Operation im Ausland: Keine Ausnahme für Herzklappe

 - 

Gesetzlich Krankenversicherte können medizinische Leistungen auch in anderen EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen in Anspruch nehmen. Doch werden auch die Kosten übernommen?

Kassenpatienten können sich im Ausland auch operieren lassen – wie in einem Fall, über den das Bundessozialgericht am 17.2.2010 zu entscheiden hatte (Az. B 1 KR 14/09 R). Die vollen Kosten werden allerdings nur in Ausnahmefällen übernommen.

Im Normalfall zahlen die Kassen nur so viel, wie sie in Deutschland zahlen müssten. Vor dem BSG wurde darüber verhandelt, wann von diesem Grundsatz eine Ausnahme gemacht werden kann. Kurz gesagt: Nur selten.

Konkret ging es vor Gericht um 12484,74. Auf diesem Restbetrag war ein gesetzlich Versicherter nach einer in London durchgeführten Herzklappenoperation sitzen geblieben. Seine Krankenkasse – eine Ersatzkasse – hatte nämlich nur den Satz übernehmen wollen, den die OP in Deutschland gekostet hätte, nämlich 23990,38. Der Eingriff kostete in London jedoch knapp 12500 Euro mehr.

Diesen Restbetrag verlangte der Versicherte von seiner Kasse und berief sich dabei auf § 13 Abs. 4 Satz 5 des fünften Sozialgesetzbuchs. Dort heißt es: "Ist eine dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Behandlung einer Krankheit nur in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum möglich, kann die Krankenkasse die Kosten der erforderlichen Behandlung auch ganz übernehmen."

Genau diese Voraussetzung war bei den ersten beiden Herzklappenoperationen erfüllt, die der Versicherte schon in den 90er- bzw. 80er-Jahren in London hatte durchführen lassen. Bei der dritten, im Jahr 2005 vorgenommen Klappen-OP sei das – so das BSG, genau wie die Vorinstanzen – ganz anders zu beurteilen gewesen: Die Versorgung mit bioprothetischem Aortenklappenersatz (von Verstorbenen implantierten Klappen) habe sich in Deutschland grundlegend gebessert.

Zudem gebe es keine Daten, die belegten, dass in London viel besser operiert werden. Und: Dass die Kasse zweimal die Kosten der Operation in London übernommen habe, gebe dem Versicherten keinen Vertrauensschutz, auf eine dritte Kostenübernahme der OP im bekannten und vertrauten Krankenhaus.

Tipp
Immerhin gibt das Urteil des BSG indirekt Hinweis, wann gesetzlich Versicherte mit Erfolg eine volle Kostenübernahme verlangen können – etwa wenn belegt werden kann, dass in einem anderen EU-Land besser und erfolgversprechender operiert wird. Hätte der Kläger belegen können, dass das Mortalitätsrisiko bei der Operation in London deutlich niedriger war als in Deutschland, so wäre die Entscheidung des BSG wohl anders ausgefallen.

Weitere News zum Thema

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

  • Zu müde zum Erholen: Wenn die Grenze überschritten ist

    [] (verpd) Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ist eine gesunde Basis. Wer länger arbeitet, muss um die zehnte Stunde herum mit einem Leistungsknick rechnen. Eine angestaute Ermüdung nach zu langer Arbeit verhindert den Erholungseffekt der Freizeit. Wer jahrelang 50 Stunden oder länger pro Woche arbeitet, setzt seine physische und psychische Gesundheit aufs Spiel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.