Private Krankenversicherung: Beitragsbescheinigungen für das Finanzamt sind teilweise falsch

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Alle Krankenversicherte – gesetzlich wie privat – erhalten zum Nachweis für ihre Einkommensteuererklärung eine Beitragsbescheinigung, in der die gezahlten Krankenversicherungsbeiträge ausgewiesen werden. Zusätzlich wird im Bereich der privaten Krankenversicherung teilweise auch noch die Höhe des steuerlich abzugsfähigen Beitrags ausgewiesen. Dazu enthält die Bescheinigung den Hinweis, dass nur Beiträge zur sog. Basisversicherung steuerlich berücksichtigungsfähig sind. Doch diese pauschale Aussage bzw. der Ausweis nur eines Teils der Beiträge als steuerlich abzugsfähig ist falsch. Denn Versicherte können in bestimmten Fällen sehr wohl ihre gesamten Krankenversicherungsbeiträge absetzen.

Alle Versicherungsbeiträge, die nicht zur Altersvorsorge zählen, sind bei Arbeitnehmern bis zu einem Höchstbetrag von 1.900,00 € und bei Selbstständigen bis zu 2.800,00 € als sonstige Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Dazu gehören vor allem die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung sowie zu Unfall- und Haftpflichtversicherungen.

Seit dem 1.1.2010 gilt eine Besonderheit: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die die medizinische Grundversorgung sicherstellen (Basisabsicherung), sind jetzt in voller Höhe steuerlich abzugsfähig, auch wenn dadurch der jährliche Höchstbetrag von 1.900,00 € bzw. 2.800,00 € überschritten wird. Privatversicherte erhalten dazu von ihrem Unternehmen eine Beitragsbescheinigung. Versicherte sollten jedoch die ausgewiesenen Beträge und steuerlichen Hinweise nicht ohne Prüfung übernehmen.

Soweit die Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung die Höchstbeträge von 1.900,00 € bzw. 2.800,00 € (die sich bei Ehegatten noch verdoppeln) übersteigen, werden nur die Beiträge zur Basisabsicherung steuerlich berücksichtigt. Für Privatversicherte bedeutet dies, dass sie keine Zusatzleistungen wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung steuerlich geltend machen können, wenn bereits mit den Beiträgen zur Sicherung einer Grundversorgung auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung der Höchstbetrag erreicht wird. Doch in bestimmten Fällen, z.B. bei niedrigen Aufwendungen für die Basisversicherung, bei Ehepaaren oder bei Zuschüssen des Arbeitgebers, können die gesamten Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich abgesetzt werden.

Beispiel:

Der Jahresbeitrag zur privaten Krankenversicherung eines Arbeitnehmers beträgt 3.600,00 €, davon entfallen auf die Basisabsicherung 3.020,00 €. Der Versicherer bescheinigt: Steuerlich absetzbarer Betrag 3.020,00 € mit dem Hinweistext: Aufgrund gesetzlicher Regelungen ist nur ein Teilbetrag der Krankheitskostenvollversicherung (Basisabsicherung) steuerlich absetzbar. Das ist falsch, denn privat versicherte Arbeitnehmer erhalten die Hälfte (= 1.800,00 €) als Beitragszuschuss vom Arbeitgeber, die eigenen Aufwendungen betragen also nur 1.800,00 €. Angenommen, der Arbeitnehmer ist verheiratet und seine Frau zahlt z.B. als Arbeitnehmerin mit 1.600,00 € Bruttoeinkommen einen Monatsbeitrag von 124,00 €, dann sind zusammen 3.288,00 € und damit alle Krankenversicherungsbeiträge, auch solche jenseits der Basisabsicherung, steuerlich abzugsfähig. Denn insgesamt kann ein Ehepaar Versicherungsbeiträge bis zu 3.800,00 € als sonstige Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend machen.

Wer der Bescheinigung des privaten Krankenversicherers folgt und nur die Beiträge zur Basisabsicherung absetzt, macht deshalb zu geringe Aufwendungen geltend und zahlt mehr Steuern als nötig. Abweichungen können sich übrigens auch in den Fällen ergeben, in denen aufgrund der sog. Günstigerprüfung die abzugsfähigen Sonderausgaben nach dem Recht vor dem 1.1.2005 ermittelt werden.

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