Patientenmobilität: Mehr Rechtssicherheit in der EU

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Zum neuen Gebiss nach Budapest, zur Hüft-Operation nach Paris, zum Herzkatheter nach Wien – das ist auch für gesetzlich Versicherte möglich. Was dann für die Kostenübernahme gilt, ist in der EU-Richtlinie zur Patientenmobilität festgeschrieben, die am 25.10.2013 vollständig wirksam geworden ist.

Wer als gesetzlich Versicherter in einen anderen EU-Staat reist, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen, kann zwischen einer vorherigen Genehmigung und der Kostenerstattung wählen. Im letzten Fall ist man im Ausland so gestellt wie ein Privatpatient: Man zahlt die Rechnung und legt sie nachher bei seiner Krankenkasse zur Erstattung vor. Alternativ dazu kann man sich vorher von seiner Kasse die Behandlung prüfen und genehmigen lassen und legt dann beim ausländischen Arzt oder Krankenhaus diese Genehmigung vor. Bei stationären Aufenthalten ist dieses Verfahren sogar zwingend vorgeschrieben. Ist die Krankenkasse mit der Auslandsbehandlung einverstanden, stellt sie dafür den Vordruck E112 oder S2 aus. Damit weist man im Behandlungsstaat nach, dass man wie ein dort gesetzlich Krankenversicherter behandelt werden will und dass die eigene Krankenkasse für Kosten aufkommt.

Egal für welche Variante Sie sich entscheiden: In jedem Fall sollten Sie sich vorher darüber informieren, was die Krankenkasse übernimmt und auf welchem Kostenteil Sie sitzen bleiben. Achtung: Die deutsche Krankenkasse zahlt maximal den Betrag, den sie bei einer gleichen Behandlung in Deutschland tragen würde. Davon zieht die Kasse dann noch Verwaltungskosten ab.

Grundsätzlich gelten die Regelungen des Staates, in dem die Behandlung stattfindet. Kosten für Behandlungen, die für Inländer etwa in Spanien nicht übernommen werden, werden auch für Deutsche, die sich dort aufhalten oder dorthin zur Behandlung fahren, nicht gezahlt. Umgekehrt gilt: Gehört eine Leistung in einem anderen europäischen Land zum dortigen Leistungskatalog, nicht jedoch in Deutschland, so kann die deutsche Krankenkasse die Kosten übernehmen – sie muss es aber nicht. Nach Aussagen von Krankenkassenvertretern werden Versicherte auf diesem Weg allerdings von ihrer Krankenkasse kaum zusätzliche Leistungen bewilligt bekommen.

Wer eine Leistung beanspruchen möchte, die nicht zum deutschen Leistungskatalog gehört, sollte unbedingt vorher bei seiner Kasse die Kostenübernahme beantragen. Wer sich in solchen Fällen den Weg zur Kasse spart und sich ohne deren Genehmigung im Ausland behandeln lässt, hat in jedem Fall das Nachsehen. Die Krankenkasse wird später die Erstattung in jedem Fall ablehnen.

Weiter ist in der jetzt voll geltenden EU-Richtlinie auch die gegenseitige Anerkennung von Verschreibungen geregelt. Eine Versicherte aus Griechenland kann etwa ihr griechisches Rezept in einer deutschen Apotheke einlösen – und umgekehrt. Voraussetzung ist dabei, dass das betreffende Arzneimittel im jeweiligen Staat verfügbar ist. Versicherte können sich damit beispielsweise ihren Beta-Blocker in der Apotheke auf Mallorca holen, wenn sie ein deutsches Rezept vorlegen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Mittel, die er benötigt, allerdings nach wie vor bei einem Auslandsaufenthalt mitnehmen. Denn generell gilt auch bei Medikamenten: Die Krankenkasse übernimmt nur so viel, wie das Arzneimittel in Deutschland kosten würde.

Im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) gilt: Der Versicherungsschutz erstreckt sich auf alle Länder in Europa (Europageltung). Trotzdem sollten sich auch PKV-Versicherte, bevor sie zur Behandlung ins EU-Ausland fahren, besser vorher von ihrer Versicherung beraten lassen.

Weitere Informationen gibt es unter www.eu-patienten.de, telefonische Beratung unter der Tel.-Nr.: 0228–9530–800.

Quelle: "Der GeldBerater", Dezember 2013

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