gibt damit PKV-Versicherten die Möglichkeit, über eine kurze Zeit der Pflichtversicherung wieder in die GKV zurückzukehren. Dies gilt allerdings nach wie vor in der Regel nur für unter 55-Jährige.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.